Komödie | Finnland/Norwegen 2018 | 91 Minuten

Regie: Juuso Laatio

In einem abgelegenen finnischen Dorf verfolgen vier junge Männer weitgehend erfolglos ihre Bestimmung als Metal-Garagenband. Doch das Schicksal will es, dass ein eigener Song als Demo bei einem norwegischen Festivalveranstalter landet. Ungeachtet der Tatsachen glauben bald alle im Dorf an ihre „Berühmtheiten“, sodass der Gig unter allen Umständen stattfinden muss. Trashige „Musikmelodramödie“, die allerhand trockene Gags, aber auch Boulevard-Klamauk und eine Menge finnischen Lokalkolorit auffährt. - Ab 16.

Filmdaten

Originaltitel
HEVI REISSU
Produktionsland
Finnland/Norwegen
Produktionsjahr
2018
Regie
Juuso Laatio · Jukka Vidgren
Buch
Juuso Laatio · Aleksi Puranen · Jari Olavi Rantala · Jukka Vidgren
Kamera
Harri Räty
Musik
Lauri Porra
Schnitt
Kimmo Taavila
Darsteller
Torstein Bjørklund (Christensen) · Antti Heikkinen (Jynkky) · Ville Hilska (Rankinen) · Johannes Holopainen (Turo Moilanen) · Samuli Jaskio (Lotvonen)
Länge
91 Minuten
Kinostart
10.01.2019
Fsk
ab 12; f
Pädagogisches Urteil
- Ab 16.
Genre
Komödie | Musikfilm
Diskussion

Trashige „Musikmelodramödie“ mit trockenen Gags, Klamauk und einer Menge finnischen Lokalkolorit.

Was macht man so, 800 km nördlich von Helsinki – im Herzen des Nichts, wo sich mehr Rentiere tummeln als Menschen? Gäbe es mehr Jobs und folglich mehr Geld in dem finnischen Örtchen Taivalkoski, wäre die Antwort wohl am ehesten: noch mehr trinken! Doch während sich der Rest der 4133 Einwohner mit Durch-die-Gegend-Fahren beschäftigt oder dem Herumsitzen in der einzigen Kneipe mit mittelmäßiger Schlagermusik-Berieselung durch den örtlichen Schnulzensänger Jouni frönt, haben Turo, Lotvonen, Pasi und Jynkky einen richtigen Lebensinhalt: Seit 12 Jahren treffen sie sich regelmäßig zwischen den Mahlzeiten im Keller von Lotvonens Eltern und machen „Hausmusik“.

Gitarre, Bass, Schlagzeug und der gutturale Kehlkopf von Turo haben es dabei im Covern diverser Power-Metal-Nummern bereits zu einer erstaunlichen Lautstärke gebracht, indes noch zu keinem öffentlichen Auftritt. Kein Wunder, dass die Truppe im Ort mit den schillerndsten Diffamierungen belegt, in keinster Weise jedoch ernst genommen wird. Für den in seiner Lederkluft und den hüftlangen Haaren zwar recht imposanten, doch völlig verschüchterten Turo ist das doppelt tragisch: Glaubt der eigentlich in der Psychiatrie als Pfleger arbeitende Rocker doch dadurch die hübsche Floristin Miia endgültig an den schmierig-feschen Jouni zu verlieren.

Der steinige Weg zum Heavy-Metal-Ruhm

Die Band muss also berühmt werden. Zumindest mal einen Namen bekommen und endlich einen eigenen Song produzieren. Das Schicksal, der inspirierende Klang einer blockierten Knochensäge und die ohnehin unverständlichen Lyrics des liebeskranken Turo sorgen dafür, dass das Quartett schneller als geglaubt seinen ersten potenziellen Hit auf Cassette verewigt; diese wird prompt dem gerade wegen Rentierblut-Einkäufen in der Stadt weilenden Organisator des norwegischen „Northern Damnation“-Festivals zugesteckt. Jetzt sind sie berühmt – quasi! Und da Turo die ganze Sache nicht dementiert, glaubt schon wenige Stunden später das ganze Dorf, dass die Söhne von Taivalkoski bereits in die Annalen der Heavy-Metal-Geschichte eingehen werden. Doch bis dahin ist der Weg hart und steinig, obschon mit „Impaled Rectum“ („gepfählter Hintern“) wenigstens ein einprägsamer Bandname gefunden worden ist.

Auch wenn man ganz am Boden ist, sollte man nie den Mut verlieren, einem Bärenmarder die Stirn zu bieten und mit ihm um sein Fressen zu kämpfen! So oder so ähnlich könnte die Botschaft lauten, die das Regieduo Juuso Laatio und Jukka Vidgren im Sinn gehabt hat, als sie sich anschickten, in der finnischen Provinz die bis dato teuerste Komödie des Landes zu produzieren. Zwar sieht man „Heavy Trip“ die gut 3 Millionen Euro Produktion kaum an, wohl aber den Willen, eine wunderbar skurrile Geschichte über Underdogs zu inszenieren, die auf dem Weg zum Happy End allerlei einstecken müssen.

Finnische Lakonie und burleske Albernheit

Der Gleichmut, mit dem der Antiheld Turo all die Schicksalsschläge einsteckt, die ihm das Drehbuch bereithält, kann nur mit der tiefgelassenen, von Fatalismus gestählten finnischen Seele zu erklären sein, die dieser musikalischen Dramödie innewohnt. Johannes Holopainen spielt die Hauptfigur überzeugend und findet vor allem in Max Ovaska einen kongenialen Mitstreiter. Der gibt den autistischen Bassisten Pasi, der außer der Tatsache, alle Metal-Songs auswendig zu kennen, als absurdes „Kiss“-Imitat für die trockensten Gags des Films sorgt. Ihm ist auch die Charakterisierung der Musik zu verdanken, die – neben finnischem Schlager – den Ton des Filmes vorgibt. Es ist der „symphonische-postapokalyptische-gotteslästerliche-rentierzermürbende-extremverwerfliche-phänoskandinavische“ Metal, den die Band zum Besten gibt.

Finnische Filme sind berühmt für eine Komik, die unsagbar dicht an größtmöglicher Tragik vorbeischrammt. Doch während sich etwa die Brüder Aki Kaurismäki und Mika Kaurismäki mit dieser begnügen, ergänzt das Regie-Duo von „Heavy Trip“ das Ganze noch mit einer guten Portion burlesker Albernheit – etwa in besagter „sinnstiftender“ Szene, in der Turo mit dem Bärenmarder kämpft. Auch wenn die ein oder andere Szene nicht ganz geschmackssicher ist, offenbart sich spätestens im absurden Finale der total unbeschwerte Trash, wenn die Truppe auf dem Weg nach Norwegen als Terroristen von Polizei und Militär verfolgt wird. So werden archaische Helden geboren – und Kultfilme.

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