Poldark - Staffel 4

Serie | Großbritannien 2018 | 482 Minuten

Regie: Joss Agnew

Vierte Staffel einer Historienserie um einen Landadligen aus Cornwall während des späten 18. Jahrhunderts. Angesichts der wirtschaftlichen wie politischen Ungerechtigkeit und der daraus resultierenden revolutionären Unruhen überwindet der Protagonist seinen Widerwillen gegen die politische Kaste und kandidiert fürs Parlament. Auf seine Familie und Freunde warten indes neue Schicksalsschläge sowie weitere Intrigen eines korrupten Bankers. Ein süffiger Mix aus gefühlvollem Familiendrama und facettenreichem Gesellschaftspanorama, der sich durch die Verlagerung aufs politische Parkett der Hauptstadt interessant weitet und durch eine schwelgerische Bildsprache und raue Landschaftspanoramen für sich einnimmt. - Ab 12.

Filmdaten

Originaltitel
POLDARK SEASON 4
Produktionsland
Großbritannien
Produktionsjahr
2018
Regie
Joss Agnew · Brian Kelly
Buch
Debbie Horsfield
Kamera
Nick Dance · James Aspinall
Musik
Anne Dudley
Schnitt
Adam Green · Tim Hodges · Anne Sopel
Darsteller
Aidan Turner (Ross Poldark) · Eleanor Tomlinson (Demelza Poldark) · Jack Farthing (George Warleggan) · Heida Reed (Elizabeth Warleggan) · Luke Norris (Dwight Enys)
Länge
482 Minuten
Kinostart
-
Fsk
ab 12
Pädagogisches Urteil
- Ab 12.
Genre
Serie

Heimkino

Verleih DVD
Edel Motion
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Diskussion

Die Historiensaga um einen Landadligen aus Cornwall während des späten 18. Jahrhunderts weitet sich in der vierten Staffel aufs politische Parkett der Metropole London aus.

Gleich in einer der ersten Folgen gibt es gewalttätige Unruhen. Es ist durchgesickert, dass die Getreidehändler säckeweise Korn nach Portugal exportieren, während die heimische Bevölkerung in Cornwall die Wucherpreise nicht zahlen kann, da die wirtschaftliche Lage hier wie in ganz England desaströs ist. Der Geist der Revolution, der in Frankreich wenige Jahre zuvor zum Umsturz der Monarchie führte, schwelt auch im Südwesten der Insel. Eine Gruppe von Männern läuft Sturm und will die Verladung der Säcke auf die Schiffe gewaltsam unterbinden. In dem Tumult kommt ein Getreidehändler ums Leben. Kurz darauf baumelt ein junger Mann in Truro nach einem windigen Schauprozess am Galgen, um ein Exempel zu statuieren und das „gemeine Volk“ wieder auf seinen Platz zu verweisen.

Ross Poldark (Aidan Turner), der Protagonist der auf den Romanen von Winston Graham beruhenden Historienserie, schaut dem Ganzen mit hilfloser Wut zu. Obwohl er selbst zur „Gentry“, den höheren Ständen, zählt, gilt seine ganze Sympathie den Arbeitern, Bauern und Fischern seiner Heimat; an der Hinrichtung kann aber auch er nichts ändern – genauso wenig wie an der Rechtslage, die dafür verantwortlich ist, dass es kein Gesetz gegen die unmoralische Preispolitik der Getreidehändler gibt.

Von Cornwall nach London

Das zwingt Poldark, seinen in Staffel 3 gefassten Entschluss zu überdenken, als er die Möglichkeit ausschlug, fürs britische Parlament zu kandidieren. Staffel 4 steuert damit direkt auf ihr wichtigstes und interessantestes Thema zu: Poldark überwindet seine Aversion gegen die politische Kaste und gegen das absurd korrupte Wahlsystem und lässt sich auf das Amt eines Parlamentariers ein, um an den ungerechten Zuständen von innen heraus etwas zu verändern. Damit weitet sich der Handlungsrahmen der Serie von Cornwall in die Metropole London, und Poldark betritt Neuland, dessen Spielregeln er erst erlernen muss und das jede Menge neuer Frustrationen für ihn bereithält.

Die historische Serie spiegelt damit im historischen Gewand durchaus plastisch die Stimmung gegenwärtiger Politikverdrossenheit und das Misstrauen gegen die politische Elite (nicht nur in England) wider; auf der Basis der Graham-Romanen plädiert sie in Form des Geisteswandels ihres Helden aber gleichzeitig dafür, dass „der Staat“ keine dubiose Größe ist, sondern eine Aufgabe und in die Verantwortung von jeden Einzelnen fällt.

Familienmelo & Gesellschaftspanorama

Showrunnerin Debbie Horsfield gelingt es einmal mehr, die Fabel rund um die politischen Zustände im England des ausgehenden 18. Jahrhunderts elegant mit der Familiensaga der Poldarks zu verbinden. Die durch Ross' neues Engagement erzwungene räumliche Trennung von seiner Frau Demelza, die während seiner Abwesenheit den „Familienbetrieb“ und vor allem die Mine beaufsichtigt, gewährt dem Paar nach den Rissen, die sich in der dritten Staffel zwischen ihnen auftaten, eine Art Beziehungspause und die Chance zu einem Neubeginn. Damit die melodramatischen Höhepunkte trotzdem nicht zu kurz kommen, droht den besten Freunden der Poldarks, dem Ehepaar Enys, ein schmerzhafter Schicksalsschlag; außerdem wird die Tragödie um die unglückliche Liebe zwischen der jungen Morwenna und Demelzas Bruder Drake fortgesponnen. Der Banker George Warleggan nutzt seinerseits die Abwesenheit von Poldark, um einmal mehr hinter dessen Rücken nach Kräften Intrigen zu spinnen, was interessante Schlaglichter aufs frühkapitalistische Bankenwesen erlaubt.

Wie in den ersten Staffeln wird all das zu einem süffigen Gemisch aus facettenreichem Dickens'schem Gesellschaftspanorama und gefühlvollem Familienmelodram verwickelt – eingebettet in eine schwelgerische Bildsprache, die lustvoll mit den Schauwerten eines aufwändigen Kostümspektakels trumpft und sich noch lustvoller in die rauen Schönheiten der cornischen Landschaftspanoramen versenkt.

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