Sex Education

Coming-of-Age-Film | Großbritannien 2019 | Minuten

Regie: Kate Herron

Eine britische Comedy-Serie rund um einen Schüler, der zwar seinerseits noch Jungfrau ist, nichtsdestotrotz aber in die Fußstapfen seiner Mutter, einer Sexualtherapeutin, tritt: Zusammen mit einer Mitschülerin gründet er an seiner Schule eine „Therapie“-Anlaufstelle, an die sich seine MitschülerInnen mit ihren diversen Problemen rund um Sex und Liebe wenden können. Dabei benutzt die Serie das Typen-Arsenal gängiger Highschool-Komödien, baut die Figuren aber zu vielschichtigen Charakteren aus und erzählt völlig unverkrampft und mit viel Sinn für Humor und mit Sensibilität für die Probleme der Protagonisten von Teenies und jugendlicher Sexualität. - Ab 16.

Filmdaten

Originaltitel
SEX EDUCATION
Produktionsland
Großbritannien
Produktionsjahr
2019
Regie
Kate Herron · Ben Taylor
Buch
Laurie Nunn · Sophie Goodhart · Bisha K. Ali · Laura Hunter · Laura Neal
Schnitt
Steve Ackroyd · Calum Ross · David Webb
Darsteller
Gillian Anderson (Jean Thompson) · Asa Butterfield (Otis Thompson) · Emma Mackey (Maeve) · Chaneil Kular (Anwar) · Alistair Petrie (Mr. Groff)
Länge
Minuten
Kinostart
-
Pädagogisches Urteil
- Ab 16.
Genre
Coming-of-Age-Film | Komödie | Serie
Diskussion

Alle wollen es, manche tun es, einige prahlen damit und keiner spricht wirklich darüber Die britische Netflix-Serie „Sex Education“ mit Asa Butterfield und Gillian Andersson als Sohn und Mutter erzählt völlig unverkrampft und mit viel Sinn für Humor von Teenies und jugendlicher Sexualität.

Das erste Mal kann schrecklich schiefgehen. Und doch lassen sich die meisten davon nicht abschrecken und machen weiter mit dem Sex. Ebenso sollte man es mit der britischen Netflix-Serie „Sex Education“ halten, die zunächst wenig subtil daherkommt, wobei das wirklich nur Anfangsschwierigkeiten sind. Ohne Umschweife geht es von der ersten Minute an nämlich direkt zur Sache: Ein junges Paar im Bett, sie on top, er eher gelangweilt, obwohl sie alle Kaliber zieht, um ihren Kerl auf Touren zu bringen. Dass Aimees wortreiche Lust-Performance nicht ihren eigenen Wünschen entspricht, sondern eher die Reproduktion einer Fantasie aus zweiter Hand ist, wird sie irgendwann herausbekommen. Dank Otis, dem „Teen Whisperer“. Otis (Asa Butterfield), 16 Jahre alt, schüchtern, nach eigenem Befinden „sexuell gestört“, wächst bei seiner alleinerziehenden Mutter (Gillian Anderson) auf, die als Sexualtherapeutin ständig, überall und völlig schamfrei über Sex redet. „Ich habe bemerkt, dass du so tust, als würdest du masturbieren, und ich habe mich gefragt, ob du darüber reden möchtest“, fragt sie ihren Sohn, der sogar mit seinen Selbstbefriedigungsversuchen kläglich scheitert. Nein, will er nicht. Er will auch nicht umgeben sein von Phallussymbolen und Kamasutra-Bildern, die die gemeinsame Wohnung schmücken, und erst recht nicht jeden Morgen einen anderen Mann im gelben Morgenmantel seiner Mutter begrüßen.

