Creed II: Rocky's Legacy

Actionfilm | USA 2018 | 130 Minuten

Regie: Steven Caple Jr.

Fortsetzung eines Boxerdramas um einen jungen Box-Weltmeister, dessen Titelgewinn ausgerechnet von jenem Mann nicht anerkannt wird, der einst seinen Vater im Ring tötete. Gegen den Rat seines erfahrenen Trainers lässt sich der unerfahrene Champion auf eine neuerliche Weltmeisterschafts-Herausforderung ein. Das epische, stark melodramatisch getönte Boxerdrama aus der erweiterten „Rocky“-Filmreihe befeuert alte Ost/West-Klischees und gesteht der Gegenseite kaum menschliche Emotionen zu. - Ab 14.

Filmdaten

Originaltitel
CREED II
Produktionsland
USA
Produktionsjahr
2018
Regie
Steven Caple Jr.
Buch
Sylvester Stallone · Juel Taylor
Kamera
Kramer Morgenthau
Musik
Ludwig Göransson
Schnitt
Dana E. Glauberman · Saira Haider · Paul Harb
Darsteller
Michael B. Jordan (Adonis Johnson) · Tessa Thompson (Bianca) · Sylvester Stallone (Rocky Balboa) · Phylicia Rashad (Mary Anne Creed) · Florian Munteanu (Viktor Drago)
Länge
130 Minuten
Kinostart
24.01.2019
Fsk
ab 12; f
Pädagogisches Urteil
- Ab 14.
Genre
Actionfilm | Drama | Sportfilm
Diskussion

Fortsetzung eines Sportlerdramas um einen jungen Boxweltmeister im Schwergewicht, der gegen den Rat seines erfahrenen Trainers gegen den Sohn eines ukrainischen Boxstars antritt, der einst seinen Vater im Ring tötete.

Der junge Adonis (Michael B. Jordan) hat es geschafft. Er ist Boxweltmeister im Schwergewicht und hat seiner großen Liebe Bianca das Jawort gegeben. Sie hat einfach zugestimmt und alle Bedenken angesichts ihrer Taubheit beiseitegeschoben. Die Zukunft der Familie Creed steht damit fest auf vier Füßen. Wäre da nicht die Box-Branche, die Ruhm und Geld niemandem vergönnt. Es sei ein schwacher Gegner gewesen, der Adonis den Titel bescherte, heißt es dann beispielsweise. Ein abgekartetes Spiel...

Adonis ist noch jung und anfällig für diese Art von Verleumdung. Und er ist hungrig! Ihm sind die Bedenken seines erfahrenen Trainers Rocky (Sylvester Stallone) fremd, er hat kein Ohr für seine Frau, die für das Wohl der Familie berufliche Zugeständnisse macht, sondern er hört auf die Anfeindungen aus dem kalten Osten. Er weiß, dass sie von Ivan Drago gestreut werden, dem Mann, der seinen Vater Apollo einst im Ring tötete. Adonis sinnt auf Rache und einen Sieg über Ivans Sohn Viktor, den er stellvertretend für seinen Vater erringen könnte. Damit würde er auch aus dem fast schon mythischen Schatten seines Vaters treten. Deshalb lässt er sich auf einen erneuten Titelkampf ein, auch auf die Gefahr hin, Freunde wie seinen Trainer Rocky oder seine Frau und die Familie endgültig zu verlieren. Viktor ist stark und so unbesiegbar wie einst Ivan Drago, der seinen Vater geradezu hingerichtet hat. Adonis hat eigentlich keine Chance, doch er ergreift sie.

Wie Phoenix aus der Asche

Ungebrochene Helden kennt das Kino kaum. Sie müssen erst durch die Asche, um am Ende gefeiert werden zu können. So war es bei „Rocky“, und so ist es bei seinem Ableger „Creed“. Da aber auch die Heldenreise gebrochener Charaktere durch allzu viele Fortführungen langweilig zu werden droht, beginnt man sich für die „Bösen“ zu interessieren; jene, die sich im Schatten der Helden bewegen. Was ist beispielsweise aus Drago geworden, der in „Rocky IV“ gegen Apollo so brutal gewonnen und gegen Rocky so schändlich verloren hatte? Wie erging es ihm in der damaligen Sowjetunion, und was ist aus seiner Ehe mit Ludmilla (Brigitte Nielsen) geworden? Das sind Fragen, denen „Creed II“ nachgeht, was ein fesselnder Vorsatz für ein Drama ist, das sein Sujet aus dem Umfeld der Boxlegende Rocky Balboa erweitert und sich nicht nur um die Familiengeschichte der Creeds, sondern auch um die der Dragos kümmert.

Allerdings steht das nur im Exposé zum Film, nicht im Drehbuch. Das räumt dem von Dolph Lundgren erneut kantig und kurzsilbig verkörperten Drago kaum Platz ein. Verhärmt vegetiert der Hüne in Kiew in einem Plattenbau vor sich hin, verstoßen vom Staat und von seiner Frau. All seine Wut richtet er auf das Training seines erwachsenen Sohnes, der immer noch auf dem Sofa bei ihm nächtigt. Er soll ein Monster werden, ohne Rücksicht auf seine Gefühle oder die der Gegner, die er mit grimmiger Urgewalt in den Boden rammt. Doch auch Viktor, der mit charismatischer Körperlichkeit von Florian Munteanu verkörpert wird, erhält nicht mehr als ein paar grunzende Einzeiler zugestanden. Das Menschenbild der Figuren auf der „anderen Seite“ ist keinen Deut besser als das, was in „Rocky IV“ ausgebreitet wurde. Schlimmer noch: Da es im Rahmen eines vielschichtig konzipierten (Box-)Dramas ausgebreitet wird, manifestiert es sich noch eindringlicher. Da hilft es auch nicht, dass Drago im vorhersehbaren Finale so etwas wie Gefühle zugestanden werden.

Das Genre ist ausgelaugt, aber nicht auserzählt

Es hat aber auch dramaturgische Gründe, warum die Antagonisten in dieser Schlacht so schlecht dastehen müssen. Denn sonst würde der Egotrip aus Adonis einen unsympathischen Antihelden machen. Er braucht ein schreckliches Gegenüber, um seine rücksichtslose Selbstfindung gegenüber seinem Ziehvater Rocky, seiner Mutter Mary Anne und der künftigen Mutter seiner Kinder zu rechtfertigen.

„Creed II“ braucht einen „Phoenix“ und das gute Gefühl, dass alle Strapazen sich am Ende auszahlen. Das macht das Epos zu einem melodramatischen Spektakel, das in den Konventionen eines auslaugten Subgenres des Sportfilms erstarrt. Doch alle diese Geschichten sind längst nicht auserzählt. So hat auch Rocky einen erwachsenen Sohn, dem er seit Ewigkeiten nicht zu begegnen wagte. Die Schatten der Vergangenheit währen im Rocky-Universum sehr lange.

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