The Sun is also a Star

Drama | USA 2019 | 101 Minuten

Regie: Ry Russo-Young

Schicksalhaft begegnen sich ein junger asiatischer Student und eine jamaikanische Studentin auf den Straßen von New York. Während er an die große Liebe glaubt, ist sie eine hoffnungslose Skeptikerin, gibt ihm aber dennoch die Chance, sie binnen 24 Stunden von Gegenteil zu überzeugen. Was er nicht weiß: Ihre Familie ist seit Jahren unrechtmäßig im Land und soll am nächsten Tag abgeschoben werden. Romantisches Liebesdrama, das seine konventionelle Geschichte formal ansprechend, mitunter gar mutig erzählt und aktuelle politische Diskussionen aufgreift. Zum Ende erstarrt allerdings doch wieder alles in Konventionen. - Ab 14.

Filmdaten

Originaltitel
THE SUN IS ALSO A STAR
Produktionsland
USA
Produktionsjahr
2019
Regie
Ry Russo-Young
Buch
Tracy Oliver
Kamera
Autumn Durald
Musik
Herdís Stefánsdóttir
Schnitt
Joe Landauer
Darsteller
Yara Shahidi (Natasha Kingsley) · Charles Melton (Daniel Bae) · Jake Choi (Charlie Bae) · Camrus Johnson (Omar) · Gbenga Akinnagbe (Samuel Kingsley)
Länge
101 Minuten
Kinostart
16.05.2019
Fsk
ab 6; f
Pädagogisches Urteil
- Ab 14.
Genre
Drama | Liebesfilm | Literaturverfilmung
Diskussion

Romantisches Liebesdrama über die schicksalhafte Begegnung zweier junger Menschen in New York, das seine konventionelle Geschichte formal ansprechend und mit Blick auf aktuelle politische Diskussionen erzählt, bis es doch wieder zu Konvention zurückführt.

Eigentlich sind es doch nur Hormone! Natasha ist pragmatisch, und sie weiß, wie Dinge funktionieren. Vielleicht waren es die gleißenden Sternbilder am Firmament der New York Grand Central Station, die ihr Interesse an Lehre, Wissenschaft und Astronomie geschürt haben. Ihr Vater hatte sie der Staunenden einst, frisch aus Jamaica angekommen, gezeigt. Nun, als junge emanzipierte Frau im Big Apple, studiert sie, saugt das Leben auf, ist Teil dieses unerhörten, freigeistigen Melting Pots Manhattan. Aber nichts da! Als Daniel sie vom Zebrastreifen reißt und ihr damit das Leben rettet, sind dennoch fast sicher die letzten 24 Stunden ihres Lebens in New York angebrochen...

Liebe ist so viel mehr als nur Chemie! Daniel glaubt an die Kraft der Worte. Viel lieber wäre er der Poet, der ihm sein Vater höchstens in der Freizeit zu sein erlaubt. Als offizielle Einwanderer aus Südkorea sollen es seine Söhne im Land der unbegrenzten Möglichkeiten wirtschaftlich einmal besser haben. Die Chancen auf ein Doktorandenstudium stehen für Daniel wahrlich nicht schlecht, mit als letztes fehlt ihm nur noch die Fürsprache eines Rechtsanwalts. Ein Gespräch und seine Zukunft ist gesichert. Doch Daniel glaubt vor allem an die Macht des Schicksals. „Deus Ex Machina“ hatte er erst am Morgen in sein Notizbuch geschrieben. Als er die attraktive Frau mit eben diesem Schriftzug auf ihrer Jacke sieht, folgt er ihr und rettet ihr das Leben.
Doch all das muss nichts heißen, glaubt doch Natasha nicht an Schicksal und Liebe in politisch brisanten Zeiten, in der sie mit ihrer Familie als ungeduldete Immigranten nach all den Jahren das Land verlassen muss. In 24 Stunden, in denen Daniel nun noch Zeit hat, sowohl sein Leben ins Reine zu bringen als auch eine Skeptikerin von der wahren Liebe zu überzeugen.

Romantisches Leichtgewicht mit Zeitgeist-Touch

Eigentlich ist „The Sun is also a Star“ eines dieser romantischen Leichtgewichte, mit denen Hollywood von der unmöglichen Möglichkeit erzählt, wie zwei Menschen aller Widrigkeiten zum Trotz zum perfekten Paar avancieren. Im Drehbuch steht es, also passiert es, so unwahrscheinlich es auch sein mag. Doch Regisseurin Ry Russo-Young und ihre Autorin Tracy Oliver haben bei der Adaption des Young-Adult-Romans von Nicola Yoon ein wenig den Zeitgeist spielen lassen und zwei in den Mittelpunkt der Handlung gestellt, die, laut aktueller politischer Doktrin, nicht ohne Makel sind. Einwanderer, für die die unbegrenzten Möglichkeiten nur noch begrenzt gelten.

So ist es nicht mehr nur die Frage des Zusammenkommens, sondern auch des Dableibens, die für Spannungsfelder sorgt. Russo-Young macht das ganz geschickt, indem sie den Fokus auf die Jamaikanerin legt, die mit ihren zu erleidenden Ressentiments stellvertretend für die große Zielgruppe der Latinos und der schwarzen Bevölkerungsschichten in den USA steht. Hinzu kommt, dass sie das Problem vieler Angehöriger der Mittelschicht teilt, grundsätzlich nicht ernst genommen zu werden. „Seien sie doch froh!”, bekommt Natasha auf dem Amt entgegengehalten, Jamaika sei ein schönes, sicheres Land. Andere müssten nach Syrien oder in den Libanon. Die USA will sich ihres „Ballasts“ entledigen. Auf die Lebenswirklichkeit des Individuums wird keine Rücksicht genommen. Basta!

Doch ein Sozialdrama ist „The Sun is also a Star“ trotz ernster Zwischentöne nicht geworden. Dazu stehen dann doch die Mechanismen der Liebe im Vordergrund, so wie sie Hollywoodunterhaltung gerne propagiert. Das ist Schlendern durch eine aufgeräumte, verträumte Stadt, in der man sich problemlos verlieben kann; inklusive einer Übernachtung auf der Wiese im Park ohne steifem Rücken, Insekten, Grasflecken und Angst vor Dieben – so weltfremd kann Liebe in New York sein. Überhaupt ist der Film ohne seine Stadt undenkbar. Was würde die Kamera nur einfangen, wenn es um einen Tag in Hoboken, New Jersey, gehen würde?

Unverbrauchte Gesichter und Konventionen

„The Sun is also a Star“ macht viel richtig: unverbrauchte Gesichter in einer Stadt, die beim Zuschauer Sehnsüchte weckt. Eine Spannungskurve, die Liebeslügen, Missverständnisse oder aus dem Hut gezauberte Verlobte benötigt. Und den dramaturgischen Mut der Regisseurin, an zentraler Stelle über vier Minuten den Sixties-Kulthit „Crimson and Clover“ auszuspielen, ohne das groß reingeredet wird.

Doch Hollywood wäre nicht Hollywood, wenn all der dramaturgische und inszenatorische Mut am Ende wieder nicht relativiert werden müsste. Und so gibt es zum Finale den gerne bemühten „... Jahre später“-Epilog, der alle vielleicht noch offenen Fragen beantwortet. Manchmal sind Konventionen einfach so stimmungstötend.

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