Komödie | Deutschland 2019 | 78 Minuten

Regie: Malte Wirtz

Die Fortsetzung der Indie-Romanze „Voll Paula!“ über das (Liebes-)Leben einer Clique (möchtegern-)kreativer Städter um die Dreißig, wobei diesmal eine Nebenfigur aus dem ersten Film ins Zentrum rückt. Eine leichthändig inszenierte, augenzwinkernde Beziehungsdramödie mit spärlicher Handlung, die trotz einiger prätentiöser Hommage-Sequenzen mit improvisierten Dialogen und glaubwürdigen Charakteren zu gefallen weiß. Nicht bigger than life, dafür aber näher am Leben als man das sonst von deutschen Großstadtkomödien gewohnt ist. - Ab 14.

Filmdaten

Originaltitel
Produktionsland
Deutschland
Produktionsjahr
2019
Regie
Malte Wirtz
Buch
Malte Wirtz
Kamera
André Groth · Francisco de la Torre · Christian von Spee
Schnitt
Assaf Reiter
Darsteller
Anna Maria Böhm (Rita) · Sebastian Kolb (Max) · Ulrich Faßnacht (Randy) · Stephan Krespach (Tommy) · Philip Schlomm (Emil)
Länge
78 Minuten
Kinostart
04.04.2019
Pädagogisches Urteil
- Ab 14.
Genre
Komödie
Diskussion

Die Fortsetzung der Indie-Romanze „Voll Paula!“ über das (Liebes-)Leben einer Clique (möchtegern-)kreativer Städter um die Dreißig. Eine leichthändige Beziehungsdramödie mit spärlicher Handlung.

Vier Jahre nach der Indie-Komödie „Voll Paula!“ taucht Regisseur Malte Wirtz in „Voll Rita!“ noch einmal ins chaotische Liebes- und Künstlerleben seiner urbanen Anti-Helden ein. Aus den Endzwanzigern von damals sind inzwischen Thirtysomethings geworden, die ihren Platz in der Welt aber weiterhin noch nicht gefunden haben.

Kneipenwirtin Rita, die in „Voll Paula!“ nur eine kleine Nebenrolle spielte, rückt jetzt ins Zentrum und fasst am Beginn kurz zusammen, was in der Zwischenzeit geschehen ist: Paula und Max, das Liebespaar aus „Voll Paula!“, haben sich getrennt! Paula ist schwanger. Aber niemand weiß, von wem. Womöglich von Donnie, einem guten Freund von Max. Randy wohnt in Berlin und hofft noch immer auf den Durchbruch als Musiker, obwohl er nach wie vor nicht Gitarre spielen kann. „Randy eben“ und „Donnie eben“, kommentiert das Rita flapsig, während sie, verfolgt von einer lustvoll verwackelten Handkamera, durch den Kölner Großstadtverkehr stolpert.

Viel passiert, nichts geschehen

„Voll Rita!“ beginnt mit einer auf szenig-cool gebürsteten Nouvelle-Vague-Attitüde, der schon der Vorgängerfilm in den schlechteren Momenten hinterherhechelte. Es wird dann aber deutlich besser. Am Ende des Films, wenn Rita und Max miteinander geknutscht haben, Max und Donnie handgreiflich aneinandergeraten sind und Randy ein weiteres Casting in den Sand gesetzt hat, richtet sich Rita nochmal direkt ans Publikum. „War das eigentlich möglich“, fragt sie, „dass diese ganzen Ereignisse im Endeffekt zu nichts führten? Dabei ist doch so viel passiert. Nur verändert hat sich wenig.“

In diesem Punkt ähneln beide Filme dem Kino von Éric Rohmer: in den Beziehungen geht es drunter und drüber und letztlich kommt nicht viel dabei heraus, doch geredet wird ohne Unterlass. Mit dem Unterschied allerdings, dass es bei Wirtz gar nicht einmal so sehr drunter und drüber geht.

Mit dokumentarischem Gestus schneidet der Filmemacher scheinbar einfach nur den Alltag der durch Köln, Berlin und das Leben streunenden Protagonisten mit. In „Voll Paula!“ sollte das seinen Reiz dadurch erhalten, dass die Protagonisten schräg und eigenwillig waren. Vor allem mit der süß verplanten Paula kreierte Wirtz eine Kunstfigur aus dem Handbuch für Holly-Golightly-Epigoninnen, die sich jedoch nicht mit dem Konzept einer ungekünstelten Inszenierung biss.

Ambition versus Authentizität

Auch in „Voll Rita!“ kommen die cineastischen Ambitionen des Regisseurs bisweilen dem Anspruch des Authentischen in die Quere. So wirkt eine Montagesequenz, in der Randy alle möglichen Outfits für ein Vorstellungsgespräch anprobiert, eher peinlich als lustig. Und auch die als Stummfilm-Reminiszenz slapstickartig inszenierte Schlägerei zwischen Max und Donnie bleibt ein Fremdkörper. Dass Paula diesmal lediglich im Off vorkommt, tut dem Film doppelt gut. Dadurch entsteht eine dramaturgische Leerstelle, die das Geschehen umkreisen kann, ohne ins Genreklischee abzudriften. Vor allem aber können so die improvisierten Dialoge ihre Wirkung entfalten. Über weite Strecken darf man sich als Zuschauer wirklich wie die berühmte Fliege an der Wand fühlen. Das wahre Leben im augenzwinkernden Kinoformat: lakonisch, unspektakulär, alles andere als glorreich, dafür echt und amüsant und überhaupt nicht langweilig.

Die Berliner Band Swingbop’ers verleihen dem Film einen lässigen, wenngleich auf Dauer etwas aufdringlichen Jazzsound. Nur das mit den Drogen sollte Wirtz vielleicht noch einmal überdenken. In „Voll Paula!“ haben seine Figuren gekifft und gesoffen, was das Zeug hielt, ohne dass sie das sonderlich beeinträchtigt hätte. Das ist dann in etwa so (un)realistisch wie die reibungslosen Filmtelefongespräche, über die sich Max lustig macht. In „Voll Rita!“ fällt das Kiffen zwar weg, aber den Wodka leeren die Figuren noch immer wie das Wasser, das die Schauspieler in Wirklichkeit ja trinken.

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