Club der roten Bänder - Wie alles begann

Drama | Deutschland 2018 | 115 Minuten

Regie: Felix Binder

Spielfilm über die Vorgeschichten der sechs Protagonisten aus der Serie „Club der roten Bänder“, die im Jugendtrakt eines Krankenhauses eine Zweckgemeinschaft gegen den tödlichen Feind Krankheit gründen und über drei Staffeln hinweg ihr Schicksal gemeinsam zu meistern versuchen. Das Prequel schildert die Zeit, bevor die sechs Charaktere sich kennenlernen, und legt den Schwerpunkt auf die Figur des Anführers Leo; die Erlebnisse der anderen Protagonisten werden schlaglichtartig eingebaut. Während der Reiz der Serie gerade auf der Dynamik zwischen den Mitgliedern des Clubs beruht, fehlt dies hier trotz überzeugender Schauspielerleistungen komplett; die Fülle der unterschiedlichen Handlungsstränge geht zudem mit einer gewissen Kurzatmigkeit einher. - Ab 12.

Filmdaten

Originaltitel
Produktionsland
Deutschland
Produktionsjahr
2018
Regie
Felix Binder
Buch
Arne Nolting · Jan Martin Scharf · Albert Espinosa
Kamera
Thomas Schinz
Musik
Jens Oettrich
Schnitt
Anne-Kathrein Thiele
Darsteller
Tim Oliver Schultz (Leo Roland) · Luise Befort (Emma Wolfshagen) · Jürgen Vogel (Benjamin "Benni" Sorg) · Timur Bartels (Alex Breidtbach) · Nick Julius Schuck (Hugo Krüger)
Länge
115 Minuten
Kinostart
14.02.2019
Fsk
ab 0; f
Pädagogische Empfehlung
- Ab 12.
Genre
Drama | Jugendfilm

Heimkino

Die Edition enthält eine Audiodeskription für Sehbehinderte.

Verleih DVD
Universum (16:9, 2.35:1, DD5.1 dt.)
Verleih Blu-ray
Universum (16:9, 2.35:1, dts-HDMA dt.)
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Spielfilm über die Vorgeschichten der sechs Protagonisten aus der Fernsehserie „Club der roten Bänder“, die im Jugendtrakt eines Krankenhauses eine Zweckgemeinschaft gegen den tödlichen Feind Krankheit gründen und ihr Schicksal zu meistern versuchen.

Diskussion

Kann alles noch ein Mal beginnen, wenn es eigentlich schon zu Ende erzählt ist? Die seit Winter 2015 ausgestrahlte Fernsehserie "Club der roten Bänder" ist ihrerseits eine Adaption der katalanischen Serie „Polseres vermelles/Pulseras rojas“ von Albert Espinosa, mit der der Autor semi-autobiografisch seine Erlebnisse in einer Kinderkrankenstation aufarbeitete. Der Erfolg im deutschen Fernsehen war sensationell; auf die erste, unter anderem mit dem Grimme Preis und dem Deutschen Fernsehpreis ausgezeichnete Staffel folgten noch zwei weitere.

Das aus sechs Hauptcharakteren bestehende Kernensemble wurde in den Jahren 2015 bis 2017 zudem von sieben „Making of“-Produktionen begleitet, die das fiktionale Konzept ume eine Art Doku-Soap-Rahmen erweiterten. Das alles ist ungewöhnlich für ein Sujet, das eigentlich vom Dahinsiechen (krebs-)kranker Jugendlicher handelt. Doch die Autoren haben es geschafft, durch die unkonventionelle Dynamik der Schicksalsgemeinschaft eher eine Abenteuergeschichte im Stil eines Steven King zu erzählen als ein realistisches „deutsches“ Langzeitdrama. Die Serie entwickelte sich zu einer Variation von „Stand by Me“, wobei die Bedrohung der Gruppe von außen nicht durch feindliche Rabauken resultiert, sondern durch eine im Zweifel tödliche Krankheit.

