Master Z: The IP Man Legacy

Action | Hongkong/China 2018 | 108 Minuten

Regie: Wo-Ping Yuen

Nach einer unbefriedigenden Karriere als Söldner besinnt sich ein virtuoser Wing-Chun-Kämpfer auf Familienwerte und beginnt mit seinem kleinen Sohn ein Leben als Krämer. Doch die Schatten der Vergangenheit holen ihn ein und verwickeln ihn in einen schier aussichtslosen Kampf gegen einen Zögling der Triaden, bis neue Freunde ihm helfen, aus der verruchten Bar-Straße im Hongkong der 1950er-Jahre einen besseren Ort zu machen. Das nur vage an die erfolgreiche „Ip Man“-Reihe angelehnte Martial-Arts-Drama missbraucht das Genre für einen Kostümfilm, ist aber solide gebaut und versprüht durch seine Nebendarsteller sogar ein wenig Glamour. - Ab 16.

Filmdaten

Originaltitel
YE WEN WAI ZHUAN: ZHANG TIAN ZHI
Produktionsland
Hongkong/China
Produktionsjahr
2018
Regie
Wo-Ping Yuen
Buch
Edmond Wong · Tai-Lee Chan
Kamera
David Fu · Seppe Van Grieken
Musik
Day Tai
Schnitt
Kai-Pong Chow · Chi-Leung Kwong
Darsteller
Jin Zhang (Cheung Tin-chi) · Michelle Yeoh (Tso Ngan Kwan) · Dave Bautista (Owen Davidson) · Tony Jaa (Sadi, der Krieger) · Liu Yan (Julia)
Länge
108 Minuten
Kinostart
09.05.2019
Fsk
ab 16; f
Pädagogisches Urteil
- Ab 16.
Genre
Action | Historienfilm | Krimi | Martial-Arts-Film
Diskussion

“Zwischenfilm” aus der “Ip Man“ -Reihe um einen Wing-Chun-Kämpfer, der sein Söldnerdasein hinter sich lassen will, aber von seiner Vergangenheit nicht loskommt.

Cheung Tin-Chi ist am Ende. Sein kleiner Sohn veranlasst den Wing-Chun-Kämpfer, seinem Leben eine neue Richtung zu geben; dem Jungen will Tin-Chi nicht länger ein Leben als Söldner zwielichtiger Auftraggeber zumuten. Doch die Schatten der Vergangenheit holen ihn schnell wieder ein und bedrohen sein beschauliches Leben als Krämer. So landet Tin-Chi erneut in einem Scharmützel mit der berüchtigten Gang von Tso Sai Kit, der mit seiner Schwester Tso Ngan Kwan den Opiumhandel kontrolliert. Eigentlich wollte Tin-Chi nur der jungen Julia und ihrer Freundin Nana beistehen, die durch ihren Drogenkonsum hoch verschuldet ist; das aber interessiert bei der korrupten Polizei niemanden. Während Tin-Chi in der Arrestzelle landet, brennt sein Laden nieder und wird sein Sohn schwer verletzt.

Weg von den Drogen oder Aufstieg bei den Triaden

Fortan sinnt Tin-Chi auf Rache. Aber auch Tso Ngan Kwan hat fortlaufend Ärger mit ihrem drakonisch agierenden Bruder. Sie will ihre Organisation vom Drogenhandel wegführen und in eine solide Firma umwandeln, um mit legalen Mitteln in der Bar-Straße Geld zu verdienen. Doch Sai Kit träumt von einer Karriere bei den Triaden – und geht dafür über Leichen.

So sieht in China also familientaugliche Genre-Unterhaltung aus. Einstige Bösewichte wie Tin-Chi, der in „Ip Man 3“ noch der Gegenspieler des legendären Wing-Chun-Großmeisters Ip Man war, werden als Sympathieträger genutzt, und fertig ist ein „Spin off“ der beliebten Martial-Arts-Reihe.

Damit das Hongkong der 1950er-Jahre nicht allzu verrucht daherkommt, wirkt die Welt ungeachtet aller Tristesse eigentümlich harmonisch. Die Farben sind bunt, die Kostüme adrett und gebügelt. Statt in einem klassischen Martial-Arts-Film wähnt man sich fast in einem MGM-Musical von Stanley Donen, in dem im nächsten Augenblick Gene Kelly und Cyd Charisse um die Ecke biegen und eine ihrer unvergesslichen Showeinlagen präsentieren.

Tänze über Neon-Tafeln

Doch statt Gesang und Tanz zelebriert Regisseur Wo-Ping Yuen in prächtiger Retrochic-Kulisse einen Faustkampf nach dem anderen. Da alle Beteiligten eigentlich ganz nett oder zumindest Richtung Tugend unterwegs sind, kann man sich den zumeist unblutigen Choreografien unbeschwert hingeben. Die virtuoseste führt Tin-Chi und seinen Widersacher in luftige Höhen auf die Neonwerbetafeln der engen Bar-Straße. Das ist schön anzusehen, aber gänzlich sinnfrei.

In seiner virtuosen Selbstverliebtheit ist „Master Z: The Ip Man Legacy“ zwar nicht allzu weit von den Tanzfilmen Hollywoods entfernt – doch in denen durfte man weit mehr an kurzweilig-anregenden Handlungen erwarten. „Master Z: The Ip Man Legacy“ beschränkt sich dagegen eher auf Marginalien, die einen armen Vater und seinen Sohn höchst unwahrscheinlich in eine rosigere Zukunft geleiten.

Natürlich gibt es auch einen echten Bösewicht: den karikaturhaft überzeichneten Sai Kit, der seine Lektion noch lernen muss. Plus den britischen Arm der Polizei, deren Repräsentanten maßgeblich für die Drogenhölle in Hongkong verantwortlich sind, sowie einen Mann im Hintergrund, der nicht ganz so nett und freundlich ist, wie er erscheint. Doch in einer gemeinschaftlichen Anstrengung aller Chinesen lässt sich auch dies in der Kronkolonie wieder zurechtbiegen.

Ein „Zwischenfilm“

„Master Z: The Ip Man Legacy“ ist keine große Kunst, aber eine solide gebaute Show für Freunde der gepflegten Kampfkunst. Neben dem virtuosen, aber wenig charismatischen Jin Zhang in der Hauptrolle verbreiten internationale Genre-Größen wie Dave Bautista, Tony Jaa und insbesondere Michelle Yeoh als Grande Dame der Bar-Straße in diesem „Zwischenfilm“ („Ip Man 4“ ist schon avisiert) sogar ein bisschen Glamour.

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