Portugal - Der Wanderfilm

Dokumentarfilm | Deutschland 2018 | 100 Minuten

Regie: Silke Schranz

In Form eines Videotagebuchs konzipierter Zusammenschnitt einer über tausend Kilometer langen Wanderung auf der Rota Vicentina entlang der portugiesischen Atlantikküste von Sagres nach Porto Covo. Die beiden sich filmenden Lebenskünstler erschließen sich das Land dabei eher über ihre eigenen Erkenntnisse und ihre Wanderleidenschaft als über Begegnungen mit Einheimischen. Ein rein deskriptiver Wanderfilm, mit zwei immer gut gelaunten Protagonisten und mal schönen, mal unspektakulären Bildern. - Ab 10.

Filmdaten

Originaltitel
Produktionsland
Deutschland
Produktionsjahr
2018
Regie
Silke Schranz · Christian Wüstenberg
Buch
Silke Schranz · Christian Wüstenberg
Kamera
Silke Schranz · Christian Wüstenberg
Schnitt
Silke Schranz · Christian Wüstenberg
Länge
100 Minuten
Kinostart
14.03.2019
Fsk
ab 0; f
Pädagogisches Urteil
- Ab 10.
Genre
Dokumentarfilm

Heimkino

Verleih DVD
comfilm (16:9, 1.78:1, DD5.1 dt.)
Verleih Blu-ray
comfilm (16:9, 1.78:1, dts-HDMA dt.)
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Diskussion

Rein deskriptiver Wanderfilm entlang der portugiesischen Atlantikküste von Sagres nach Porto, mit zwei immer gut gelaunten Protagonisten und mal schönen, mal unspektakulären Bildern.

Portugal ist eine Reise wert. Das ist keine umwerfend neue Erkenntnis. Doch wenn man sich im Mai oder im November für ein paar Wochen Zeit nimmt, kann man sich fern der Touristenströme selbst davon überzeugen. Vor oder nach dem Run, wenn die Luft von heftigen Regenschauern auf laue 20 Grad abgekühlt wird, lässt sich das Land am Rande Europas mit allen Sinnen erfahren. Zumindest, wenn man den Strand in Wanderschuhen vom tiefen Süden bis zum hohen Norden erkundet.

Silke Schranz und Christian Wüstenberg haben einen Selbstversuch gestartet. Was zunächst als übersichtliche Tour im Süden geplant war, begeisterte die beiden so sehr, dass sie die rund tausend Kilometer auf der Rota Vicentina bis nach Porto in zwei Hälften bewältigten, mit ein paar Monaten Pause zwischendrin. Damit keiner ihrer mannigfaltigen Eindrücke verloren geht, hat das sympathische Duo alles akribisch in Wort und Bild festgehalten. Von Scheuerblasen, Sturzregen und Sonnenbrand bis hin zu den einsamen Traumstränden, leeren Pensionen und dornenbewährten Böschungen ist alles dabei, was das Wandern in der Nebensaison so reiz- und leidvoll macht.

Zwei enthusiastische Wanderer

Man spürt förmlich den Enthusiasmus, den die Wanderer bei ihrer Tour an den Tag legen, egal, ob sie mit einem befreundeten Ehepaar oder später alleine unterwegs sind – die beiden haben immer Spaß und können auch der letzten Bauruine in den Dünen noch etwas Anheimelndes abgewinnen.

„Portugal – Der Wanderfilm“ ist weniger professionell als ihr Erfolgsfilm „Die Nordsee von oben“. Es ist ein bebildertes Logbuch, das morgens mit den Etappenkoordinaten beginnt und abends mit der (zumeist) erfolgreichen Übernachtungssuche und dem immer wieder tollen Abendbrot endet. Im Mittelpunkt steht der Weg als Ziel, weniger die Menschen am Wegesrand. Neudeutsch heißt so etwas „Videoblog“, im Kino hochgestochen „Wanderfilm“.

Man sollte nicht zu viel erwarten. Das Equipment ist nicht Scope-tauglich, die Bilder nicht atemberaubend, eine Dramaturgie kaum existent. Mit stoischer Unermüdlichkeit arbeiten die Wanderer ihre 36 Etappen ab. Aufgelockert wird der Film durch praktische Tipps für Wanderer. Vom gut gepackten Rucksack über die richtige Sockenwahl bis zu Google Earth ist alles dabei. Bei so vielen Etappen innerhalb von knapp 100 Filmminuten bleibt allerdings nicht viel Zeit zum Verweilen. Stracks geht es entlang roter Punkte, blauer Pfeile oder zweifarbiger Gleichheitszeichen Richtung Norden.

Ein hilfreicher Guide für die eigene Tour

Das muss man mögen. Ähnlich wie Jugendliche, die sich bei elaborierten Ballerspielen abfilmen und damit im Internet immense Follower-Zahlen generieren, sind auch Reiseberichte beliebt. Beliebter jedenfalls als die Erfahrung feuchtklammer Wäsche am eigenen Leibe, in die Schultern schneidende Rucksackgurte oder der ewige Sand zwischen den Zehen.

Zwei Erkenntnisse liefert „Portugal – Der Wanderfilm“ dann aber doch: Zum einen die Erkenntnis, welche der 36 Etappen man sich aufgrund unwegsamer Geröllwege sparen kann. Zum anderen, dass die beiden Wanderfilmer vielleicht ein Händchen für Bilder, aber kein Ohr für die musikalische Untermalung haben. Es sind weniger die Blasen als vielmehr die Musik, die beim Zuschauen unterschwellig Schmerzen bereitet.

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