Drama | USA 2017 | 93 Minuten

Regie: Timothy McNeil

Ein Versicherungsmakler, den nach dem Tod seiner Frau jeglicher Lebensmut verlassen hat, zieht nach einem Selbstmordversuch nach Los Angeles. In seiner neuen, von Kriminalität und Drogen geprägten Umgebung lernt er eine transsexuelle Prostituierte kennen und lieben, womit er die Toleranzbereitschaft seiner besorgten Schwester herausfordert. Allzu vorhersehbares Rührstück, das in der Darstellung von Transsexuellen sämtliche Konventionen bedient und auch schauspielerisch nicht so recht überzeugt. Das Drama wirbt für Vielfalt und Akzeptanz, bleibt in der Präsentation der sozialen Umstände aber oberflächlich. - Ab 16.

Filmdaten

Originaltitel
ANYTHING
Produktionsland
USA
Produktionsjahr
2017
Regie
Timothy McNeil
Buch
Timothy McNeil
Kamera
James Laxton
Musik
Isley Reust · Andreas Lucas
Schnitt
Andy Keir · Geraud Brisson
Darsteller
John Carroll Lynch (Early Landry) · Matt Bomer (Freda von Rhenburg) · Maura Tierney (Laurette Sachman) · Michael Boatman (Charles) · Micah Hauptman (David)
Länge
93 Minuten
Kinostart
09.05.2019
Fsk
ab 12; f
Pädagogisches Urteil
- Ab 16.
Genre
Drama | Liebesfilm
Diskussion

Liebesdrama um einen depressiven Witwer, der sich in Los Angeles in eine transsexuelle Prostituierte verliebt und darüber die Toleranzgrenzen seiner Familie erfährt.

Early hält es nicht mehr aus mit dem Leben. Nach dem plötzlichen Tod seiner Frau Mary leidet der Versicherungsmakler an Depressionen. In einer psychiatrischen Einrichtung schneidet er sich die Pulsadern auf – allerdings erfolglos. Seine Schwester Laurette will sich damit nicht abfinden. Die umtriebige Geschäftsfrau holt ihn zu sich, in ihr mondänes Zuhause, dass sie mit Mann und Sohn bewohnt. Sie hat es schon vor langer Zeit aus den Südstaaten nach Los Angeles verschlagen.

Early erholt sich bald, doch die betüttelnde Art seiner Schwester geht ihm auf die Nerven. Deshalb macht er sich auf die Suche nach einer eigenen Bleibe. Zu Laurettes Entsetzen will er ausgerechnet nach Hollywood ziehen, jenem Viertel, das in L.A. neben der Filmindustrie vor allem für hohe Kriminalität, eine vitale Drogenszene und Prostitution bekannt ist.

Das Aufeinanderprallen einander völlig fremder Kulturen ist im zeitgenössischen Kino ein begehrtes Motiv. Der Unterschied muss dabei gar nicht auf der Hautfarbe gründen; manchmal reichen schon gesellschaftliche Parallelwelten. Wenngleich Elemente der Sinnsuche deutlich mehr Raum einnehmen als Komödiantisches, lässt sich „Anything“ von Timothy McNeil eindeutig letzterer Kategorie zuordnen.

Eine Freundschaft mit der transsexuellen Nachbarin

Denn der von John Carroll Lynch als behäbiger Menschenfreund verkörperte Early lernt in seiner neuen Umgebung bald die transsexuelle Nachbarin Freda kennen und lieben, die von Matt Bomer extrovertiert und reizbar gespielt wird. Der Umstand, dass die Rolle nicht von einer Transsexuellen besetzt wurde, hat im Vorfeld für Wirbel gesorgt, ähnlich wie die Besetzungen von Eddie Redmayne in The Danish Girl oder Jeffrey Tambor in der Serie „Transparent“ (2014). Auch wenn dieser identitäre Vorbehalt seltsam kunstfern erscheint, wäre die Besetzung mit jemandem anderen als Matt Bomer spannender gewesen. Zu sehr wirkt die Rolle als Vehikel für einen bekannten Schauspieler, der eine weitere Seite von sich zu Markte tragen möchte.

Es die generelle Schwäche dieser Läuterungserzählung nach McNeils eigenem Theaterstück, dass niemals etwas Unerwartetes geschieht. An nachdenklichen Stellen klimpert ein Klavier Mollakkorde; kaum ist Early im heißen Pflaster Hollywood eingezogen, vernimmt man ständig Martinshörner; während der einsame Nachbar von unten im Rausch Seemannslieder grölt, setzt sich das junge Paar auf der anderen Seite Heroinspritzen. „Anything“ will für Toleranz und Vielfalt werben, erweist sich aber schnell als sozial nur oberflächlich angehauchtes Melodram, das zwischen erbaulichen Warnungen vor Drogen und einem Plädoyer für Liebe ohne Konventionen hin und her schwankt. Sehenswert ist immerhin Maura Tierney als Earlys überfürsorgliche Schwester Laurette, die sich nur schwer damit abfinden kann, dass ihr Bruder letztlich für sich selbst verantwortlich ist.

Kommentar verfassen

Kommentieren