Bollywood-Film | Indien 2018 | 164 Minuten

Regie: Aanand L. Rai

Ein fast 40-jähriger Mann von kleinem Wuchs träumt von einem Dasein als Kinoheld, mit spannenden Herausforderungen und schönen Frauen, obwohl er es in seinem Leben noch nicht zu viel gebracht hat. Der charmante Egomane verliebt sich zunächst in eine behinderte Astrophysikerin, läuft dann aber einer labilen Bollywood-Schönheit hinterher und verdingt sich schließlich in den USA für eine Weltraummission. Die Bollywood-Romanze verbindet indische Volkskomödie, Hindi-Opulenz, Tanz und Gesangseinlagen sowie Road-Movie-Elemente eher untypisch zur Geschichte eines verspäteten Erwachsenwerdens, in der sich der Wandel der Geschlechterrollen auch in Indien spiegelt. - Ab 14.

Filmdaten

Originaltitel
ZERO
Produktionsland
Indien
Produktionsjahr
2018
Regie
Aanand L. Rai
Buch
Himanshu Sharma
Kamera
Manu Anand
Musik
Atul Gogavale · Ajay Gogavale
Schnitt
Hemal Kothari
Darsteller
Shah Rukh Khan (Bauua Singh) · Katrina Kaif (Babita Kumari) · Anushka Sharma (Aafia Yusufzai Bhinder) · Abhay Deol (Aditya Kapoor) · Mohammed Zeeshan Ayyub (Guddu Singh)
Länge
164 Minuten
Kinostart
17.01.2019
Fsk
ab 0; f
Pädagogisches Urteil
- Ab 14.
Genre
Bollywood-Film | Drama | Romantische Komödie
Diskussion

Bollywood-Romanze um einen kleinwüchsigen Mann, der vom Heldenstatus und von schönen Frauen träumt, nach aufreibenden Lehrjahren des Herzens am Ende aber zu den Sternen durchstartet.

Showdown in der heruntergekommenen Westernstadt. Wieder rettet der Revolverheld die Mutter vor dem Vater und zeigt allen anderen, wer hier das Sagen hat. Allerdings nur im Reich der Träume. Denn dann wacht Bauua Singh (Shah Rukh Khan) auf und weiß, dass er im wirklichen Leben bislang nur wenig zustande gebracht hat. Er lebt noch immer im Haus seiner Eltern in Meerut im Norden Indiens und wirft das Geld des Vaters im wahrsten Sinne des Wortes zum Fenster hinaus. Seine Selbstzweifel versteckt der 38-jährige Mann hinter frechem Humor. Er ist charmant, aber wirklich nett ist er nicht. Bauua möchte ein Held wie im Kino sein. Denn er ist klein, wirklich sehr klein. Und er denkt nur an sich.

In „Zero“ spielt der 53-jährige Bollywood-Star Shah Rukh Khan einen kleinwüchsigen Egomanen. Der Filmtitel bezieht sich dabei auf die Charakterschwäche der Hauptfigur, aber auch auf die letzte Zahl im Countdown, nach der eine Rakete ins All geschossen wird. Die Geschichte des kleinwüchsigen Taugenichts spielt sich 164 Minuten lang zwischen dieses beiden Nullen ab.

Der kleine Mann hat kein leichtes Spiel

Bauua will wichtig sein und Erfolg bei den Frauen haben. Zunächst umgarnt er die hübsche Astrophysikerin Aafia, die im Rollstuhl sitzt und nur unter spastischen Gesichtszuckungen sprechen kann. Der kleine Mann hat dennoch kein leichtes Spiel. Bei seinen ersten Annäherungsversuchen lässt sie ihn von ihren Schülern kurzerhand vor die Tür setzen. Er will sich rächen, reißt ihr bei einer Pressekonferenz den Stift aus der Hand und wirft ihn auf den Boden. Sie könne zwar Wasser auf dem Mars finden, lacht er hämisch, sei aber nicht im Stande, einen Stift vom Boden aufzuheben. Doch Bauua irrt: Aafia wirft sich aus dem Rollstuhl und robbt Zentimeter für Zentimeter voran, bis sie den Stift wieder in den Händen hält.

Die Medien ereifern sich über den „bösen Zwerg“, doch der gibt nicht auf, singt und tanzt und gibt das Geld seines Vaters für Musiker und Feuerwerk aus. Der letzte Kick, um die Wissenschaftlerin für sich zu begeistern, ist seine besondere Gabe: Er kann die Sterne mit einer kleinen Bewegung seiner Augen in Schwung versetzen.

Doch als der Vater ihn mit der Wissenschaftlerin verheiraten will, hat Bauua längst andere Pläne. Seine Traumfrau ist nun die Bollywood-Diva Babita Kumari. Deshalb flüchtet er in die Filmmetropole Mumbai, wo er an einem Tanzwettbewerb teilnimmt, dessen Gewinner einen Monat mit der schönen Schauspielerin verbringen darf. Bauua gewinnt und wird zum vertrauten Begleiter der Schönen, halb Ratgeber, halb Hofnarr, aber eben nicht ihr Liebhaber.

Ab zu den Sternen

Darüber entdeckt Bauua, was er an Aafia verloren hat. Nicht einmal die Sterne kann er noch bewegen. Also haut er wieder ab. Diesmal in die USA, wo die Astrophysikerin mit ihrem neuen Verlobten die große Marsexpedition vorbereitet. Während sie einen Schimpansen in den Weltraum schicken möchte, sucht die NASA einen Astronauten. Wieder steht Bauua in der ersten Reihe und besteht er alle Prüfungen, bis klar ist, dass er den jahrelangen Flug zum Mars antreten wird.

„Zero“ ist ein ungewöhnlicher Liebesfilm, bei dem das Happy End immer wieder wie eine Sternschnuppe kurz aufleuchtet, um dann ebenso schnell zu verschwinden. Ein „Road Movie“, bei dem der Protagonist von einer vermeintlichen Eroberung zur nächsten stürmt und dabei immer wieder Scherben hinterlässt. Der Film beginnt wie eine volkstümliche Komödie in der Provinz und führt über die heitere Dekadenz der Hindi-Filmstudios bis zum Weltraumhafen in den USA.

Mit knapp 40 durch die Pubertät

Der lange Weg des Helden über die nächtlichen Gelage am Bollywood-Pool bis in die Raumkapsel in Houston wird dabei genrekonform immer wieder durch Tanz- und Gesangseinlagen aufgelockert. Die Bilder der Landschaften sind großartig und opulent. Dennoch ist „Zero“ anders als viele Bollywood-Filme. Shah Rukh Khan spielt hier einen Antihelden, der erst als fast vierzigjähriger Mann seine Pubertät durchläuft und Charakterstärke beweist, als er zum ersten Mal in seinem Leben nicht davonläuft. Die beiden Frauen in seinem Leben, die Wissenschaftlerin und die Filmdiva, sind auf ganz unterschiedliche Weise unglaublich emanzipiert; dagegen kommt der kleine Galan kaum an. Die Geschlechterrollen wandeln sich – auch in Indien.

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