Happy Death Day 2U

Horrorfilm | USA 2019 | 101 Minuten

Regie: Christopher Landon

Fortsetzung eines Zeitschleifen-Thrillers um eine College-Studentin, die dem Fluch der Wiederholung allerdings nur scheinbar entronnen ist, nachdem sie ihren Mörder entlarvte. Nun findet sie sich in einer erneuten Schleife und überdies in einem Paralleluniversum wieder, das sie vor unliebsame Alternativen stellt. Die Horror-Elemente werden dabei zugunsten von Science-Fiction- und Drama-Aspekten deutlich reduziert, zumal die endlosen Wiederholungen nicht mehr Angst und Schrecken, sondern eher zornige Langeweile und Frust über die ewige Wiederkehr des Gleichen provozieren. Der von einer glänzenden Hauptdarstellerin getragene Film entwirft das Bild einer desillusionierten Generation, die alles zu kennen scheint und in der jede Ausbruchsfantasie von vornherein als illusionäre Projektion entlarvt ist. - Ab 16.

Filmdaten

Originaltitel
HAPPY DEATH DAY 2U
Produktionsland
USA
Produktionsjahr
2019
Regie
Christopher Landon
Buch
Christopher Landon
Kamera
Toby Oliver
Musik
Bear McCreary
Schnitt
Ben Baudhuin
Darsteller
Jessica Rothe (Theresa "Tree" Gelbman) · Israel Broussard (Carter Davis) · Suraj Sharma (Samar Ghosh) · Sarah Yarkin (Dre Morgan) · Ruby Modine (Lori Spengler)
Länge
101 Minuten
Kinostart
14.02.2019
Fsk
ab 12; f
Pädagogisches Urteil
- Ab 16.
Genre
Horrorfilm | Thriller
Diskussion

Schon wenn das „Universal“-Logo im Vorspann in drei Versionen zerspringt, die wieder miteinander verschmelzen und zuletzt implodieren, ist klar, wohin die Reise geht: in Paralleldimensionen. Denn wohin sonst zieht es die Fortsetzung eines Films, der sich in sich selbst fortsetzte? Christopher B. Landons „Happy Deathday“ kombinierte 2017 die Logik von „Und täglich grüßt das Murmeltier“ mit der eines Teenie-Slashers. Immer wieder wurde die College-Studentin Theresa „Tree“ Gelbman an ihrem Geburtstag von einem mysteriösen Mörder mit Baby-Maske niedergestreckt. Fortan erwachte sie morgens stets aufs Neue unbeschadet in ihrem Bett. Am Ende der langen Suche nach ihrem Mörder wähnte sie sich ihrer persönlichen Zeitschleife entkommen. Was ein Irrtum war, denn aus der Welt von Remakes, Sequels und Franchises gibt es keinen Ausweg.

Die Kernmechaniken des Originals bleiben auch in „Happy Death Day 2U“ erhalten, sogar die Figuren und Schauplätze sind größtenteils dieselben. Nur die Rollen werden neu verteilt, wie am Anfang einer Partie „Cluedo“. Neue Mörder, neue Opfer, neue Beziehungen. Statt bei Tree beginnt der Film im zugemüllten Auto von Ryan (Phi Vu). Der arbeitet gemeinsam mit seinen Freunden Samar (Suraj Sharma) und Dre (Sarah Yarkin) am Sisyphos-Quanten-Kühlreaktor. Doch der wirkt anders als erwartet und erzeugt nicht nur eine neue Zeitschleife für Tree (Jessica Rothe), sondern versetzt sie auch noch in eine Paralleldimension.

Im Kern eröffnet die Technik eine moralische und emotionale Frage

An komplexen Zeitreise-Spielereien wie etwa in "Primer" von Shane Carruth hat der Film spürbar geringes Interesse. Wissenschaftlich wird das Phänomen höchstens beiläufig erklärt. Denn im Kern eröffnet die Technik eine moralische und eine emotionale Frage. Wirklich gruselig ist der Film nie. Wo „Happy Death Day“ noch deutlich von seinen Horror-Elementen geprägt war, betont die Fortsetzung die Science-Fiction- und Drama-Aspekte des Szenarios. Tree muss zwischen zwei Welten wählen. In der ursprünglichen ist ihre Mutter tot, dafür hat sie den liebevollen Carter (Israel Broussard) an ihrer Seite. Nun tut sich eine neue vor ihr auf, in der ihre Mutter überlebt hat. Dafür ist Carter allerdings in einer Beziehung mit der kaltherzigen Danielle (Rachel Matthews).

Die emsigen Aktivitäten um dieses Zentrum herum, die erneute Mörderjagd und allerlei temporale Albernheiten scheint vor allem Handlungszeit zu füllen. Das ist ein im Grunde ganz guter Ansatz für den Nachfolger eines „High Concept“-Erfolgs: Die Struktur, die das Original populär gemacht hat, wird beibehalten und in einem neuen Kontext zur Anwendung gebracht.

