Spurlos – Ein Sturm wird kommen

Thriller | Australien 2015 | 112 Minuten

Regie: Kim Farrant

Während eines gewaltigen Sandsturms verschwinden die beiden heranwachsenden Kinder eines Ehepaars, das gerade erst in eine Kleinstadt im australischen Outback gezogen ist. Ein Suchtrupp kann nichts ausrichten, und auch der örtliche Polizist ist ratlos. Plötzlich machen Gerüchte über das Mädchen die Runde; die Stimmung wendet sich gegen die Familie. Das verhalten inszenierte Drama um die Entfremdung innerhalb einer Familie verliert zunehmend die Krimihandlung aus den Augen und rückt das Beziehungsgeflecht der Erwachsenen in den Vordergrund. Nachhaltig beeindruckt vor allem die Kamera, die die Landschaft als ebenso schön wie lebensfeindlich einfängt. - Ab 16.

Filmdaten

Originaltitel
STRANGERLAND
Produktionsland
Australien
Produktionsjahr
2015
Regie
Kim Farrant
Buch
Michael Kinirons · Fiona Seres
Kamera
P.J. Dillon
Musik
Keefus Ciancia
Schnitt
Veronika Jenet
Darsteller
Nicole Kidman (Catherine) · Joseph Fiennes (Matthew) · Hugo Weaving (Rae) · Lisa Flanagan (Coreen) · Meyne Wyatt (Burtie)
Länge
112 Minuten
Kinostart
-
Fsk
ab 16
Pädagogisches Urteil
- Ab 16.
Genre
Thriller

Heimkino

Das Bonusmaterial der DVD/BD besteht aus ein- bis zweiminütigen Featurettes über die Dreharbeiten, die Handlung, die Landschaft sowie die Schauspieler und Regisseurin plus kurzen Interviews mit den Beteiligten, die sich allerdings häufig mit den Statements in den Featurettes decken.

Verleih DVD
Koch Media
Verleih Blu-ray
Koch Media
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Diskussion

Während eines Standsturms im australischen Outback verschwinden die beiden heranwachsenden Kinder eines Ehepaars, das sich auseinandergelebt hat. Der Krimi wandelt sich jedoch zusehends zum mit Nicole Kidman, Joseph Fiennes und Hugo Weaving gut besetzten Beziehungsdrama.

Gerade erst sind Catherine und Matthew Parker (Nicole Kidman und Joseph Fiennes) mit ihren heranwachsenden Kindern Tommy und Lily von Coonaburra ins australische Hinterland gezogen, in eine Wüstenstadt namens Nathgari. Die Gründe für den plötzlichen Umzug bleiben lange unklar. Doch Spannungen zwischen Vater und Tochter, die sich ihrer Wirkung auf Jungs und Männer nur allzu bewusst ist, deuten darauf hin, dass etwas Beschämendes passiert sein muss.

Als ein Sandsturm droht, der die Siedlung mit rotem Staub und undurchdringlicher Dunkelheit überziehen, verschwinden die beiden Kinder spurlos. Die Bewohner des Ortes bilden bereitwillig ein Suchteam, das von dem Polizisten David Rae (Hugo Weaving) angeführt wird. Während die Temperaturen steigen, verringern sich die Chancen, die Kinder lebend wiederzufinden: Ohne Wasser kann man in der Wüste nicht lange überleben. Gerüchte über das Mädchen machen die Runde, und plötzlich wendet sich die Stimmung gegen die Parkers. Der Polizist fühlt sich hingegen auf eigentümliche Weise zu der unglücklichen Mutter hingezogen.

Verdacht und Vorwürfe, Ängste und Zurückweisungen

Kim Farrant zeigt in ihrem Regiedebüt zunächst ein genaues Gespür für Stimmung und Atmosphäre. Mit wenigen Szenen zeichnet sie das Bild einer dysfunktionalen Familie, die durch Verdacht und Zurückweisung, Ängste und Vorwürfe immer weiter auseinander zu driften droht. Dabei überzeugt vor allem Nicole Kidman als frustrierte Mutter, die auf ihre Kinder keinen Einfluss mehr hat und sich auch von ihrem Ehemann entfremdet hat. Joseph Fiennes hingegen unterdrückt etwas zu eindimensional mit starrem Gesicht und wenigen Gesten seine Wut, um dann wie ein unter Hochdruck stehender Kessel zu explodieren. In einer emblematischen Szene versucht Catherine ihren Mann zu verführen – vergeblich. Zu unterschiedlich sind ihre Bedürfnisse. Wenn sie ihm dann auch noch vorwirft, die verschwundene Tochter früher missbraucht zu haben, ist die Kluft unüberbrückbar.

Diese dramatischen Zuspitzungen wirken auch deshalb ein wenig aufgesetzt, da es der Inszenierung mitunter an Glaubwürdigkeit und Schlüssigkeit mangelt. Hugo Weaving aber erdet die nervöse Energie zwischen den Eheleuten mit einer vielschichtigen Darstellung. Es zählt zu den anrührendsten Momenten des Films, wenn er Catherine vom Scheitern seiner eigenen Ehe erzählt. Allerdings gerät die Suche nach den Kindern darüber aus dem Fokus, da aus dem Krimi ein Drama geworden ist.

Die Landschaft als Hauptdarsteller

Ein anderer Hauptdarsteller ist die Landschaft, ebenso schön wie lebensfeindlich, atemberaubend und unwirtlich. Die Kamera von P.J. Dillon fängt sie mit weiten Helikopter-Panoramen breitwandfüllend ein. Hier sind die Menschen klein und unbedeutend, hier kann man wirklich verloren gehen, sich und anderen fremd werden. „Strangerland“ heißt der Film im Original. Beängstigend auch der Sandsturm, der den Staub durch jede Türritze treibt und die ganze Stadt mit einer rostroten, feinen Schicht überzieht, so als hätte er Besitz von dem kleinen Ort ergriffen.

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