Mr. Mercedes

Literaturverfilmung | USA 2017- | 526 (10 Folgen) Minuten

Regie: Jack Bender

Eine Serienverfilmung von Stephen Kings Bill-Hodges-Trilogie. In Staffel 1, beruhend auf dem 2014 erschienenen Roman "Mr. Mercedes", nimmt der sogenannte Mercedes Killer, der zwei Jahre zuvor mit einem Mercedes in eine Menschenmenge raste und viele Menschen tötete, per Post und via Chatroom Kontakt zu jenem mittlerweile pensionierten Polizisten auf, der damals vergeblich in dem Fall ermittelte, und verwickelt ihn in ein perfides Katz-und-Maus-Spiel. Die Staffel folgt alternierend dem psychisch angeschlagenen Ex-Cop, der erneut die Jagd nach dem Killer aufnimmt, und dem Killer, der in seinem Alltagsleben ein prekäres Dasein mit einer alkoholsüchtigen Mutter und einem Job als kleiner Angestellter fristet. Dabei überzeugt sie durch durchweg gelungene, sorgfältig gezeichnete Figuren-Porträts ebenso wie durch die subtile Spannungsdramaturgie, die mit einem Minimum an direkter Gewalt vor allem als abgründiger Psychothriller unterhält. - Ab 16.

Filmdaten

Originaltitel
MR. MERCEDES
Produktionsland
USA
Produktionsjahr
2017-
Regie
Jack Bender · Laura Innes · John David Coles · Kevin Hooks · Peter Weller
Buch
David E. Kelley · Sophie Owens-Bender · Dennis Lehane · Bryan Goluboff · A.M. Homes
Kamera
Armando Salas · Yaron Levy · Anthony Roman
Schnitt
David Eisenberg · Cedric Nairn-Smith · Michael R. Fox · Anthony McAfee · Chris G. Willingham
Darsteller
Brendan Gleeson (Bill Hodges) · Harry Treadaway (Brady Hartsfield) · Kelly Lynch (Deborah Hartsfield) · Holland Taylor (Ida Silver) · Mary-Louise Parker (Janey Patterson)
Länge
526 (10 Folgen) Minuten
Kinostart
-
Fsk
ab 16
Pädagogisches Urteil
- Ab 16.
Genre
Literaturverfilmung | Serie | Thriller

Heimkino

Verleih DVD
Sony
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Diskussion

Eine Serienverfilmung von Stephen Kings 2014 erschienenem gleichnamigen Roman um den pensionierten Cop Bill Hodges (Brendan Gleeson) und einen perfiden Killer (Harry Treadaway), der einst mit einem Mercedes ein Blutbad anrichtete.

Ex-Detective Bill Hodges (Brendan Glesson) bietet nicht gerade einen zivilisierten Anblick: Er trinkt zu viel, isst zu viel und verbringt viel zu viel Zeit vor dem Fernseher, vor dem er nicht selten auch übernachtet. Mit seinem Beruf als Polizist in einer amerikanischen Großstadt im Mittleren Westen scheint der ehemals anerkannte und erfolgreiche Ermittler jegliches Interesse an seinem Leben verloren zu haben. Sein Kontakt zu Freunden und Familie ist eingeschlafen bis nicht vorhanden. Einzige wohltuende Ausnahme: der junge Jerome Robinson (Jharrel Jerome), der sich um seinen Rasen, seinen Computer und auch um Hodges selbst kümmert, und seine ihm zugetane, etwa gleichaltrige Nachbarin Ida. Angesichts dieser selbstzerstörerischen Lethargie ist es fast ein Segen, als ihn eines Tages seine berufliche Vergangenheit einholt: Brady Hartsfield (Harry Treadaway), der Öffentlichkeit und Hodges bekannt als Mr. Mercedes oder der Mercedes-Killer, sendet ihm eine teuflische Nachricht, die sein Leben auf den Kopf stellen wird.

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Brady Hartsfield – ein Psychopath wie aus dem Lehrbuch

Dieser Hartsfield ist ein Psychopath, wie ihn nur Stephen King, auf dessen gleichnamigen Thriller „Mr. Mercedes“ beruht, erschaffen kann. Eine Kindheit wie ein einziger Albtraum. Ohne Vater wuchs Hartsfield bei seiner alkoholsüchtigen Mutter auf, zu der er von Jugend an ein inzestuöses Verhältnis pflegt, die ihn als Kind schwer vernachlässigt hat und selbst im Erwachsenenalter noch missbraucht. Selbstredend, dass er auch als ausgewachsener Mann noch im Elternhaus lebt und sich im Keller des Hauses sein eigenes, dunkles Reich geschaffen hat. In diesem lebt der IT-Fachmann und Computer-Experte via Internet und selbstgebauter Technik-Gimmicks seine Kontroll- und Allmachtsgelüste aus, von denen er in seinem Alltagsleben als kleiner Angestellter in einem Elektronik-Geschäft nur träumen kann.

