Maria Stuart, Königin von Schottland (2018)

Biopic | Großbritannien 2018 | 125 Minuten

Regie: Josie Rourke

Die Rivalität zwischen der englischen Königin Elizabeth I und der schottischen Regentin Mary Stuart als Gegenstand eines sich auf Hofintrigen konzentrierenden Porträts, das die stilistische Kunstfertigkeit seines Anfangs allzu schnell einem konventionellen Historiengemälde opfert. Gute schauspielerische Leistungen können die mangelnde Kontextualisierung innerhalb der englischen Königsgeschichte nicht wettmachen. - Ab 16.

Filmdaten

Originaltitel
MARY, QUEEN OF SCOTS
Produktionsland
Großbritannien
Produktionsjahr
2018
Regie
Josie Rourke
Buch
Beau Willimon
Kamera
John Mathieson
Musik
Max Richter
Schnitt
Chris Dickens
Darsteller
Saoirse Ronan (Mary, Queen of Scots) · Margot Robbie (Queen Elizabeth I) · Jack Lowden (Lord Darnley) · David Tennant (John Knox) · Joe Alwyn (Robert Dudley)
Länge
125 Minuten
Kinostart
17.01.2019
Fsk
ab 12; f
Pädagogisches Urteil
- Ab 16.
Genre
Biopic | Drama | Historienfilm
Diskussion

Drama über die Rivalität zwischen der englischen Königin Elizabeth I und der schottischen Regentin Mary Stuart, das sich primär auf Hofintrigen konzentriert.

Paradoxerweise war es das Fernsehen und nicht das großflächige Kinobild, das historische Stoffe in den letzten Jahrzehnten wieder populär gemacht hat. In „Mary Stuart, Königin von Schottland“ nimmt sich die Theaterregisseurin Josie Rourke eines Sujets an, das schon mehrmals in beiden Medien präsent war, unter anderem in einer frühen Verfilmung durch John Ford (Maria von Schottland, 1936): ein nicht nur in angelsächsischen Ländern populäres Intrigenstück über die Rivalität zwischen Königin Elizabeth I. und ihrer aus Frankreich heimgekehrten schottischen Rivalin Mary Stuart.

Zu Zeiten der #MeToo-Bewegung ist Mary Stuart zweifellos eine interessante Figur, Beispiel dafür, dass Feministinnen keine Erfindung des 21. Jahrhunderts sind.

Höfische Intrigen

Schon Stefan Zweig fand die Figur von Mary Stuart attraktiv genug, um ihr eines seiner besten Frauenporträts zu widmen. Doch nicht Zweigs Buch, sondern John Guys „My Heart Is My Own: The Life of Mary Queen of Scots“ diente als Vorlage; und überdies wurde es von Beau Willimon, dem Autor und Showrunner der spektakulären Serie „House of Cards“, adaptiert. Der aus dieser Kombination entstandene Film ist dementsprechend auch weniger interessiert, die mittelalterliche englische Geschichte nahezubringen, als sich nach einer wunderschön inszenierten Einleitung auf die höfischen Intrigen zu konzentrieren, die Mary Stuart schließlich das Leben kosteten.

„Maria, Königin von Schottland“ erspart zwar das grässliche Schauspiel der mehrfach misslungenen Enthauptung der halsstarrigen Beinahe-Monarchin von England, lässt aber umso ausgiebiger an ihrem Intimleben und dem Schicksal ihrer Verwandtschaft teilhaben. Veredelt wird die aus den historischen Zusammenhängen gerissene Episode allerdings durch das nuancierte Spiel von Saoirse Ronan, die in jüngster Zeit mit profilierten Rollen, etwa in Brooklyn oder Lady Bird“, in die Liga begabter junger Filmschauspielerinnen gerückt ist.

Die schroffe Schönheit einer rauen Welt

Ebenso interessant wie verblüffend ist der Beobachtung, dass der Theaterregisseurin Rourke weder die zahllosen Hofintrigen noch die historischen Versatzstücke der Story am besten gelungen sind, sondern dass die Einbettung der Story in die raue, immer wieder weiträumig ins Bild gerückte schottische Landschaft mehr zur Glaubhaftmachung der Charaktere beiträgt als die oft gestelzten, routinehaften Dialoge. Die erste Hälfte des Films lebt von der Faszination großflächiger Landschaftspanoramen, deren abweisende, aber gleichzeitig von schroffer Schönheit gekennzeichnete Strukturen das Innenleben der Figuren schon widerspiegeln, ehe man mehr über sie erfahren hat.

Man bedauert geradezu, dass der Film dann auch eine Geschichte zu erzählen hat, in deren Wirren die stilistische Kunst der Anfangsszenen mehr und mehr untergeht und zu einem alltäglichen Fernsehspiel verkommt. Letztlich beweist „Maria Stuart, Königin von Schottland“ einmal mehr, wie schwer es ist, historische Abläufe am Beispiel einer aus den Zusammenhängen gerissenen Episode darzustellen. Wer Mary Stuart, ihre Persönlichkeit und ihre Welt verstehen will, ist mit dem Buch von Stefan Zweig besser beraten, das gerade angesichts der gesellschaftlichen Strömungen unserer Zeit neuerlich Beachtung verdient.

Kommentieren