High Flying Bird

Drama | USA 2019 | 90 Minuten

Regie: Steven Soderbergh

Steven Soderbergh beleuchtet in dem Film, den er zur Zeit des großen US-amerikanischen Profibasketballstreiks 2011 angesiedelt hat, das „Spiel hinter dem Spiel“: Die Spieler halten das Geschäft zwar am Laufen, einen Großteil der Einnahmen reißen sich jedoch die Bosse der Profiliga NBA unter den Nagel. Ein smarte Spieleragent versucht, sich diese Situation zunutze zu machen und bekommt es dabei bald mit seiner ehemaligen Assistentin zu tun. Das mehr als Wirtschaftskrimi denn als Sportfilm inszenierte Werk feierte 2019 beim Sundance Festival seine Premiere. Der leise inszenierte Film unternimmt einen kenntnisreichen Blick hinter die Kulissen des Sportgeschäfts, um jedoch am Ende in einer etwas gewollten Überraschungsauflösung zu münden.

Filmdaten

Originaltitel
HIGH FLYING BIRD
Produktionsland
USA
Produktionsjahr
2019
Regie
Steven Soderbergh
Buch
Tarell Alvin McCraney
Kamera
Steven Soderbergh
Musik
Thomas Newman
Schnitt
Steven Soderbergh
Darsteller
Zazie Beetz · Zachary Quinto · Kyle MacLachlan · André Holland · Melvin Gregg
Länge
90 Minuten
Kinostart
-
Genre
Drama | Sportfilm
Diskussion

Steven Soderbergh beleuchtet in seinem Sportfilm, den er zur Zeit des großen US-amerikanischen Profibasketballstreiks 2011 angesiedelt hat, das „Spiel hinter dem Spiel".

Obwohl er seit Wochen auf sein Geld verzichten muss, macht der smarte Spieleragent Ray Burke einen gefassten Eindruck.In einer mondänen Hochhausbar mit Glasfensterblick über die Skyline von Manhattan erklärt er seinem grünschnabeligen Klienten Erick Scott ruhig, warum die Aufnahme eines Wucherkredits gerade keine so gute Idee war. Auch als die Bedienung am Tisch seine gesperrte Kreditkarte zerschneidet, bleibt Ray zunächst entspannt – um nach einer Fahrt ins Büro seiner Agentur SAV von seiner Assistentin Sam zu erfahren, dass sie nun woanders anheuert.

Die Besitzer der amerikanischen Basketballliga NBA haben die gewerkschaftlich organisierten Spieler nach gescheiterten Tarifverhandlungen ausgesperrt. Solange der Betrieb ruht, erhalten nicht nur die Profis kein Geld. Auch die von ihnen abhängigen Spielerberater, Werbeagenturen und sonstige Profiteure des Sport-Zirkus sitzen auf dem Trockenen. Steven Soderbergh beleuchtet in seinem leisen Film „High Flying Bird“, den er zur Zeit des letzten großen NBA-Lockouts 2011 angesiedelt hat, das „Spiel hinter dem Spiel“. Zwischendurch streut er dokumentarische Zeugnisse von inzwischen etablierten NBA-Spielern wie Cameron Mitchell über ihre Zeit als „Rookie“ (Neuling) in ihrer ersten Profisaison ein. Sie preisen den Wert der Erfahrung, sprechen über die zahllosen Fehler, die passieren können. Das mehr als Wirtschaftskrimi denn als Sportfilm inszenierte Werk (Drehbuch von „Moonlight-Autor Tarell Alvin McCraney) feierte Ende Januar 2019 beim Sundance Festival seine Premiere.

Strippenziehen im Sport-Zirkus

André Holland scheint als Soderberghs Held Ray Burke selbst dort noch Strippen zu ziehen, wo sich diese längst von den Puppen abgelöst haben. Er lotet für Erick aus, ob dieser sich in Streetballcontests selbst vermarkten könnte, ohne gegenüber der Liga vertragsbrüchig zu werden. Auch ein Twitter-Scharmützel zwischen Erick und einer anderen Nachwuchshoffnung kommt gerade recht. Um Aufmerksamkeit zu erregen nutzt er auch den alljährlichen Basketballtag, den sein alter Trainer Spence (Bill Duke) in der Stadtteil-Turnhalle der South Bronx veranstaltet. Spence steht für das traditionelle Basketball, für die Zeit bevor „sie“ (die Weißen) „uns“ (den Schwarzen) den Sport wegnahmen. Er hat schon Rays ersten Klienten, dessen hochtalentierten Cousin gecoacht – er verstarb jung. In einer emotionalen Rede vor jungen Schülern erinnert Ray an diesen Cousin und predigt ihnen die Liebe zum Sport als unentbehrliche Voraussetzung für das Basketballerglück.

Sowohl Ray als auch die sich zur eigenständigen Agentin emanzipierende Sam (Zazie Beetz) agieren derart klandestin, dass nie klar ist, in wessen Mannschaft sie spielen – so es hier denn überhaupt Teamplay geben kann. Andere Figuren in diesem mehr an Schach erinnernden Spiel sind „Twin-Peaks“-Veteran Kyle McLachlan (als saturierter schwerreicher Ligamanager mit Privatjet) und Sonya Sohn, die Fans der Serie „The Wire“ als lesbische Polizistin Kema noch in guter Erinnerung ist. Dass der Film mit einem überraschenden Heureka-Moment endet, passt gar nicht so recht zu ihm. Soderbergh scheint dem Zuschauer unbedingt noch einen Clou vorsetzen zu müssen. Das wirkt ebenso gewollt wie die späte Referenz an die Sporthelden der afroamerikanischen Geschichte Tommie Smith und John Carlos, die bei der Siegerehrung der Olympischen Spiele in Mexiko City 1968 die schwarz behandschuhten Hände in die Luft reckten.

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