Die Zeit vor dem Club: Wie alles begann

Über die 30 Beiträge der drei Staffeln sind Tim Oliver Schultz (Leo, „der Anführer“), Luise Befort (Emma, „das Mädchen“), Damian Hardung (Jonas, „der zweite Anführer“), Timur Bartels (Alex, „der Hübsche“), Ivo Kortlang (Anton, „der Schlaue“) und Nick Julius Schuck (Hugo, „der gute Geist“) zu Stars mit einer großen Fangemeinde avanciert. Um diese Fans mit einer weiteren „Club der roten Bänder“-Geschichte zu „füttern“, lag ein Kinoausklinker durchaus nahe. Doch wenn es eigentlich nichts mehr zu erzählen gibt, was erzählt man dann? Klar: „Wie alles begann“. Im Kinofilm „Club der Roten Bänder“ soll also erzählt werden, wie die Sechs waren, bevor sie im Krankenhaus zu diesem denkwürdigen Club zusammen fanden, mit dessen Hilfe sie ihre Jugend abstreifen und dem Tod die Stirn bieten konnten.

Ein Unterfangen, dass grandios gescheitert ist. Die Vita der Sechs ist viel zu unspektakulär (gerade jene von Hugo, der in der Serie zunächst im Koma liegt und quasi als Off-Kommentator durch die Geschichte führt), um sie zu dramatisieren. Außerdem funktioniert das Serienkonzept gerade durch die Energie des Zusammenkommens; eine Vereinzelung der Geschichten wirkt daher kontraproduktiv.

Sicherlich wäre es interessant nachvollziehen gewesen, warum Alex so ein Unsympath war, der sich im Laufe der Serie dann aber zum Publikumsliebling wandelte. Auch der Background von Jonas, dem zweiten Anführer des Clubs, wäre interessant gewesen, dessen Familiengeschichte ja für seine tiefen seelischen Traumata verantwortlich zeichnet.

Aber dafür bleibt in der Kinoadaption keine Zeit. Hier wird alles nur kurz angerissen. Im Vordergrund steht die Geschichte von Leo und seiner erwachenden Liebe zu Emma, vor allem aber die Reibereien mit seinem Krankenhaus-Kumpel Benni Sorg (Jürgen Vogel), der in der Serie keine Rolle spielt und für den Kinofilm erfunden wurde.

Der Film setzt keine sinnvollen Schwerpunkte

Benni ist Leos Bettnachbar und eine wahre Zumutung. Zynisch bis über beide Ohren, schikaniert er die Krankenstation und vor allem Leo, der sich damit abfinden muss, dass sein Leben aus Sport und Coolness jäh ein Ende gefunden hat; er muss sich von einem Unterschenkel und vielleicht sogar von seinem Leben verabschieden. Benni ist ein Schlag ins Gesicht, aber auch ein Weckruf für Leo, der sich durch die permanenten Reibereien mit dem Rebell aus der eigenen Lethargie befreit und zu Emma findet, die in der Nachbarstation ihre Lebensmüdigkeit nicht überwinden will.

Um diese Kerngruppe werden  einige Nebenhandlungen platziert, die schlaglichtartig den Weg von Jonas, Hugo, Anton und Alex ins Albertus-Klinikum skizzieren. Manches geht zu Herzen, etwa die Beziehung des autistisch veranlagten Anton zu seinem Opa, manches ist belanglos, etwa die aufgesetzte „Beziehungskrise“ zwischen Alex und seiner Lehrerin. Und dann gibt es ja auch noch die Figur von Jürgen Vogel, die auch noch eine Vita mitsamt einem dramatischen Abgang braucht – und damit den „Wie alles Begann“-Geschichten die Luft zum Atmen nimmt.

Die grundsätzliche Schwierigkeit der Produktion, dass die jugendlichen Darsteller in den fünf Jahren zwischen der ersten Fernsehstaffel und dem Kino-Prequel signifikant erwachsener geworden sind und kaum glaubwürdig ihr deutlich jüngeres Ich verkörpern können, könnte man fast vernachlässigen; zu gut, zu ehrlich und zu nachvollziehbar spielt auch hier das gesamte Ensemble der nicht mehr ganz so jungen Darsteller.

Der Spielfilm krankt allerdings an einem Konzept, dem eher eine monetäre als eine sinnstiftende Intention zugrunde liegt. Problematisch sind auch die dramaturgischen Kapriolen im Finale, das das Ende der Beziehung zwischen Leo und Benni mit dem Anfang des Clubs in Einklang bringen muss - was nicht gelingt, ohne komplett unlogisch zu sein. Schade eigentlich, dass eine so großartige Serie einen so überflüssigen Kinofilm nach sich gezogen hat.

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