Wenn du König wärst

Abenteuer | USA 2019 | 121 Minuten

Regie: Joe Cornish

Moderne Version der Sage von King Arthur und seiner Tafelrunde, die in der Gegenwart spielt und um einen zwölfjährigen Jungen kreist, der in der Schule gemobbt wird. Bis er auf einer Baustelle ein Schwert aus einem Stein zieht, auf das es aber auch eine böse Magierin abgesehen hat. Doch auch der Junge erhält Hilfe von einem Zauberer, der ihn in der Kunst des Schwertkampfs unterrichtet. Der anfangs vielversprechende Kinderfilm über Zusammenhalt und Kooperation mündet aber bald in einen effektverliebten Krawall, bei dem sich die jungen Ritter in actionreiches Schlachtengetümmel stürzen. - Ab 12.

Filmdaten

Originaltitel
THE KID WHO WOULD BE KING
Produktionsland
USA
Produktionsjahr
2019
Regie
Joe Cornish
Buch
Joe Cornish
Kamera
Bill Pope
Musik
Electric Wave Bureau
Schnitt
Jonathan Amos · Paul Ashbourne Machliss
Darsteller
Louis Serkis (Alex) · Denise Gough (Mary) · Dean Chaumoo (Bedders) · Tom Taylor (Lance) · Rhianna Dorris (Kaye)
Länge
121 Minuten
Kinostart
18.04.2019
Fsk
ab 6; f
Pädagogisches Urteil
- Ab 12.
Genre
Abenteuer | Familienfilm | Fantasy
Diskussion

Moderne Version der Sage von King Arthur und seiner Tafelrunde, die in der Gegenwart in England spielt und um einen zwölfjährigen Jungen kreist, der in der Schule gemobbt wird.

Über anderthalbtausend Jahre ist die Sage von Artus, dem legendären König der keltischen Briten, alt, jenes Helden, der viele Ritter um sich scharte und so die berühmte Tafelrunde begründete. Unzählige Romane und Versepen haben sich seither mit dem mythischen Stoff beschäftigt, und auch im Kino datieren die ersten Adaptionen schon in die Stummfilmzeit. Ihre Blüte erreichten sie aber erst mit den Ritterfilmen aus Hollywood während der 1950er-Jahre, etwa mit „Die Ritter der Tafelrunde“ (1953) von Richard Thorpe.

Robert Bressons Lancelot, Ritter der Königin (1973) oder John Boormans Excalibur (1981) hielten die filmische Beschäftigung mit Artus weiter wach. Stets ging es um Abenteuer und Minne, um Ehre und Turniere, Heldentum und Ritterkodex. Auf dem Papier erscheint deshalb die Idee ziemlich originell, die Sage ins England der Gegenwart, vielleicht sogar in die Post-Brexit-Zeit zu verpflanzen und das mythische Schwert Excalibur in die Hände eines Jungen zu geben.

Aus dem Stein ragt ein Schwert

Doch damit ist auch schon ein Problem des Films benannt. Zu viel teilt sich hier über den Dialog mit; die Exposition in Gestalt eines Cartoons braucht für die Einführung des Helden, für Erklärungen und Ansprachen viel zu viel Zeit. Die kinetischen Bilder, für die der britische Regisseur Joe Cornish seit Attack the Block bekannt ist, treten darüber zunächst in den Hintergrund.

Alex ist zwölf Jahre alt und ein wenig pummelig. In der Schule setzt er sich stets für seinen hilflosen Freund Bedders ein. Allerdings muss er sich dafür von den größeren Rowdys Lance und Kaye ständig verprügeln lassen. Ein Ehrenkodex verbietet es ihm, seiner Mutter oder der Schuldirektorin davon zu berichten. Als der Bub wieder einmal vor Lance und Kaye auf der Flucht ist, gerät er auf eine verlassene Baustelle und sieht ein Schwert, das aus einem großen Steinblock ragt – Excalibur.

Die Legende ist bekannt: Nur ein Auserwählter kann das Schwert aus dem Stein ziehen. Und dieser Auserwählte ist Alex. Allerdings hat es auch die böse Magierin Morgana Le Fay auf das Schwert abgesehen. Doch hier kommt der legendäre Zauberer Merlin ins Spiel, der Alex und seine Freunde in der hohen Kunst des Schwertkampfs unterrichtet – das Wohl Großbritanniens steht auf dem Spiel.

Ein beherzter, redegewandter Junge

„Wenn du König wärst“ beginnt zunächst vielversprechend als Drama eines Jungen kurz vor der Pubertät, und man ahnt, was Cornish an der Figur des Alex gefallen hat: ein patenter, beherzter Knabe, der seine sportlichen Defizite durch Redegewandtheit wettmacht, sich für Freunde einsetzt, Erwachsenen Paroli bietet und sich keinen Illusionen über den englischen Schulalltag mit all seinen Demütigungen und Lieblosigkeiten hingibt. Was wird so einer mit dem Schwert anfangen?

Louis Ashbourne Serkis verkörpert die Figur mit Verve und Enthusiasmus. Allerdings hat er nicht viel mehr zu tun, als glühende Höllenreiter zu töten – und zwar massenhaft und immer wieder. Auf diese Weise mündet der Film in repetitiven, effektverliebten Krawall, bei dem sich Alex und zahllose jugendliche Ritter ins sinnlose, actionreiche Schlachtgetümmel stürzen. Einige schöne Ideen wie eine lange Trainingssequenz werden so mit Wucht überrollt. Und der glühende Baum, der sich in ein Monster verwandelt, erinnert überdeutlich an jenen aus Sieben Minuten nach Mitternacht. Für Kinder ist das zu actionlastig, für Erwachsene zu oberflächlich: „Wenn du König wärst“ sitzt zwischen allen Stühlen.

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