Thriller | USA 2018 | 93 Minuten

Regie: Mélanie Laurent

Ein vermeintlich an Lungenkrebs erkrankter Profikiller entkommt einem Hinterhalt und flieht mit einer 19-jährigen Prostituierten und deren dreijähriger Schwester in die Stadt Galveston in Texas, wo er geboren wurde. In einem Hotel am Meer kommt das ungewöhnliche Trio für eine Weile zur Ruhe, bevor schließlich alles in einem drastischen Gewaltausbruch kulminiert. Ein kraftvoller, beklemmend intensiv gespielter Thriller, der auch etwas von einem Road Movie und einer Romanze hat und im Kern um die Charaktere der beiden Hauptfiguren kreist. - ab 16.

Filmdaten

Originaltitel
GALVESTON
Produktionsland
USA
Produktionsjahr
2018
Regie
Mélanie Laurent
Buch
Nic Pizzolatto
Kamera
Arnaud Potier
Musik
Marc Chouarain
Schnitt
Guerric Catala · Joseph Krings
Darsteller
Ben Foster (Roy) · Elle Fanning (Rocky) · Beau Bridges (Stan) · Jeffrey Grover (Dr. Finelli) · María Valverde (Carmen)
Länge
93 Minuten
Kinostart
-
Fsk
ab 16
Pädagogisches Urteil
- ab 16.
Genre
Thriller

Heimkino

Zu den Extras der DVD/BD zählen der deutsche und englische Trailer sowie ein kurzes „Making of“, in dem Darsteller und Regisseurin von den Dreharbeiten erzählen.

Verleih DVD
Koch Media
Verleih Blu-ray
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Diskussion

Ein kraftvolles, beklemmend intensiv gespieltes Krimi-Drama über einen Profikiller auf der Flucht, der sich für eine Prostituierte und deren dreijährige Schwester verantwortlich fühlt.

Ben Cady (Ben Foster) ist Profikiller in New Orleans. Für seinen Boss Stan, einem gebürtigen Polen mit Möchtegern-Mafioso-Attitüde, erledigt er die Drecksarbeit, leidenschaftslos und effizient. Allerdings ist Cady krank, so krank, dass er die Erklärungen des Arztes gar nicht erst abwartet und fortan glaubt, bald sterben zu müssen. Sein neuer Auftrag klingt zunächst einfach; dafür würden nicht einmal Schusswaffen gebraucht, behauptet Stan.

Doch dann entpuppt sich die Angelegenheit als sorgfältig geplanter Hinterhalt, als Anschlag auf sein Leben, dem Cady nur knapp entgeht. Plötzlich befindet er sich auf der Flucht, mit der 19-jährige Prostituierte Rocky (Elle Fanning) im Schlepptau, die in einem der Hinterzimmer gefangen gehalten wurde. Auf dem Weg nach Galveston, Cadys Heimatstadt, überredet sie ihn zu einem Umweg. Sie will bei ihrem Vater vorbeischauen, Cady soll im Wagen warten. Doch dann fällt ein Schuss, und Rocky läuft mit ihrer kleinen Schwester Tiffany aus dem Haus. Was wirklich vorgefallen ist, sieht man nicht.

Traumata und Geheimnisse

Es passiert noch öfters, dass der Film die Action ausspart und nur ihre Folgen zeigt. Fortan geht es zu dritt weiter. Das zusammengewürfelte Trio, das auf Außenstehende wie eine Familie wirkt, macht für längere Zeit in einem Motel in der Nähe des Meeres Halt. Cady besteht auf getrennten Zimmern. Trotzdem kommen er und Rocky sich näher, weil sie sich gegenseitig offenbaren, über Traumata und Geheimnisse sprechen. Ein zwielichtiger Ganove will Cady allerdings für seine Zwecke einspannen. Und auch Stans Handlanger sind ihm längst auf den Fersen.

Mélanie Laurent kennt man bislang vor allem als Schauspielerin, etwa aus „Inglourious Basterds“, wo sie für den feurigen Showdown sorgte. Nun hat sie ihren ersten englischsprachigen Film inszeniert und dabei einiges anders gemacht, als die Genre-Zuordnung zunächst erwarten ließe. „Galveston“ ist ein Thriller, mit schmutzigen Geschäften, kaltblütigen Mördern und einem skrupellosen Gangsterboss, der trotz seiner Großspurigkeit stets auch Gefahr und Bedrohung ausstrahlt. Vielleicht ist der Film auch ein Road Movie mit perfekt komponierten Landschaftaufnahmen, doch die Bewegung kommt schon nach kurzer Zeit zum Stillstand. Eigentlich könnte es auch eine Romanze werden, doch für eine Liebesgeschichte ist kein Platz. Laurent geht es um etwas anderes: um die Charaktere der beiden Hauptfiguren und ihr Verhältnis zueinander.

Für einen Augenblick nochmal Kind sein

Ben Foster, einer der intensivsten Schauspieler seiner Generation, beeindruckt als wortloser Killer, der bislang immer funktioniert hat, angesichts von Todesangst und der Verantwortung für andere nun aber seine Anständigkeit entdeckt. Die 20-jährige Elle Fanning hingegen scheint seit der Titelrolle in „Mary Shelley“ erwachsen geworden zu sein und mimt eine verletzte Frau, die für ihr Alter schon zu viel erlebt und ertragen hat. Wenn sie sich zu Cady ins Bett legt, weil sie schlecht geträumt hat, ist sie, in einem fast schon lyrischen Moment, für einen Augenblick noch einmal Kind.

Auf diese Weise entsteht nach einem Roman von „True Detective“-Erfinder Nic Pizzolatto ein kraftvolles, beklemmendes Krimidrama, das dem Zuschauer mit einem bestialischen Ausbruch der Gewalt und einer wuchtigen Coda nichts erspart.

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