Vordergründig führt er ein einfaches, von Geldnot und der Sorge um seine Mutter geprägtes Leben. Hinter der Kulisse ist er ein geisteskranker Killer, der niemals zur Rechenschaft gezogen wurde und sich weiterhin in Gewaltfantasien ergeht. Zwei Jahre, nachdem er mit einem gestohlenen Mercedes in eine Menschenmenge gerast ist und zahlreiche Menschen damit ermordet hat, meldet er sich via Post und Internet-Chatroom bei Hodges zurück, der seine letzten Berufsjahre mit dem gescheiterten Versuch verbracht hatte, den Mercedes-Killer dingfest zu machen. Er verwickelt den Ex-Cop in sinistre Psycho-Spiele, versucht, ihn mit der Erinnerung an sein Scheitern bei den Ermittlungen zu zermürben oder sogar in den Selbstmord zu treiben. Dieser denkt jedoch überhaupt nicht daran und nimmt auf eigene Faust die Fährte seiner Nemesis auf…

Mit Brendan Gleeson und Harry Treadaway: Zwei würdige Antipoden

Mit Brendan Gleeson und Harry Treadaway stehen zwei Hauptdarsteller im Zentrum der Serie, die auf den ersten Blick gegensätzlicher kaum sein könnten: Gleeson, der nicht nur auf Grund seiner Größe und Leibesfülle körperlich stets enorm präsent wirkt, und Treadaway, der blass und schmal einen nervös-schüchternen Nerd verkörpert. Dass beide von Anfang an als Getriebene erscheinen, deren Katz-und-Maus-Spiel für sie zum Ventil aufgestauter Frustrationen wird und Energien in ihnen freisetzt, die man ihnen auf den ersten Blick kaum zutrauen würde, macht sie freilich zu würdigen Antipoden. Darüber hinaus ist „Mr. Mercedes“ bis in die Nebenrollen sorgfältig ausgearbeitet: Kelly Lynch, die Hartsfields Mutter verkörpert, entspricht exakt der Figur der Romanvorlage. Eine nach wie vor attraktive, aber vom Leben gezeichnete Frau, die nur durch Alkohol und ihre in jeder Hinsicht grenzüberschreitende Zuneigung zu ihrem Sohn zusammengehalten wird. Hodges’ junger Freund Jerome hat mit Jharrel Jerome, der bereits in „Moonlight“ überzeugen konnte, einen Darsteller gefunden, der zugleich spielerisch und verantwortungsvoll agiert und sich damit erstklassig in Kings als Trilogie entworfenen Thriller-Stoff einfügt.

Überhaupt folgt die Serie, zumindest in der ersten Staffel, in weiten Teilen dem 2014 erschienenen ersten Bill-Hodges-Roman, wenngleich hier und da vorsichtige Modernisierungen vorgenommen wurden. Die Dramatik, das Verworrene, das sich nur langsam löst, und die quälende Ungewissheit, was als Nächstes geschieht, die Stephen Kings Thriller zum Suchtmittel werden ließen, finden sich in der Serie 1:1 wieder. Dabei entsteht die Spannung nicht nur durch die Handlung per se, sondern durch die geschickte dramaturgische Aufbereitung, die u.a. mit Rückblenden und unerwarteten Perspektivwechseln arbeitet.

Der neueste Streich von "Big Little Lies"-Autor David R. Kelley

Zu verdanken ist das nicht zuletzt Showrunner und Chefautor David E. Kelley, einem der einflussreichsten US-Serienautoren und -Produzenten der letzten Jahrzehnte, der u.a. schon Erfolgsformate wie „L.A. Law“, „Ally McBeal“ oder zuletzt die herausragende Dramaserie „Big Little Lies“ mitverantwortet hat. Mit seinem hochambivalenten, sich konstant entwickelnden Figurenkabinett ist „Mr. Mercedes“ nicht nur ein nervenaufreibender Thriller, sondern liefert zugleich ein Drama um das, was mit Menschen passiert, denen Lebenssinn und -ziel abhandengekommen sind – und um das, was entstehen kann, wenn neue Beziehungen, Pläne und Aufgaben ins Leben treten.

Dabei sind Hartsfield und Hodges lediglich die beiden gegensätzlichsten Pole der Serie, die sich keinen Moment in einfachen Schwarz-Weiß-Zuschreibungen über „das Gute“ oder „das Böse“ ergeht. Vielmehr werden Hodges und Hartsfield als gleichwertige, zwiespältige Hauptcharaktere eingeführt, die jeweils aus ihren ganz eigenen Motiven heraus handeln und nahezu gleichwertig beleuchtet werden. So wie Hodges kein Vorzeige-Cop mit weißer Weste ist, wird auch Hartsfield nicht als abgebrühtes Monster vorgeführt. Stattdessen wird seine Lebenswirklichkeit so detailliert dargestellt, dass man, obwohl die Folgen seiner Taten gleich in der ersten Folge unmissverständlich klargestellt werden, nicht umhinkommt, mitunter Mitleid und Empathie für ihn zu empfinden. Ob es um sein beklemmendes Zuhause geht oder um seinen Job, in dem sein aufgeblasener Chef sowie zum Teil unmögliche Kunden ihm den Alltag zur Hölle machen: letztlich ist auch Hartsfield in vielerlei Hinsicht ein Opfer seiner Lebensumstände. Denn wie so oft bei King ist der offensichtliche Horror, der sich bei „Mr. Mercedes“ in Hartsfields Verbrechen manifestiert, lediglich die Spitze des Eisbergs. Darunter liegt der buchstäblich alltägliche Wahnsinn eines „American Way of Life“, bei dem die Menschen durch zerrüttete Familienverhältnisse, Arbeitsdruck oder Arbeitslosigkeit und soziale Ausgrenzungsmechanismen beinahe systematisch zerstört und eben im schlimmsten Fall zu Killern und Psychopathen gemacht werden. Dass Brady Hartsfield ausgerechnet mit einem Mercedes, dem Status-Symbol der Leistungsgesellschaft, in eine Ansammlung von Menschen rast, die darauf warten, einen Job und damit eine Chance auf ein besseres Leben zu erhalten, mutet vor diesem Hintergrund besonders perfide an.

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