Alita: Battle Angel

Actionfilm | USA 2018 | 122 Minuten

Regie: Robert Rodriguez

Ein Cyborg-Konstrukteur findet in einer dystopisch entstellten Welt das Fragment eines Maschinenwesens, das er in den Roboterkörper seiner inzwischen toten Tochter implantiert. Das zunächst herzliche, durch Erinnerungslücken verunsicherte Wesen freundet sich mit einem draufgängerischen Jungen an und gerät darüber in martialische Motorball-Spiele, die es seine Bestimmung zum Kampf-Cyborg erkennen lassen. Die auf Rasanz und Spektakel getrimmte Realverfilmung eines eher nachdenklichen Mangas reißt vieles an, erschöpft sich aber in puren Oberflächenreizen und verweist in wesentlichen Fragen auf eventuelle Fortsetzungen. - Ab 14.

Filmdaten

Originaltitel
ALITA: BATTLE ANGEL
Produktionsland
USA
Produktionsjahr
2018
Regie
Robert Rodriguez
Buch
James Cameron · Laeta Kalogridis · Robert Rodriguez
Kamera
Bill Pope
Musik
Junkie XL
Schnitt
Stephen E. Rivkin · Ian Silverstein
Darsteller
Rosa Salazar (Alita) · Mahershala Ali (Vektor) · Jennifer Connelly (Chiren) · Casper van Dien (Amok) · Michelle Rodriguez (Gelda)
Länge
122 Minuten
Kinostart
14.02.2019
Pädagogisches Urteil
- Ab 14.
Genre
Actionfilm | Comicverfilmung | Science-Fiction-Film
Diskussion

Realverfilmung einer Manga-Reihe um ein zunächst freundliches, durch Erinnerungslücken verunsichertes Maschinenwesen, das sich mit einem draufgängerischen Jungen anfreundet und darüber in martialische Motorball-Spiele gerät, die es seine Bestimmung als Kampf-Cyborg erkennen lassen.

Ein Cyborg-Reparateur findet in einer dystopisch entstellten Welt das Fragment eines Maschinenwesens, das er in den Roboterkörper seiner inzwischen toten Tochter implantiert. Das zunächst freundlich, durch Erinnerungslücken verunsicherte Wesen freundet sich mit einem draufgängerischen Jungen an und gerät darüber in martialische Motorball-Spiele, die es seine Bestimmung zum Kampf-Cyborg erkennen lassen.

Der große Krieg ist seit drei Jahrhunderten Geschichte. Der ehemals blaue Planet ist zu einem gigantischen Schrottplatz verkommen, in dem die Menschen als Teil des „Abfalls“ zusammen mit Robotern und Cyborgs in den Tag leben. Hoch oben am Firmament aber schweben die gigantischen Inseln der Auserwählten, die mit mächtigen Stahltauen am Wegdriften gehindert werden. Dort oben scheint die Sonne auf jene, die es geschafft haben. Unter auf der Erde bekommt man nur deren Abfallprodukte zu Gesicht.

Ido, Chiren, Vector und Zalem

Doktor Ido aber kennt die dekadente Idylle auf Zalem. Zusammen mit seiner Frau Chiren hat er einst in den Wolken gelebt. Doch als ihre Tochter gelähmt zur Welt kam, gab es kein Platz mehr für sie in der heilen Welt der Superreichen. Auch die Erde ist kein Ort für ein Mädchen im Rollstuhl, und ihr gewaltsamer Tod nur eine Frage der Zeit. Zudem ist Ido allein. Chiren hat ihn verlassen und organisiert als Computerkonstrukteurin zusammen mit dem windigen Vector mörderische Roboter für Motorball-Gladiatoren-Kämpfe zur Belustigung der Massen. Ido selbst findet Zerstreuung in der Reparatur zahlungsschwacher Cyborgs und anderen Zwitterwesen, die sich beim Motorball allzu schnell abwetzen. Bis er das Fragment eines Roboters aus den Müllbergen fischt, das lebt und ein Herz hat, so energiereich wie kaum ein anderes im Universum, plus ein relativ intaktes Gehirn, wenngleich mit defekter Erinnerungsfunktion.

Ido nennt es Alita, nach seiner verstorbenen Tochter. Er planzt das Wesen in jenen Roboterkörper, der eigentlich die gelähmte Hülle seiner Tochter hätte schmücken und stützen sollte. Das grazile Äußere ziert fortan den Cyborg, der nichts über sich weiß, aber eine eigentümliche Gutmütigkeit und Freundlichkeit, ja Dankbarkeit gegenüber seinem Schöpfer an den Tag legt.