In Sachen Sex wird allenhalben schamlos geblufft und angegeben

Otis will vor allem nicht auffallen in einer Welt, in der sich alles um Sex zu drehen scheint. An seiner Kleinstadt-High School wird an jeder Ecke geknutscht, gefummelt und manchmal sogar auch gevögelt, wie sein bester Freund Eric (Ncuti Gatwa), offen und offensiv schwul, aufgeregt registriert. Die Euphorie kann Otis nicht teilen, aber genau diese allgemeine sexuelle Erregung mit all ihren Höhen und noch mehr Tiefen wird Maeve (Emma Mackey), das coolste Mädchen der Schule, als profitables Geschäftsfeld entdecken. Denn der Schein trügt. Nicht alle haben tollen Sex.

Um genau zu sein, die wenigsten haben tollen Sex, aber umso mehr haben sie Probleme, Komplexe, Versagensängste und jede Menge Fragen. Und hier erweist sich Otis als Retter auf Augenhöhe: Er ist sexuell zwar völlig unerfahren, aber er hört zu, nimmt ernst und hat sich offensichtlich einiges von seiner Mutter abgehört. Fortan kümmert sich Maeve ums Geschäft, also um die Beschaffung von zahlungswilligen Patienten, und Otis um die Therapie. Die Gespräche lassen tief blicken in die Seele von Teenagern und die komplexen Zusammenhänge von Liebe, Beziehungen und Sex. Und auch – wenn nicht sogar vor allem – Erwachsene könnten von Otis Ratschlägen („Nein heißt Nein“, „Man kann eine Beziehung nicht erzwingen“) noch etwas lernen.

Eine High School Komödie mit vielschichtigen Charaktere

Der Plot ist natürlich durch und durch konstruiert. Und auch die High School-Komödie hat Drehbuchautorin Laurie Dunn mit „Sex Education“ nicht neu erfunden. Es gibt den Nerd, die Oberschlaue, den Alleskönner oder die Super-Bitch, aber nie verkümmern die Figuren hier zu reinen Stellvertretertypen oder bedienen Klischees, sondern sie werden als vielschichtige Charaktere etabliert. Jackson (Kedar Williams-Stirling) etwa, der Sonnyboy aus geordnetem Elternhaus mit zwei Müttern, dem die Mädchen reihenweise ein Lächeln entgegenzaubern und der sich in Maeve verliebt, steht als Leistungsschwimmer unter zermürbendem Erfolgsdruck. Niemand ahnt es. Oder die schräge Lily (Tanya Reynolds), die endlich „einen Penis in der Vagina“ haben will. Sie verarbeitet ihre erotischen Fantasien in kunstvollen Comics, macht wahllos Jungs an und hat doch eigentlich nur Angst, als ewige Jungfrau im Abseits zu stehen.

Dreh- und Angelpunkt aber ist Otis, der seine Freundschaften zu Eric und Maeve austaktieren, sich vom mütterlichen Einfluss befreien und eigene Ängste verarbeiten muss. Asa Butterfield spielt ihn – wie fast alle in dieser Serie – mutig, feinfühlig und mit großem komischem Talent. Zu lachen gibt es hier viel, denn Sex ist eben oft genug unbeholfen oder gar peinlich. Immer werden die Kids, die einem im Laufe der acht Folgen ans Herz wachsen, und ihre Belange aber ernst genommen. Neben vielem anderen geht es auch um Einsamkeit, Mobbing, Homophobie oder ungewollte Schwangerschaft.

So nutzt die Serie, deren Episoden in der walisischen Provinz und in einer zeitlich undefinierbaren Epoche spielen, das vertraute Setting einer High School-Komödie mit seinen typischen Figuren und Situationen inklusive einer Art Prom Night, bei der Songwriter Ezra Furmann aufspielt, um Sex mit all seine Spielarten zu entmystifizieren, Jugendlichen ein wenig den Druck zu nehmen und um mit Vorurteilen aufzuräumen. „Entspann dich! Du bist 16!“, sagt Otis' Mutter Jean einmal, und das ist wahrscheinlich einer ihrer bestens Tipps überhaupt. Ein anderer ist, dass man „Sex Education“ nicht unbedingt zusammen mit seinen Kindern anschauen sollte. Und erst recht nicht mit seinen Eltern.

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