Outlaw King

Abenteuerfilm | Großbritannien/USA 2018 | 121 Minuten

Regie: David Mackenzie

Ein abenteuerlicher Historienfilm um den Schotten Robert Bruce bzw. Robert I. (1274-1329), der in den sogenannten Schottischen Unabhängigkeitskriegen die schottischen Aufständischen gegen England anführte und ab 1306 bis zu seinem Tod als König Schottland regierte. Der Film schildert den Aufstieg des Adligen vom gesetzlosen Aufrührer gegen den englischen König Edward zum Herrscher, der gegen scheinbar übermächtige Widerstände für Schottland die (zeitweilige) Unabhängigkeit von der englischen Krone erringt. Ein bildgewaltiges und gewalttätiges, aber ungeschickt gerafft wirkendes Historienspektakel mit viel Raum für schlammige Schlachtengemälde und wenig Ambitionen für nachvollziehbare Figurenzeichnungen. - Ab 18.

Filmdaten

Originaltitel
OUTLAW KING
Produktionsland
Großbritannien/USA
Produktionsjahr
2018
Regie
David Mackenzie
Buch
David Mackenzie · Bathsheba Doran · James MacInnes
Kamera
Barry Ackroyd
Schnitt
Jake Roberts
Darsteller
Chris Pine (Robert Bruce, Earl of Carrick) · Stephen Dillane (König Edward I) · Rebecca Robin (Königin Margaret) · Billy Howle (Edward, Prinz von Wales) · Paul Blair (Bischof William Lamberton)
Länge
121 Minuten
Kinostart
-
Pädagogisches Urteil
- Ab 18.
Genre
Abenteuerfilm | Historienfilm
Diskussion

Ein abenteuerlicher Historienfilm um den Schotten Robert Bruce bzw. Robert I. (1274-1329), der in den soegannten Schottischen Unabhängigkeitskriegen die schottischen Aufständischen gegen England anführte und ab 1306 bis zu seinem Tod als König Schottland regierte. Die zweite Zusammenarbeit von Schausppieler Chris Pine mit Regisseur David Mackenzie nach "Hell or High Water".

Keine Gnade für die Schotten: Zu Beginn des 14. Jahrhunderts duldet Edward I. in seiner Berufung als König von England keine Abtrünnigen an der Nordlinie seines Reiches und weist aufmüpfige schottische Adelige mit aller Härte in die Schranken. Auch der unterworfene „Robert the Bruce“, bekennt sich aus Vernunftgründen zu „seinem“ König und willigt zur Güte gar in die Hochzeit mit des Herrschers Nichte Elizabeth de Burgh ein. Doch die Zeichen stehen weiter auf Sturm! Nicht zuletzt aus Rivalität zu dem schottischen Anverwandten Bruce, stachelt der Prinz von Wales, der als schwach geltende Königssohn, immer weiter gegen die verhassten Highland-Clans. Als die Engländer mit der drakonischen Steuer sowie der Vierteilung des schottischen Freiheits-Helden William Wallace das Blut der Geknechteten erneut zum Kochen bringen, beschließt Bruce eigenmächtig die Abspaltung, krönt sich zu Robert I., König von Schottland, und will die Konfrontation.

Militärisch hoffnungslos unterlegen, sucht er zunächst vergebens nach Verbündeten innerhalb der schottischen Clans. Doch auch mit einer kleinen, emotional aufgeladenen, schlagkräftigen Horde und einer getreuen Frau an seiner Seite erobert er Burg um Burg in Schottland zurück. Aber der schon bald seinen Vater beerbende Prinz von Wales weiß sehr wohl um die Achillesferse von „Bruce“. Es sind Elizabeth und seine kleines Töchterchen.

In den Fußstapfen von "Braveheart"

Mehr oder minder akkurate, üppig ausgestattete und von schlammiger Brutalität geprägte Mittelalter-Historienspektakel genießen im Dunstkreis des „Game of Throne“-Hypes ungebremste Beliebtheit. Daher finden sich auch immer wieder willige Produzenten wie Netflix, um solche Stoffe mit einigem Aufwand zu realisieren. Die großartigen Landschaften, imposante Burganlagen und der hehre Kampf um Freiheit und Anerkennung taugen beim Publikum auch heute noch für wehmütige Gefühle zwischen Büroalltag und Gartenarbeit. Der historisch verbürgte Recke „Robert the Bruce“ führt diesen Kampf mit seinem zotteligen schottischen Kampftrupp in den Fußstapfen von „Braveheart“ und Co., d.h. in einem Abenteuerfilm mit klarem Gut-Böse-Schema, in dem sich ein Underdog-Held und sein Fähnlein Aufrechter mit dem fiesen Establishment um Pfründe und Frauen schlagen. Regisseur David Mackenzie hat dafür ein ebenso namhaftes wie ansehnliches Ensemble um sich gescharten und darf in Pay-TV tauglicher Drastik irgendwo zwischen „300“ und „Gladiator“ ein Volk bei diversen Schlachten nach Selbstbestimmung suchen lassen.

Das sieht gut aus, hat indes eigentümliche dramaturgische Schwächen. Trotz der beachtlichen Länge von 121 Minuten wirkt der Film eigentümlich flach und kurzatmig. Mit viel zu vielen Schnitten um das Vorantreiben der übersichtlichen Handlung bemüht, gibt „Outlaw King“ jenen keinen Raum zur Entfaltung, die den Film eigentlich tragen sollen: Chris Pine als „edler Wilder“ Bruce schaut mit leidvoller Mine über die beeindruckende schottische Landschaft, schafft es aber nicht, der historischen Figur ein interessantes profil zu verleihen; Aaron Taylor-Johnson als bäriger Zottel Lord of Douglas, Bruces engster Vertrauter, muss den schlichten Rache-Berserker mimen; Florence Pugh als charismatische Elizabeth ist in chronischer Gefangenschaft über die letzten zwei Drittel des Filmes schlicht abgemeldet – was es schwer macht, mit den Figuren Anteilnahme zu entwickeln, während alles auf den schicksalsträchtigen Kampf von Loudoun Hill hinaus läuft.

Dramaturgisch kurzatmiges Schlachtgemälde

Bleibt – neben der schieren Postkartenidylle der schottischen Hochmoor-Sets – nur eine wirkliche Entdeckung: Billy Howle, der als Prinz von Wales zwar die undankbare Rolle des schwachen, aber brutalen und hinterhältigen Widerlings ausfüllen muss, dies aber in verordneter Kürze nuancenreich und mit fast schon Mitleid erregender tragischer Attitüde vollführt. Dem eigentlich versierten Regisseur David Mackenzie („Hallam Foe“, „Hell or High Water“) gelingt das fragwürdige Kunststück, einen viel zu langen Film viel zu kurzatmig erzählt zu haben. Der Zuschauer bleibt, trotz einer schalen Aussicht auf eine Happy End, teilnahmslos auf der Strecke.

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