Dokumentarfilm | Deutschland/Belgien/USA 2018 | 90 Minuten

Regie: Carl-A. Fechner

Dokumentarfilm von Carl-A. Fechner über Wege von konventionellen zu erneuerbaren Energiequellen. Der Film ergreift Partei und versammelt zahlreiche Protagonisten und Beispiele, die für eine nachhaltige Energiewende plädieren. Ein großer Teil des Materials stammt allerdings aus dem Vorgängerfilm „Power to Change“; neu hinzugekommen sind vor allem in den USA gedrehte Sequenzen. Die inhaltlich interessanten Recherchen setzen inszenatorisch allerdings auf Überwältigung, Pathos und eine erschlagende Flut an Informationen. Überdies bietet der Film dem Regisseur allzu viel Raum zur Selbstinszenierung. - Ab 14.

Filmdaten

Originaltitel
CLIMATE WARRIORS
Produktionsland
Deutschland/Belgien/USA
Produktionsjahr
2018
Regie
Carl-A. Fechner · Nicolai Niemann
Buch
Carl-A. Fechner
Kamera
Philipp Baben der Erde
Musik
Gerhard Daum
Schnitt
Bernhard Reddig · David Gruschka
Länge
90 Minuten
Kinostart
06.12.2018
Fsk
ab 6; f
Pädagogisches Urteil
- Ab 14.
Genre
Dokumentarfilm
Diskussion

Partei ergreifender Dokumentarfilm von Carl-A. Fechner über Wege von konventionellen zu erneuerbaren Energiequellen. Ein großer Teil des Materials stammt allerdings aus dem älteren Film „Power to Change“, zudem setzt die Inszenierung auf eine erschlagende Flut von Informationen.

Die Energiewende ist machbar, und zwar schon heute. Davon ist der Filmemacher Carl-A. Fechner überzeugt. Um auch möglichst viele andere Menschen mit solchen Gedanken anzustecken, hat er den Film „Climate Warriors“ gedreht. Neutral will diese Doku also nicht sein; sie hat eine starke Botschaft, die sie unter die Menschen bringen möchte. Das ist ein legitimes Vorhaben, für das Fechner zahllose Informationen und Exempel versammelt, die seine Position veranschaulichen und beglaubigen sollen. Ein Problem ist allerdings die Art der Präsentation, die auf Pathos und Überwältigung setzt und aus „Climate Warriors“ eher einen Image- denn einen Dokumentarfilm macht.

Ein großer Teil des Materials hat Fechner überdies bereits in seinem Kinofilm „Power to Change“ (2016) verwendet; nach Angaben des Verleihs beträgt der Anteil der „alten“ Aufnahmen in „Climate Warriors“ etwa 40 Prozent.

Neu sind vor allem in den USA gedrehte Szenen

Neu hinzugekommen sind vor allem in den USA gedrehte Szenen, etwa über US-amerikanische Umweltaktivisten, aber auch Aufnahmen mit Donald Trump, der sich lautstark für die Förderung konventioneller Energien einsetzt. Dazu kommt eine lange, kämpferische Rede des ehemaligen kalifornischen Gouverneurs Arnold Schwarzenegger auf dem von ihm initiierten „Austrian World Summit“. Trump und Schwarzenegger werden darin häufig gegeneinander geschnitten und als Antagonisten inszeniert.

Unter den in „Climate Warriors“ vorgestellten Protagonisten und Projekten sind sehr interessante und überzeugende Beispiele. So demonstriert der Projektentwickler Edy Kraus, wie man mit Pellets aus nachwachsenden Rohstoffen wie etwa Stroh Strom und Wärme erzeugt und damit die klimaschädliche Kohle ersetzt. Die Wirtschaftswissenschaftlerin Claudia Kemfert rechnet vor, warum es für Deutschland lukrativer wäre, auf erneuerbare Energien statt auf fossile Brennstoffe zu setzen. Und die US-Umweltberaterin Nikki Silvestri erklärt anschaulich, wie man Kohlenstoff im Boden binden kann.

Diese Liste ließe sich lange fortsetzen, da Fechner und sein Co-Regisseur Nicolai Niemann zahllose, zum Teil schon aus „Power to Change“ bekannte Umweltschützer, Politaktivisten, Unternehmer, Zukunftsforscher, Politiker und Blogger aus Deutschland, der Ukraine und den USA präsentieren.

Ein hehres Anliegen, aber eine fragwürdige Umsetzung

Das Anliegen ist also hehr, die porträtierten Aktivisten sind sympathisch, eloquent und vertrauenswürdig und die von ihnen vorgestellten Projekte bahnbrechend und/oder vorbildhaft. Doch die dramaturgische und filmische Umsetzung des Films ist schlicht misslungen. Der Film versucht mit einer überstrapazierten Tonspur und einem Übermaß an dramatisch-pathetischer Musik die Figuren zu Helden zu stilisieren. Außerdem wird man mit Informationen und Zahlen zu allen möglichen Aspekten alter wie neuer Energieformen geradezu überflutet, was beliebig wirkt und mitunter auch eine Vertiefung vermissen lässt. Die Fakten und Argumente zum Thema Klimaschutz sprechen ja eine klare, deutliche Sprache; es wäre sicherlich wirkungsvoller gewesen, die Anzahl der Beispiele zu reduzieren und diese deutlich nüchterner vorzustellen.

Richtig peinlich ist die Eitelkeit des Regisseurs, sich selbst ins Bild zu setzen und unter die porträtierten „Climate Warriors“ zu reihen. Zudem sieht man ihn ständig joggend an den Schauplätzen des Films, was eine gänzlich überflüssige Klammer für die Dokumentation schaffen soll: Fechner joggt und joggt und joggt durch die US-amerikanische Weite, im großstädtischen Pittsburgh oder über deutsche Felder. Diese Selbstgefälligkeit macht es Kritikern leicht und lenkt vom Thema Klimaschutz, der vielleicht wichtigsten Frage unserer Tage, ab.

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