Drama | USA 2019 | 106 Minuten

Regie: Jenny Gage

Eine eifrige Studentin verliebt sich auf dem College in einen Kommilitonen, dem ein Ruf als Querulant und Außenseiter vorauseilt. Da die junge Frau hinter seinem mürrischen Wesen tiefe Verletztheit ausmacht, werden die beiden ein Paar, das trotz wiederholter Rückschläge nicht voneinander lassen kann. Bedeutungsschweres Liebesdrama nach dem ersten Band einer Reihe von „Young Adult“-Romanen, das vor allem auf Nahaufnahmen setzt, um die behaupteten Emotionen widerzuspiegeln. Darin erschöpft sich der Film allerdings ebenso bald wie in der banalen Küchenpsychologie. - Ab 14.

Filmdaten

Originaltitel
AFTER
Produktionsland
USA
Produktionsjahr
2019
Regie
Jenny Gage
Buch
Susan McMartin
Kamera
Tom Betterton
Musik
Justin Caine Burnett
Schnitt
Michelle Harrison
Darsteller
Selma Blair (Carol Young) · Hero Fiennes Tiffin (Hardin Scott) · Peter Gallagher (Ken Scott) · Jennifer Beals (Karen Gibson) · Dylan Arnold (Noah)
Länge
106 Minuten
Kinostart
11.04.2019
Fsk
ab 0; f
Pädagogisches Urteil
- Ab 14.
Genre
Drama | Liebesfilm | Literaturverfilmung
Diskussion

Bedeutungsschweres Liebesdrama nach dem ersten Band einer Reihe von „Young Adult“-Romanen, in dem sich eine anständige Studentin in einen schwermütigen „Bad Boy“ verliebt.

Dieses Klischee vom anständigen Mädchen, das sich gegen die Faszination, die von bösen Jungen ausgeht, nicht wehren kann, wird in „After Passion“ schon ziemlich zeitgemäß getroffen. Der böse Junge Hardin hat diesen Status inne, weil er ein Ramones-T-Shirt trägt und mürrische Antworten gibt. Das reicht. Würden solche Jungs nur einen Hauch böser sein – arm, kriminelle Energie, Jogginghose – wäre es vorbei mit der Faszination, denn das würde die entsprechenden Mädchen überfordern. Im aktuellen Hollywood-Teenager-Blockbuster-Kino aber kann ein Junge seinen Bad-Boy-Status zementieren, indem er desillusioniert über Jane Austen referiert.

Das College-Girl, das davon ergriffen wird, heißt in diesem Film Tessa und verkörpert die Unschuld. Das kommt in der Wahl ihrer Garderobe zum Ausdruck, in Abstinenz, Lerneifer und einer unerschütterlichen Romantik. Tessa glaubt an die Liebe. Erstaunlicherweise wird dieser Glaube anfangs durch das bedroht, was Kommilitone Hardin in ihr auslöst: durch die Leidenschaft. Es gibt Momente in „After Passion“, da sieht man Fingerspitzen, nackte Haut, hört schnelles Atmen – das schüchtert Tessa so lange ein, bis sie mit Hardin zusammenwohnt. Er hat ihr gegenüber seine Zuneigung formuliert, dann hat er ein Nest gebaut, dann dauert es immer noch, aber schließlich ist Tessa bereit, Liebe und Leidenschaft zusammenzubringen. Trotzdem ist so wenig Sex im Bild, dass man sich zwischendurch fragt, ob sie ihre Jungfräulichkeit verloren hat, während man kurz unaufmerksam war. Was also die Vergleiche von „After Passion“ mit Fifty Shades of Grey evoziert, bleibt ungeklärt.

Lange Blicke, ernste Münder, lange Blicke

Eine Parallele liegt immerhin darin, dass zwei Menschen nicht voneinander lassen können, obwohl sie lieber voneinander lassen würden. Dieses Hin und Her wird in „After Passion“ zum Glück nicht übertrieben ausgereizt, Tessa ist bald willens, Hardins Anziehungskraft nachzugeben. Verbleibende Skepsis schlägt sich in beider Mimik nieder, lange Blicke, ernste Münder, lange Blicke. Cinematografisch wird das exakt genauso umgesetzt: „After Passion“ ist ein Film voller Nahaufnahmen, in denen nichts anderes erforscht wird als die brütenden Gesichter der Hauptfiguren. Man ist sehr dankbar, wenn ein-, zweimal weggeschnitten wird, auf einen Baum vielleicht, oder einen Fisch.

In Hardins Gesicht sieht man häufig die Schnittmenge von „grimmig“ und „leidend“. Denn darauf läuft es hinaus, was der Film uns erklärt und was Tessa augenblicklich erkennt: Die Gefühle des Jungen wurden verletzt. Geschiedene Eltern, der Vater einst verantwortungslos, wenn auch mittlerweile wieder fest im bürgerlichen Leben, das ist Hardins Grund für den Weltschmerz, getarnt als Grimm. Interessant ist, dass auch Tessa eine schwere Kindheit anbietet. Ihr Vater hat die Mutter verlassen, Tessa wohnte von da an mit ihr allein. Beide Jugendlichen verweisen gern darauf, dass solche Fehler ihrer Eltern der Grund für ihre eigenen Fehler seien. Die Idee einer Eigenverantwortung kommt ihnen nicht.

Verliebtsein ohne Leichtigkeit

Der Film endet mit einem Brief, in dem der Begriff „sich nach etwas/jemandem verzehren“ vorkommt. Das transportiert treffend die Schwere dieser Geschichte, die mit der Leichtigkeit, die dem Verliebtsein landläufig zugeschrieben wird, kaum eine Begegnung hat. Warum das für die Teenager dieser Welt so eine Verlockung bedeutet – wer weiß schon, was adoleszente Gemüter berührt. Fest steht, dass „After Passion“ erst durch sie erfolgreich wurde: Die Geschichte erschien 2013 unter dem  Titel „After“ als Fan-Fiction auf der Plattform „Wattpad“, geschrieben von Anna Todd, einer damals 24-jährigen Texanerin. Sie ließ sich von ihrer Verehrung für die britische Boy-Band „One Direction“ inspirieren – aber dass sie am Ende täglich ein neues Kapitel in ihr Mobiltelefon tippen musste, hing mit der ungeheuren Anzahl von Lesern zusammen, die sich bald danach verzehrten.

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