Sweethearts (2018)

Komödie | Deutschland 2018 | 107 Minuten

Regie: Karoline Herfurth

Krimikomödie über eine chaotische Alleinerziehende, die sich mit einem Juwelenraub ein besseres Leben finanzieren will, dabei aber eine junge Frau kidnappt und sich beim Versuch, alles wieder ins Lot zu bringen, mit ihrem Opfer anfreundet. Der anfangs etwas sehr forciert witzige Film skizziert mit wenigen Strichen stimmige Figuren und entwickelt über Dialoge und clevere Gags eine beträchtliche Dynamik. Auch belässt der unterhaltsame Film die Geschichte ausreichend in der Schwebe und versprüht mit szenisch-bildnerischen Einfällen eine beträchtliche Leichtigkeit. - Ab 14.

Filmdaten

Originaltitel
Produktionsland
Deutschland
Produktionsjahr
2018
Regie
Karoline Herfurth
Buch
Monika Fäßler · Karoline Herfurth
Kamera
Daniel Gottschalk
Musik
Annette Focks
Schnitt
Simon Gstöttmayr
Darsteller
Karoline Herfurth (Franny) · Hannah Herzsprung (Mel) · Frederick Lau (Harry) · Anneke Kim Sarnau (Ingrid von Kaiten) · Katrin Saß (Sandra)
Länge
107 Minuten
Kinostart
14.02.2019
Fsk
ab 12; f
Pädagogisches Urteil
- Ab 14.
Genre
Komödie
Diskussion

Krimikomödie über eine chaotische Alleinerziehende, die sich mit einem Juwelenraub ein besseres Leben finanzieren will, dabei aber eine chaotische junge Frau kidnappt und sich beim Versuch, alles wieder ins Lot zu bringen, mit ihrem Opfer anfreundet.

Frederick Lau ist in „Sweethearts“ Schmerzensmann und Objekt der Begierde zugleich. Er wird von zahlreichen weiblichen Figuren bedrängt, belästigt, gestalkt, gefesselt, verprügelt oder in Matschpfützen geschubst. Aber auch geliebt, begehrt, vermisst und umworben. Es ist ein bisschen wie im Kindergarten, wo die Mädchen und Jungs ja auch immer die oder den besonders triezen, die sie toll finden.

Der zweite Langfilm von Karoline Herfurth hat so manches von einem Kindergarten – freilich einem für Erwachsene. Was nicht despektierlich gemeint ist, denn der Film ist eine flotte, bunte, witzige und auch anrührende Krimikomödie. Sonderlich „reif“ verhält sich hier aber kaum jemand: nicht die Befehle bellende Kommissarin Ingrid von Kaiten (Anneke Kim Sarnau), die jeden außer sich für unfähig hält, und auch nicht der Streifenpolizist, der mit Baby im Schlepptau auf der Arbeit erscheint und immer nur am Jammern ist.

Kindischer als jedes Kind

Kindischer als jedes Kind aber benimmt sich Franny (Karoline Herfurth): Die junge Frau leidet unter Panikattacken, gegen die nur das Handy-Spiel „Banana Kong“ hilft; auch sonst ist Franny weder gesellschaftsfähig noch lebenstüchtig. Ausgerechnet sie wird von Mel (Hannah Herzsprung), die gerade einen Juwelier ausgeraubt hat, als Geisel genommen. Was sich vor allem für die Räuberin als Problem erweist. Denn Franny ist nicht nur eine unglaubliche Nervensäge, sondern verpatzt auch den Weiterverkauf der Beute. Damit steht die alleinerziehende Mel, die sich und ihrer kleinen Tochter ein neues Leben ermöglichen wollte, nicht nur ohne Diamanten da, sondern zieht sich auch den Zorn des Gangsterbosses Gatsky (Ronald Zehrfeld) zu.

Franny beschließt deshalb, nicht nur freiwillig bei Mel zu bleiben, sondern ihr auch dabei zu helfen, die Beute zurückzuholen. Es ist aber auch so, dass Mel der orientierungslosen Franny Halt gibt und zum größten Abenteuertrip ihres Lebens verhilft. Umgekehrt lernt die einsame Kämpferin Mel die schräge Lebenslust und Loyalität von Franny schätzen. Als die beiden ungleichen Frauen den Polizisten Harry (Frederick Lau) entführen, entspinnt sich überdies eine zarte Romanze zwischen ihm und Franny, deren beträchtlicher Reiz darin liegt, dass lange nicht ausgemacht ist, ob sein Interesse echt oder nur Mittel zum Zweck der Befreiung ist.

Den „Bechdel-Test“ spielend bestanden

Drehbuch und Inszenierung lassen die Dinge ausreichend in der Schwebe; Motivationen und Beziehungsstrukturen werden nicht zerredet oder bis ins letzte Detail erklärt. Es gelingt Herfurth gut, mit wenigen Strichen stimmige Figuren zu entwerfen, denen man gerne auf ihren abenteuerlichen Wegen folgt. Zwar verlässt sich der Film insbesondere zu Beginn zu sehr auf die Witzigkeit von Franny. Doch der forcierte Humor verliert sich mit Fortgang der Story; dann schöpft der Film seine zahlreichen Gags weniger aus Effekten als vielmehr aus der Action, den Dialogen und den Figuren, die das Rückgrat dieser Krimikomödie bilden.

Auch wenn man mit den grundsätzlichen Strukturen des Plots um einen letzten Coup, der schiefzugehen droht, oder um ein ungleiches Duo, das sich annähert, mehr als vertraut ist, machen die schnellen Dialoge, gelungene Running Gags und viele szenische oder bildnerische Einfälle etwas überraschend Neues daraus. Auch insofern, als hier ebenso eindeutig wie selbstverständlich Frauen im Mittelpunkt stehen – den Bechdel-Test hat „Sweethearts“ locker bestanden.

#MeToo, anders herum

Fast ist es sogar so, dass der rabiate Umgang mit dem Ordnungshüter Fragen im Sinne von #MeToo aufwerfen, allerdings unter umgekehrten Vorzeichen: Wie würde man reagieren, wenn der Prügelknabe eine weibliche Figur und die Gegenspieler Männer wären? Unschwer würde das dem Film jede komödiantische Leichtigkeit und sein spielerisches Element austreiben, da das Gewicht der jahrtausendealten Unterdrückungsgeschichte des weiblichen Körpers durch den Mann viel zu schwer wiegt. So herum aber funktioniert es wunderbar – denn die männliche Figur behält selbst im Matsch ihre Coolness und Würde.

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