Eine der großen Stärken des Films liegt in der Darbietung von Jessica Rothe. Die endlosen Wiederholungen versetzen Tree längst nicht mehr in Angst und Schrecken. Warum auch? Was soll ein Mensch fürchten, der bereits Dutzende Male gestorben ist? Der wie in einem Videospiel stets vom gleichen Punkt aus in die Welt geworfen wird, um die Fehler des eigenen Handels zu beheben. Der schreckliche Fluchtpunkt des Horrors, der Tod, ist längst alltäglich geworden. Trial & Error.

Die ewigen Zyklen von Tod und Wiedergeburt verwandeln Tree nicht

Doch im Gegensatz zum Leidensgenossen Sisyphos muss man sich Tree nicht als einen glücklichen Menschen vorstellen. Die ewigen Zyklen von Tod und Wiedergeburt verwandeln sie, im Gegensatz zu Bill Murrays „Murmeltier“-Charakter Phil Connors, nicht in eine erleuchtete Bodhisattwa-Figur. Im Gegenteil: Ihre Sorge ist längst einer zornigen Langweile gewichen, einer Frustration über eine ewig in den gleichen Bahnen kreisende Welt, deren Lauf Tree doch nicht zu entfesseln vermag. Wütend und genervt tobt sie entlang der Pfade, die man ihr vorgibt. Wundervoll verzieht Rothe ihr Gesicht zur Grimasse, verkrampft ihren Körper, lehnt sich nach vorne, einer nie kommenden Zukunft entgegen.

Vielleicht liegt darin auch ein Porträt der Zielgruppe. Man begegnet einem Bild einer jungen Generation, die durch die weiter und weiter beschleunigten Nachrichten- und Informationszyklen mit dem Gefühl groß geworden ist, alles schon zu kennen. In einer Sequenz muss sich Tree immer wieder neue Algorithmen merken, damit der Einsatz der Sisyphos-Maschine an einem einzigen Tag gelingt. Ihre Freunde nennen sie sogar einen „lebendigen Datenträger“. Die Logik ewiger Wiederkehr bestimmt auch populäre Online-Dienste wie Vine oder TikTok, natürlich auch Gifs oder Playlists.

Schon seit „Scream“ sind Horrorfilm-Teenager abgebrüht und zynisch, sie kennen die Genre-Regeln. In „Happy Deathday“ mündet diese Tendenz in enervierter Überreiztheit. Hundert Male sind dieselben Prozesse an ihnen vorbeigezogen, auch durch die Schuld einer älteren Generation. Im Film steht dafür der selbstverliebt-spießige Dekan Bronson (Steve Zissis), der die Pläne der Jungen immer wieder vereitelt und das Wissenschaftsprojekt sogar ganz einstellen will. Aus „Happy Death Day 2U“ spricht, zwischen allerlei Genre-Konvention hindurch, die Frustration der noch nicht angehörten Generation Z.

Immer wieder dieselben Inhalte

Natürlich ist es auch der Ärger einer Zuschauerschaft, denen im Zeitalter von Mark Fishers „Kapitalistischem Realismus“ immer wieder dieselben Inhalte vorgesetzt werden. Der zweite Teil der Reihe, die bei entsprechendem Erfolg natürlich weiterlaufen wird, bedient nicht einmal das megalomanische Wachstum, das Fortsetzungen sonst Richtung Absurdität wuchern lässt. Die Paralleldimensionen machen die Welt nicht größer, sie lassen keine eigene Mythologie entstehen. Es werden einfach nur bestehende Elemente neu angeordnet.

Man ist sich bewusst, dass man dem Kino nichts hinzufügt, denn jede Szene ist die Kopie von etwas Bekanntem. In Teil 1 sprachen die Figuren offen über „Und täglich grüßt das Murmeltier“, in Teil 2 verlagert man sich in Richtung „Zurück in die Zukunft 2“. Das Poster des Kultfilms von Robert Zemeckis ziert die Wände des Zimmers, in dem Tree jeden Morgen aufs Neue erwacht. Auch Carpenters „Sie leben“ ist dort zu sehen, genau wie ein Plakat von „Mystery Science Theater 3000“ – eine Filmreihe, die nicht direkt eigene Inhalte bietet, sondern billig produzierte B-Ware von ihren Figuren kreativ verhöhnen lässt.

Auch dieser Welt kann Tree nur schwer entkommen. Das Kino als postmodernes Spielzimmer, fern aller eigenen Visionen und Träume. Auf langweilige Weise in sich selbst gefangen, mit jeder Fortsetzung die Ausbruchsfantasien des Vorgängers als Wunschdenken entlarvend. Denn natürlich ist auch Christopher B. Landons Zeitschleifen-Horror Teil dieser Welt. Wer weiß – vielleicht hängt in Trees Wohnheim im nächsten Teil ein Poster von „Happy Death Day 2U“. Das wäre nur konsequent.

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