Willkommen im Wunder Park

Abenteuer | USA 2019 | 86 Minuten

Regie: Dylan Brown

Rasantes Animationsabenteuer, das zum überwiegenden Teil in einem Vergnügungspark spielt. Im Zentrum der Handlung steht ein achtjähriges Mädchen, das mit der Abwesenheit seiner schwer erkrankten Mutter zu kämpfen hat und in einer von ihm erdachten Fantasiewelt Schmerzlinderung und Selbstfindung sucht – was ihr mit Hilfe einer Horde sprechender Tiere auch gelingt. Die technische Umsetzung des an einschlägigen Vorbildern orientierten Animationsfilms ist perfekt bis hin zur Sterilität, die CGI-Action sorgt für hohes Tempo. Die eigentliche Geschichte aber kommt kaum in Gang und vermag auch den komplexen Charakter der Hauptfigur nur bruchstückhaft darzustellen. - Ab 8.

Filmdaten

Originaltitel
WONDER PARK
Produktionsland
USA
Produktionsjahr
2019
Regie
Dylan Brown
Buch
Josh Appelbaum · André Nemec
Kamera
Juan García Gonzalez
Musik
Steven Price
Schnitt
Edie Ichioka
Länge
86 Minuten
Kinostart
11.04.2019
Fsk
ab 0; f
Pädagogisches Urteil
- Ab 8.
Genre
Abenteuer | Animation | Familienfilm | Fantasy | Kinderfilm | Komödie
Diskussion

Ein Animationsfilmabenteuer mit rasanter CGI-Action auf hohem Niveau, aber ohne stringente, mitreißende Story.

In unserer digitalen Welt haftet Vergnügungsparks mittlerweile etwas seltsam Antiquiertes an, tendiert die nachkommende Generation doch mehr und mehr dazu, derlei Dinge auf virtuelle Art und Weise lieber per Computer, Tablet oder Smart Phone zu konsumieren, anstatt Spaß, Spiel und Spannung direkt am eigenen Leibe zu erfahren. Dennoch erfreuen sich analoge, also handgemachte Freizeitparks immer noch großer Popularität, in den USA dank der Branchenriesen Disney und Universal sowieso, aber auch in Deutschland, wo das Phantasialand in Brühl, der Europa-Park in Rust oder das Legoland in Günzburg zu den Klassikern gehören. Jetzt haben das Hollywood-Studio Paramount und der auf Stoffe für Kinder spezialisierte TV-Sender Nickelodeon ein knallbuntes Animationsabenteuer realisieren lassen, in dem ein derartig magischer Ort im Zentrum der Handlung steht.

Umrahmt wird „Willkommen im Wunder Park“ von der Geschichte der kleinen June (mit riesigen Kulleraugen und süßer Stupsnase). Die Achtjährige liebt es, Achterbahnen und Ähnliches zu konzipieren, die Prototypen selbst auszuprobieren und damit für jede Menge Chaos zu sorgen. Junes sorgenfreies Leben bekommt jedoch einen Knacks, als ihre Mutter wegen einer schweren Krankheit die Familie verlassen und stationär behandelt werden muss. Darauf flüchtet sich die psychisch angeschlagene Tochter in den von ihr erträumten „Wunder-Park“, der gerade von einer dunklen Macht bedroht wird. Gemeinsam mit ein paar dort lebenden sprechenden Tieren gelingt es June, ihren Sehnsuchtsort vor dem Untergang zu bewahren.

Wer hat Regie geführt?

„Willkommen im Wunder Park“ ist ein Film der Ungereimtheiten. Diese beginnen bereits bei der Frage, wer letztlich bei diesem Werk Regie geführt hat: Die einen Quellen nennen Dylan Brown (Supervising Animator bei Ratatouille) als Animationsregisseur, die anderen sprechen von David Feiss (Jagdfieber 4: Ungebetene Gäste). Wahrscheinlich ist aber, dass das Autoren-/Produzenten-Team André Nemec und Josh Appelbaum (Buch zu Mission: Impossible – Phantom Protokoll) seine Finger maßgeblich im Spiel hatte, und dass Brown und Feiss als CGI-Fachleute mit an Bord geholt wurden. An der technischen Umsetzung gibt es auch kaum etwas auszusetzen: Ob Figuren, Hintergründe oder die zahlreichen Actionsequenzen, all das entspricht aktuellen Standards und verblüfft durch eine fast schon steril anmutende Perfektion.

Von der Story lässt sich das leider nicht behaupten. Sobald June in ihrem Park angekommen ist, geht es den Machern nur noch darum, eine rasante Verfolgungsjagd nach der anderen aneinanderzureihen. Dabei bleiben eigene, revolutionäre Ideen Mangelware; man bedient sich eher bei berühmten Vorbildern wie „Ice Age“, „Alles steht Kopf“ oder „Ich – Einfach unverbesserlich“. Ruht die Action einmal, wird versucht, Junes Verlustängste sowie ihre Selbstfindungsreise mittels kurzer Dialogpassagen zu erklären. Doch auch das bleibt Stückwerk. Punkten kann „Willkommen im Wunder Park“ ab und an durch seinen Humor, für den insbesondere die animalischen Freunde der kleinen Heldin verantwortlich zeichnen, etwa der an „Dschungelbuchs“ Balu erinnernde Brummbär Boomer, das stets korrekte Stachelschwein Steve oder die beiden Biber Gus und Cooper, die in der deutschen Synchronfassung von dem Popduo Lo & Leduc mit einem charmanten Schweizer Dialekt ausgestattet wurden.

Lena Meyer-Landrut müht sich redlich

Lo & Leducs Musiker-Kollegin Lena Meyer-Landrut müht sich dagegen redlich, den komplexen Charakter von June stimmlich darzustellen, ohne dabei das Kindliche zu vernachlässigen. Doch gerade Letzteres gelingt ihr viel zu selten. Reduziert man „Willkommen im Wunder Park“ auf seine virtuose Tricktechnik (samt einer Armee mieser Mini-Monsteräffchen) und die fantasievollen Fahrgeschäfte wie die rasante Himmelsschleuder, die durchaus ihresgleichen suchen, dürfte der Unterhaltungswert für das ganz junge Publikum durchaus gegeben sein. Wer aber eine stringente Geschichte sucht, die mitreißt und durch Glaubwürdigkeit überzeugt, wird enttäuscht.

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