Tea with the Dames - Ein unvergesslicher Nachmittag

Dokumentarfilm | Großbritannien 2018 | 84 Minuten

Regie: Roger Michell

Die vier britischen Schauspielerinnen Maggie Smith, Judi Dench, Eileen Atkins und Joan Plowright treffen sich zum Teeplausch und unterhalten sich mit viel Selbstironie und Witz über ihre langen Karrieren, einstige oder verstorbene Ehemänner und die Wehwehchen des Alters. Trotz der wunderbar scharfzüngigen Protagonistinnen resultiert daraus kein überzeugender Film, weil es an einem zündenden inszenatorischen Zugriff mangelt und das Material nicht genügend in Form gebracht wird. So plätschert der Film recht konzeptlos dahin und kratzt nur an der anekdotischen Oberfläche. - Ab 14.

Filmdaten

Originaltitel
NOTHING LIKE A DAME
Produktionsland
Großbritannien
Produktionsjahr
2018
Regie
Roger Michell
Buch
Roger Michell
Kamera
Eben Bolter
Schnitt
Joanna Crickmay
Länge
84 Minuten
Kinostart
25.04.2019
Fsk
ab 0; f
Pädagogisches Urteil
- Ab 14.
Genre
Dokumentarfilm
Diskussion

Die vier britischen Schauspielerinnen Judi Dench, Maggie Smith, Joan Plowright und Eileen Atkins treffen sich zum nachmittäglichen Teeplausch und unterhalten sich über ihre langen Karrieren, über Ehemänner und die Wehwehchen des Alters.

Was für eine herrliche Idee: einmal Mäuschen spielen beim nachmittäglichen Teeplausch der vier britischen Schauspielgrößen Judi Dench, Maggie Smith, Joan Plowright und Eileen Atkins. Den betagten Damen dabei zuzusehen und vor allem zuzuhören, wie sie mit viel Selbstironie und Witz von ihrem langen Schauspielleben, einstigen oder verstorbenen Ehemännern und den Wehwehchen des Alters erzählen.

Allerdings zeigt sich schnell, dass eine gute Idee plus eine Handvoll wunderbarer Protagonistinnen noch keinen überzeugenden Film ergeben. Zwar sieht man den vom britischen Königshaus allesamt geadelten „Dames“ gerne zu, weil sie wunderbar offene, schlagfertige und scharfzüngige Gastgeberinnen sind. Doch als Film ist „Tea with the Dames“ nur mäßig gelungen. Der Grund: Regisseur Roger Michell findet keinen präzisen inszenatorischen Zugriff.

Die Dreharbeiten sind mit im Bild

Richtig war die Entscheidung, die Dreharbeiten mit ins Bild zu nehmen und die „künstliche Situation“ dieses von Kameras flankierten Teeplausches nicht zu verleugnen. Das sorgt immer wieder auch für genervt-ironisches Geplänkel zwischen den Protagonistinnen und dem Filmteam. Ansonsten aber scheint Michells größter Regieeinfall darin zu bestehen, die Tee-Party bei einsetzendem Regen vom Garten nach drinnen zu verlagern. Hin und wieder gibt er ein Stichwort oder eine Frage vor; insgesamt aber lässt er das Geschehen einfach „laufen“.

Was für die Dreharbeiten vielleicht genau das Richtige war; doch im Schnitt hätte das Material gebündelt und in Form gebracht werden müssen. Denn um den Eindruck des „Leichtfüßigen“ und „Hingetupften“ zu erwecken, braucht es Konzept und Struktur. Beides wurde hier jedoch vernachlässigt, weshalb „Tea with the Dames“ allzu konturlos vor sich hinplätschert – und auf diese Weise eher nur an der Oberfläche kratzt.

Klare Fragestellungen würden helfen

Natürlich kann ein Film mit vier gleichberechtigten Hauptfiguren schon aus Platzgründen nur bedingt in die Tiefe gehen; nicht jedes dieser Leben und nicht jede dieser Karrieren im Detail beleuchten. Helfen würden aber klare Fragestellungen. Ohne die fallen die mitunter herrlichen Anekdoten oder die eingestreuten, für sich genommen ganz wunderbaren Archivaufnahmen von Theater- und Filmauftritten im Gesamtkontext allzu beliebig aus.

Dennoch kann man sich an den mal fröhlichen, mal selbstironischen, mal auch ernsten Unterhaltungen der höchst sympathischen und selbstreflektierten Ladies ergötzen. Etwa wenn Maggie Smith erzählt, dass ihr immer noch jeder Tag am Filmset Angst bereite. Oder wenn Judi Dench sich erinnert, wie sie sich einst mit dem Satz „Wollen Sie wirklich, dass ich klimakterischer Zwerg diese Rolle spiele?“ gegen die Besetzung als Cleopatra wehrte. Eileen Atkins erzählt, dass sie auf Druck ihrer Mutter als junges Mädchen als Tänzerin in Arbeiterclubs auftrat: „Das war die reinste Pädophilie!“ Und die mittlerweile erblindete Joan Plowright – sie ist 1929 geboren, die drei anderen alle 1934 – lässt schwierige Seiten ihrer Ehe mit Laurence Olivier anklingen.

Das sind wunderbare Szenen und Erinnerungen, die Lust auf mehr machen. Doch diese Sehnsucht löst der Film nicht ein. Die Kritik an „Tea with the Dames“ entspringt insofern auch der durch die Protagonistinnen gesetzten Fallhöhe – und dem Eindruck, dass aus diesen Zutaten mit einer präsenteren Regie auch ein kleines Meisterwerk hätte werden können.

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