Doch tief im Innern seines Cortex bricht sich manchmal n eine andere Alita Bahn. Eine, die Schmerzen kennt, Kampf und Tod. Noch kann sie ihre Gedankenschübe nicht ordnen, noch sind die Szenen eines Schlachtfeldes zu diffus, um so sie mit Ido oder Hugo, einen jungen Draufgänger, zu teilen. Doch wenn Alita durch die Stadt streift, überfallen sie manchmal solche Bilder und lassen sie akrobatische Bewegungsmuster vollführen. Bei einem ausgelassenen Motorball-Training erwacht unvermittelt eine brutale Kriegerin in ihr – die wahre Bestimmung.

„Gunm“: Waffen-Narr

„Gunnm“ (in etwa: Waffen-Narr) heißt die neunbändige Manga-Reihe in Japan, die von Selbstfindung, Fremdbestimmung, von Klassen und Revolution und einem Kampf-Cyborg handelt, der mit seiner Aufgabe hadert. Im Jahre 1993, als die Buchreihe noch nicht abgeschlossen war, wurde aus dem Stoff zwei erste, jeweils 30-minütge „Original Video Animations“ (OVAs) gemacht, mit grobschlächtig gezeichnete Bildern, die den Geist und die Komplexität der Vorlage erstaunlich gut wiedergaben. Außerhalb Japan tauchte das als 60-minütige Video-Kompilation auf und ruhte im Verborgenen, bis James Cameron die Mangas für sich entdeckt und eine „Real“-Verfilmung bei Robert Rodriguez in Auftrag gab: teuer, groß und in 3D, ein wahres Epos, das den Themen der Vorlage gerecht werden sollte.

Der erste Teil dieser Produktion ist mit 200 Millionen Dollar so teuer wie „Titanic“ geworden. Weitere Teile sollen folgen. Doch taugt ein solcher Stoff für die Leinwände der Multiplexe? Nur in einer abgespeckten Version. Deshalb fiel das Philosophieren über Fremdbestimmung, Klassenkampf, Revolution und Dystopie erst mal weg. Dafür rutschte ein wenig mehr Selbstfindung und vor allem die Liebesgeschichte zwischen Alita und Hugo ins Zentrum. Das sind dankbare Ingredienzien, mit denen sich jene Actionszenen trefflich rahmen lassen, die einen mehr und mehr zu sich findenden Kampf-Engel in seinem Element zeigen.

In „Alita: Battle Angle“ hat jeder sein dunkles Geheimnis, das gelüftet werden will; nicht nur Alita. So legt Ido nachts seine bürgerliche Fassade ab und jagt als Hunter-Warrior den Gesetzesbrecher unter den Maschinenmenschen hinterher. Und Hugo springt mit Cyborgs höchst unfreundlich um, wenn er zusammen mit seinen Kumpels auf Wertstoffjagd geht und die Maschinen bei lebendigen „Leibe“ ausschlachtet, um es mit dem Gewinn irgendwann einmal bis nach Zalem zu schaffen. Im 26. Jahrhundert kann man sich das Gutsein auf der Erde nicht erlauben.
Angerissen, nicht ausdiskutiert

Doch was macht das alles mit der Geschichte? Kaum etwas, denn vieles wird nur angerissen, nichts ausdiskutiert. Es kommen ja noch weitere Folgen, weshalb man nicht alles gleich erzählen will. Deshalb bleibt auch die Liebesgeschichte zwischen Cyborg und Mensch recht vage. Zwar besitzt Alita einen „gefühlsechten“ Körper, wenngleich der erste, grazilere nach all den Kämpfen zu Bruch gegangen ist und durch einen Berserker-Body getauscht wurde. Sie darf Hugo auch kurz mal fragen, ob das überhaupt klappen kann, mit der Liebe zwischen Mensch und Maschine. „Na klar!“, heißt es dann kurz und knapp „aber jetzt mach dich schnell für deinen Kampf fertig“.

„Alita: Battle Angel“ schafft das Kunststück, alle wichtigen Fragen offen zu lassen und sich alleine um die Oberflächenreize zu scheren. Dabei sind diese Fragen durchaus interessant: Gibt es überhaupt so etwas wie „männlich“ und „weiblich“ bei Cyborgs? Im Original-Manga hat Ido Alita nicht nach seiner Tochter, sondern nach seinem toten Kater benannt. Ist Liebe im Zeitalter der elektromechanischen Reproduzierbarkeit nicht ohnehin nur noch rein platonisch? Und was ist mit dem Kampf für eine gerechte Welt und gegen eine elitäre Elite, die auf Zalem haust und durch den mysteriösen Nova geführt wird, der sich wie ein „Puppet-Master“ in die Hirne hackt? Keine Zeit, das zu beantworten. Vielleicht gibt es dazu etwa im nächsten Teil. Falls es denn einen gibt. Wann kommt der nächste Teil eigentlich? Vielleicht nach „Avatar 2 und 3“?! Cameron ist als Produzent augenblicklich ziemlich beschäftigt. Außerdem muss ja erst „Alita: Battle Angel“ Kasse machen.

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