Dark Eden - Der Albtraum vom Erdöl

Dokumentarfilm | Deutschland/Kanada 2017 | 83 Minuten

Regie: Michael David Beamish

Die Stadt Fort McMurray im Norden Kanadas lebt vom Abbau der riesigen Ölsand-Vorkommen. Hohe Löhne ziehen Menschen aus der ganzen Welt an, die die (Umwelt-)Risiken des Frackings weitgehend ausblenden. Der Dokumentarfilm porträtiert knapp ein Dutzend von ihnen. Im Verlauf der Langzeitbeobachtung kommt es zu Massenentlassungen. Schließlich fällt fast der gesamte Ort einem Waldbrand zum Opfer. Der sehr persönlich gehaltene Film setzt vor allem auf eine imposante Bildsprache und überzeugt überdies durch ein grandioses Sounddesign. - Sehenswert ab 14.

Filmdaten

Originaltitel
Produktionsland
Deutschland/Kanada
Produktionsjahr
2017
Regie
Michael David Beamish · Jasmin Herold
Buch
Michael David Beamish · Jasmin Herold
Kamera
Andreas Köhler
Musik
Markus Aust
Schnitt
Martin Kayser-Landwehr
Länge
83 Minuten
Kinostart
11.04.2019
Fsk
ab 6; f
Pädagogisches Urteil
- Sehenswert ab 14.
Genre
Dokumentarfilm
Diskussion

Dokumentarfilm über Menschen, die im Norden Kanadas vom Abbau riesiger Ölsand-Vorkommen leben. Der sehr persönliche Film setzt auf imposante Bilder und ein grandioses Sounddesign.

In den 1960er-Jahren war Fort McMurray ein verschlafenes, von riesigen Wäldern umgebenes Nest im Norden Kanadas mit knapp 2000 Einwohnern. 50 Jahre später leben dort über 80 000 Menschen; die Immobilienpreise konkurrieren mit denen in Toronto oder Vancouver. Der Grund: riesige Ölsand-Vorkommen, die durch das umstrittene Fracking-Verfahren zum lohnenden Geschäft wurden. Dabei werden unzählige Giftstoffe freigesetzt, die vor allem das Grundwasser bedrohen.

„Alles Quatsch“, sagt Robbie. Das seien gezielte Falschinformationen. Es ist sein Job, das zu sagen. Schließlich ist er Leiter der PR-Kampagne „I Love Oil Sands“. Der scheinbar stets bestens gelaunte Mann verteilt auf seinen Veranstaltungen T-Shirts mit diesem Werbeaufdruck; selbst die Regierungschefin der Provinz Alberta hat sich für Pressefotos eines davon übergestreift. Als Jane Fonda einfliegt, um die Umweltsünden der Öl-Industrie anzuprangern, macht Robbie sich über Hollywood-Millionäre lustig, die sich als Gutmenschen geben, während die Arbeiter sich um die Raten für ihre Eigenheime sorgen. Robbie macht seinen Job gut.

Träume von einer goldenen Zukunft

Der joviale Werbemann ist einer von einem Dutzend Protagonisten. Fast alle sind wegen des Öls beziehungsweise des Geldes nach Fort McMurray gekommen. So auch der Deutsche Markus, der das Fünffache von dem verdient, was in seiner Heimat möglich sei; mit seiner russischen Lebensgefährtin Olga will er irgendwann ein Haus in der kanadischen Wildnis bauen. Der US-Amerikaner Kerry, der seine Frau auf der Farm in den USA zurückgelassen hat, träumt von der Großwildjagd in Afrika, während Barnabas aus dem Süd-Sudan geflohen ist und mit seinem Verdienst als Reinigungskraft Frau und Kinder unterstützt, die inzwischen in Uganda leben.

Sie alle arbeiten für die Öl-Industrie und blenden die Risiken des Frackings weitgehend aus. „Nicht sehen, was man weiß“, identifiziert die Regisseurin Jasmin Herold als Lebensmotto der Stadt und räumt ein, eine Weile selbst danach gehandelt zu haben: Mehrere Jahre hat sie selbst in Fort McMurray gelebt, nachdem sie sich in Michael Beamish verliebt hatte, der dort am Theater arbeitete und an „Dark Eden“ als Co-Regisseur mitwirkt. Auf diese Weise besitzt der Film auch eine sehr persönliche Komponente, die immer wieder miteinfließt, ohne sich in den Vordergrund zu drängen.

Im Verlauf der Langzeitstudie kommt es durch einen drastischen Fall des Öl-Preises zu Massenentlassungen, von der auch einige der Protagonisten betroffen sind. Parallel steigt die Zahl der Krebserkrankungen und Fehlbildungen bei Neugeborenen, und im Mai 2016 wird der Ort von riesigen Waldbränden zu einem großen Teil zerstört.

Grandiose Bildsprache, tolles Sounddesign

Was „Dark Eden“ von den meisten anderen Öko-Dokumentationen unterscheidet, ist der Verzicht, mit Kommentaren oder Experten-Statements auf das ohnehin Offensichtliche zu verweisen. Der Film besticht überdies durch eine grandiose Bildsprache, die nicht nur in den Flugsequenzen über die riesigen, apokalyptisch anmutenden, mit schwarzen Tümpeln übersäten Abbaugebiete zum Tragen kommt und sich auch der makabren Ästhetik der Industrieanlagen nicht verschließt. Jede Einstellung dieses Films, der überdies auf eine stimmige Originalmusik und ein großartiges Sounddesign setzt, verdient die große Kinoleinwand.

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