The Possession of Hannah Grace

Horror | USA 2018 | 86 Minuten

Regie: Diederik van Rooijen

Eine ehemalige Polizistin wird in der Pathologie des Boston Metro Hospitals mit der grausam entstellten Leiche einer jungen Frau konfrontiert, die drei Monate zuvor bei einer missglückten Teufelsaustreibung zu Tode kam. Als sich in dem Leichnam plötzlich neues Leben regt, beginnt eine mörderische Hetzjagd. Der klischeehafte, weder besonders spannende noch beängstigende Horrorfilm taucht das Geschehen durchgängig in düsteres, schwer zu durchdringendes Licht und gibt sich auch sonst keine Mühe, das Geschehen durchsichtig zu machen.

Filmdaten

Originaltitel
THE POSSESSION OF HANNAH GRACE
Produktionsland
USA
Produktionsjahr
2018
Regie
Diederik van Rooijen
Buch
Brian Sieve
Kamera
Lennert Hillege
Musik
John Frizzell
Schnitt
Stanley Kolk · Jake York
Darsteller
Shay Mitchell (Megan Reed) · Grey Damon (Andrew Kurtz) · Kirby Johnson (Hannah Grace / Leiche) · Nick Thune (Randy) · Louis Herthum (Mann / Mörder / Grainger)
Länge
86 Minuten
Kinostart
31.01.2019
Fsk
ab 16; f
Genre
Horror

Heimkino

Verleih DVD
Sony
Verleih Blu-ray
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Diskussion

Eine ehemalige Polizistin wird in der Pathologie des Boston Metro Hospitals mit der grausam entstellten Leiche einer jungen Frau konfrontiert, die drei Monate zuvor bei einer missglückten Teufelsaustreibung zu Tode kam.

Keine Einführung, keine Erklärung, kein Hintergrund. Der niederländische Regisseur Diederik Van Rooijen konfrontiert den Zuschauer übergangslos mit einer Teufelsaustreibung, bei der einiges schiefgeht. Hannah Grace ist mit Armen und Beinen an ein Bett gefesselt, ein Priester beugt sich über sie, betet und versprüht Weihwasser. Das hindert den Teufel allerdings nicht darin, den Gottesmann mit unsichtbaren Händen hochzuheben, zu würgen und ihm das Genick zu brechen. Hannahs Vater weiß sich nicht anders zu helfen, als das besessene Mädchen mit einem Kissen zu ersticken.

Drei Monate später beginnt für eine andere junge Frau, Megan Reed, ihre erste Nachtschicht in der Leichenhalle des Boston Metro Hospitals. Megan ist eine ehemalige Polizistin, die nach dem gewaltsamen Tod ihres Kollegen mit Depressionen und Medikamentenmissbrauch zu kämpfen hat. Neuer Job, neuer Start – so hatte sie sich das gedacht.

Doch ausgerechnet an ihrem ersten Arbeitstag wird der grausam verstümmelte Leichnam von Hannah Grace eingeliefert. Reed folgt zunächst der üblichen Routine, die ihr in einem Crashkurs beigebracht wurde: Wunden fotografieren, Fingerabdrücke nehmen und scannen, die Leiche in ein eisernes Schubfach schieben. Doch Fotoapparat und Scanner verweigern den Dienst. Irgendetwas stimmt hier nicht. In einem unbewachten Moment kriecht Hannah Grace aus ihrem Schubfach und fängt zu morden an.

In dunkles, undurchdringliches Licht getaucht

Das ist auch schon alles, was passiert, und alles, was der Zuschauer über die beiden jungen Frauen erfährt. Van Rooijen hält sich streng an die einzige Prämisse seines Films und spielt diese konsequent bis zum Ende durch. Das ist allerdings weder spannend noch beängstigend, weil man immer schon ahnt, was als nächstes geschehen wird. Noch schwerer wiegt die Entscheidung, die Leichenhalle als Schauplatz fast nie zu verlassen und in ein dunkles, undurchdringliches Licht zu tauchen.

Schon die erste Einstellung des Boston Metro Hospitals (in Wahrheit handelt es sich um die Boston City Hall mit anliegendem Hurley Building) lässt nichts Gutes ahnen. Ein karger Betonklotz, der eher einem Bunker mit Flakgeschützen ähnelt als einem Krankenhaus, in dem Menschen freundlich behandelt werden und gesunden sollen. Dieses Konzept hat der Regisseur auch auf die Innenräume übertragen; auch hier dominiert kühler, unverkleideter, abweisender Beton.

Das Licht wird durch Bewegungsmelder gesteuert; darum ist – in absurder Abkehr von der Notwendigkeit in einer Pathologie – alles zumeist dunkel: der Empfang, die Flure, die Toiletten, die Leichenhalle, das Krematorium.

Klirrende Neonlampen, knackende Knochen

Van Rooijen wollte eine beunruhigende Stimmung kreieren, und das Presseheft verwendet viel Energie, um die spezielle Kamera, mit der auch unter ungünstigen Lichtbedingungen gedreht werden kann, zu beschreiben. Doch was nützt das, wenn man als Zuschauer zumeist nicht erkennen kann, was vor sich geht. Die Schwammigkeit der Bilder sorgt nicht für Unsicherheit, sondern nährt die Enttäuschung; wenn Megan mit wehenden Armen versucht, das Licht anzuschalten, wirkt das hilflos und lächerlich. Aufdringlich auch das Sound Design, das bei jedem Aufflackern des Neonlichts überdeutlich zu klicken anfängt. Die Bewegungen von Hannah Grace, besonders ihr krabbenähnliches Kriechen, werden von ständigem Knochenknacken begleitet, ohne dass man den Grund dafür kennen würde. Für eine Untote ist Hannah Grace erstaunlich agil. Unwillkürlich fragt man sich auch, was sie eigentlich noch in der Pathologie macht, wenn ihr ganz Boston für ihr mörderisches Treiben offen stünde.

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