Jugendfilm | Deutschland 2018 | 82 Minuten

Regie: Erwin van den Eshof

Eine musikalisch begabte Jugendliche kehrt nach Jahren aus den USA nach Deutschland zurück, findet an der neuen Schule aber keinen Anschluss. Erst als sie sich mit anderen Mobbing-Opfern verbündet, wendet sich das Blatt. Der Film entwickelt kein Gespür für die aufgewühlten Emotionen der Teenager, sondern huscht mit simplen Mustern und platten Sprüchen über die Herausforderungen des Heranwachsens hinweg. Die Anlehnung an gängige Casting-Shows, unverhohlenes Product Placement und das Fehlen jeglicher kritischer Distanz tragen zum kolportageartigen Charakter des Außenseiterdramas bei. - Ab 14.

Filmdaten

Originaltitel
Produktionsland
Deutschland
Produktionsjahr
2018
Regie
Erwin van den Eshof
Buch
Erwin van den Eshof · Karen van den Ende · Ernst Gonlag · Diana Sno · Leandra Ullrich
Schnitt
Jeffrey De Vore
Darsteller
Selina Mour (Julia) · Lion Wasczyk (Nick) · Jonathan Elias Weiske (Justin Himmelmann) · Vivien Wulf (Stella) · Nadia Al-Mardini (Julias Mutter)
Länge
82 Minuten
Kinostart
14.03.2019
Fsk
ab 0; f
Pädagogisches Urteil
- Ab 14.
Genre
Jugendfilm | Komödie
Diskussion

Außenseiterdrama um eine Jugendliche, die mit ihren Eltern nach Jahren aus den USA zurückkehrt, wo sie an der High School höchst erfolgreich war. Doch in Deutschland fällt ihr der Anschluss schwer. Erst als sie sich mit anderen Mobbing-Opfern zusammenschließt, wendet sich das Blatt.

Anfangs erzählt Julia (gespielt von der 18-jährigen Selina Mour, einem erfolgreichen Social-Media-Star) dem Publikum, wer sie ist. Seit zehn Jahren lebe sie glücklich und zufrieden in den USA. Sie habe alles, was sie brauche. Dreimal sei sie schon Schönheitskönigin gewesen, sie habe ausreichend Followers, nebenan wohne Justin Bieber. Was wolle sie mehr, außer natürlich noch ein paar mehr Followers?

Dieses Glück wird allerdings von ihren Eltern zerstört. Die planen die Rückkehr nach Deutschland, ins Schlager-, Bratwurst- und Lederhosenland. Wenig später landet Julia auf einem Humboldt-Gymnasium, das von einer fiesen Rektorin mit blauen Raubtieraugen und feschem Outfit (Sylvie Meis, die Co-Jurorin aus Dieter Bohlens „Das Supertalent“) geleitet wird. Der bonbonfarbene, unwirkliche Ort stellt einen Initiationsraum dar, in dem sich alles um Mode und die eigene Selbstdarstellung auf der Bühne oder im Internet dreht. Was Julia dort erlebt, wird sogleich verwertet und für andere zur Schau gestellt. Trotz des ehrwürdigen Namensgebers der Schule erwirbt Julia kein schulisches Wissen, sondern bereitet sich mit Unterstützung ihrer Mitschüler Zelda und Nick auf einen Gesangswettbewerb vor, bei dem sie sich überdies der Intrigen ihrer Kontrahentin Stella erwehren muss. So lernt sie: Wenn man bei sich selbst ist, kann man überall zuhause sein.

Platte Sprüche, aufgesetzte Gefühle

Platte Sprüche dieser Art sind in dem Film von Erwin van den Eshof häufiger zu hören. Ihr Inhalt verwundert kaum, da der Adoleszenz-Film selbst solchen simplen Mustern huldigt. Es ist für Zuschauer kaum möglich, eine Beziehung zu dem Ort oder den Figuren aufbauen. Die effektheischende Montage zischt von einem Bild zum nächsten, der Plot ist dürr, die comic-haften Figuren sind flach und nach außen orientiert. Die Gefühle, die sie antreiben, nimmt man ihnen nicht ab. Dass die Liebe in jungen Menschen ein großes Verlangen entfacht, scheint der Regie unbekannt zu sein. Statt Gefühle zu modellieren, soll das immer wieder eingeblendete, applaudierende Publikum bezeugen, dass solche vorhanden sind. Die finale Wendung, mit der sich alles zum Guten wendet, ist lieblos umgesetzt und wirkt heruntergenudelt. Alles wird in „Misfit“ zur Show und obendrein noch als Product Placement genutzt. Die jungen Zuschauer werden nicht als Gruppe adressiert, die sich mit Themen ihres Alltags auseinandersetzen wollen, etwa mit Mobbing, Konkurrenz, Schönheitswahn und Versagensängsten, sondern eher als Käufer adressiert.

In einem Werbespot vor Beginn der Kinovorstellung (hier: CinemaxX Berlin) wird ein Aknemittel der Firma Garnier beworben. Eine junge Frau trägt deren Gel als Gesichtsmaske auf. Prompt wird Julia im Film ihre Freunde mit einer solchen schwarzen Maske im Gesicht empfangen. Das soll wohl witzig sein, doch man erkennt die Absicht und ist verstimmt. Der Name der Firma taucht bei anderer Gelegenheit im Film prompt auf einem Fläschchen auf.

Im Bann einschlägiger Casting-Shows

Der Plot sucht offenbar Anschluss an Casting-Shows wie „Germany’s Next Topmodel“ oder „Deutschland sucht den Superstar“. So wird Julia von der Schuldirektorin in der Manier von Heidi Klum für den Wettbewerb heißgemacht. Sie verspricht dem Mädchen, die Rückreise in die USA zu spendieren, aber nur, wenn Julia ihrem tumben, muskelbepackten Sohn zu einer besseren Englischnote verhelfe. Dabei kam das Heimweh nach Julias US-Freunden in der Zwischenzeit gar nicht mehr zur Sprache. Im Moderator der „Humboldt-Show“ lässt Dieter Bohlen grüßen. Und dann gibt es auch noch die Jury, die mit den jungen Leuten auf der Bühne mitfiebert oder sie wanken lässt. Um es dorthin zu schaffen, müssen Julia und Nick ihre Ängste überwinden. Auch wenn sie sich als „Misfits“, als Außerseiter, gegen die Perfektion, den Warenfetischismus und den Schönheitswahn abgrenzen, steigen sie dennoch nicht aus dem System aus oder stellen es gar in Frage. Denn auf der Bühne der Selbstdarstellung wollen sie in jedem Fall bestehen. Selbst als Satire könnte man diese Kolportage nicht als gelungen bezeichnen.

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