Der Spitzenkandidat

Biopic | USA 2018 | 113 Minuten

Regie: Jason Reitman

Die Kampagne des US-amerikanischen Politikers Gary Hart um eine Präsidentschaftskandidatur bei den Demokraten wird im Sommer 1987 binnen dreier Wochen aus der Bahn geworfen, als sich die Presse nach dem Bekanntwerden einer Affäre auf ihn einschießt. Ein mit allzu kümmerlichen satirischen Ansätzen garniertes Polit-Drama, das nur gelegentlich über die historische Story hinaus erhellende Bezüge zur Gegenwart entwickelt. Gut besetzt, aber formal ziemlich unattraktiv und streckenweise langatmig. - Ab 14.

Filmdaten

Originaltitel
THE FRONT RUNNER
Produktionsland
USA
Produktionsjahr
2018
Regie
Jason Reitman
Buch
Matt Bai · Jay Carson · Jason Reitman
Kamera
Eric Steelberg
Musik
Rob Simonsen
Schnitt
Stefan Grube
Darsteller
Hugh Jackman (Gary Hart) · Vera Farmiga (Lee Hart) · J.K. Simmons (Bill Dixon) · Mark O'Brien (Billy Shore) · Molly Ephraim (Irene Kelly)
Länge
113 Minuten
Kinostart
17.01.2019
Pädagogisches Urteil
- Ab 14.
Genre
Biopic | Drama
Diskussion

Polit-Drama über die an einer Affäre scheiternde Präsidentschaftskandidatur des demokratischen US-Politikers Gary Hart.

Drei Wochen des Jahres 1987, die von den US-Amerikanern wie vom Rest der Welt längst vergessen sind, sollen plötzlich wieder Bedeutung gewinnen. Das meint jedenfalls Regisseur Jason Reitman, der ein mit mäßiger Aufmerksamkeit bedachtes Buch über den Präsidentschaftskandidaten Gary Hart mit Hugh Jackman in der Hauptrolle verfilmt hat. In den USA wollten den Film trotz des populären Stars nur wenige sehen. Man fragt sich deshalb: Warum? Und warum jetzt?

Gary Hart, der nach seiner (übrigens zweimal) abgebrochenen Kandidatur wieder als Anwalt tätig war und während der Amtszeit von Barack Obama kleinere Regierungsposten bekleidete, war 1987 die große Hoffnung der demokratischen Partei. Ein von der Presse rücksichtslos ausgeschlachteter Fehltritt, dessen Ausmaß als „Affäre“ nie ganz aufgeklärt wurde, kostete ihn die Kandidatur. Der Film spart aus, ob Vertraute des dann zum Präsidenten gewählten George H.W. Bush die Finger im Spiel hatten, wie es unlängst kolportiert wurde.

Parallelen zur Jetztzeit

Aus heutiger Sicht und angesichts eines Präsidenten, dessen öffentliche Äußerungen ihn in die Nähe sexueller Promiskuität rücken, erscheint Harts Fehltritt nahezu harmlos. Anscheinend hat er sich mit einer jungen Frau namens Donna Rice eingelassen, vermutlich im Vertrauen, dass die „alten Spielregeln“, wonach solche „Ausrutscher“ geflissentlich übersehen würden, nach wie vor Gültigkeit besäßen. Hier setzt Reitman an und findet die Parallele zur Jetztzeit: Die immer stärker ausufernde Hetzjagd nicht nur der Paparazzi, sondern auch der seriösen Presse (und des Fernsehens) auf jeden, der in der Politik eine Rolle spielen will.

So sind die Ratgeber von Gary Hart bald mehr damit beschäftigt, Gerüchte und persönliche Attacken von dem ein bisschen zu ahnungslos erscheinenden Kandidaten fernzuhalten. Für den Zuschauer erweisen sich die Details der sich anbahnenden Schlammschlacht bald als zu voraussehbar. Die Handlung zieht sich in die Länge und verfehlt vor allem deshalb die beabsichtigte gesellschaftliche Relevanz, weil der Mann, um den es hier geht, mit zu wenig Persönlichkeit und Vergangenheit ausgestattet ist.

Weder Satire noch Polit-Skandal

Es ist zwar von Harts „neuen Ideen“ die Rede, die ihn für das angestrebte Amt qualifizieren sollen, aber man erfährt herzlich wenig über seine wirtschaftlichen und militärischen Reformpläne oder über seine Absichten in der US-Außenpolitik, die Hart tatsächlich als guten Präsidenten erscheinen lassen könnten. Eben so wenig funktionieren gelegentliche Ansätze einer Satire im Stil von Robert Altman. „Der Spitzenkandidat“ vergegenwärtigt weder ein Stück aufregender politischer Geschichte à la Watergate noch eine erhellende persönliche Story, die hinter die Kulissen einer sich schamlos entwickelnden Destruktion von Figuren des öffentlichen Lebens schauen ließe.

Was im Filmschaffen längst überfällig ist, wäre ein Blick auf die weiblichen „Opfer“ solcher politischer Hexenjagden, auf die naiven Bewunderinnen wie Monica Lewinsky und Donna Rice, deren Porträt fast ausschließlich durch eine maskuline Betrachtungsweise und eine hypokritische Medienkultur bestimmt wird. Reitmans Film macht ein paar Ansätze in diese Richtung, die aber in wenig aufschlussreichen Klischees steckenbleiben. So wie der ganze Film.

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