Drama | Island 2017 | 89 Minuten

Regie: Hafsteinn Gunnar Sigurðsson

In einer Reihenhaussiedlung in Reykjavik streiten sich zwei benachbarte Paare um einen Baum, der zuviel Schatten wirft. Die Bitte um Stutzung der Äste wird ruppig abgelehnt, was unschöne Folgen hat und immer mehr Ärger nach sich zieht. Was auf den ersten Blick komisch wirkt, ist eher böse denn lustig, eher absurd denn amüsant. Familiäre Verwicklungen, etwa die Eheprobleme eines Sohnes oder die Kinderlosigkeit der jüngeren Nachbarn, halten den Erzählfluss der schwarzhumorigen Dramödie unnötig auf. - Ab 16.

Filmdaten

Originaltitel
UNDIR TRÉNU
Produktionsland
Island
Produktionsjahr
2017
Regie
Hafsteinn Gunnar Sigurðsson
Buch
Hafsteinn Gunnar Sigurðsson · Huldar Breiðfjörð
Kamera
Monika Lenczewska
Musik
Daníel Bjarnason
Schnitt
Kristján Loðmfjörð
Darsteller
Steinþór Hróar Steinþórsson (Atli) · Edda Björgvinsdóttir (Inga) · Sigurður Sigurjónsson (Baldvin) · Þorsteinn Bachmann (Konrad) · Selma Björnsdóttir (Eybjorg)
Länge
89 Minuten
Kinostart
16.05.2019
Fsk
ab 12; f
Pädagogisches Urteil
- Ab 16.
Genre
Drama | Komödie | Mystery-Film
Diskussion

Schwarzhumoriges Drama um zwei benachbarte Paare aus Reykjavik, die über den ausladenden Ästen eines Baumes in eine zerstörerische Fehde geraten.

Zwei Reihenhäuser in der Vorstadt von Reykjavik. Es ist Frühling, die Sonne scheint, und Eybjorg, die etwas zu junge Frau von Konrad, würde sich gern auf ihrem Liegestuhl im Vorgarten bräunen. Allerdings wirft der große Baum ihrer Nachbarn Baldvin und Inga einen langen Schatten. Nur vereinzelt glitzert die Sonne durch die Blätter und vollführt ein freches Lichtermobile, das – wie zum Hohn für Eybjorg – die entgangenen Sonnenfreuden noch deutlicher macht. Konrads Bitte um Stutzung der fülligen Äste wird von den Nachbarn ruppig abgelehnt. Inga kann ihre Verachtung für die attraktive Eybjorg nicht verhehlen.

Erschwert wird das nachbarschaftliche Zusammenleben außerdem durch Atli, Baldvins und Ingas erwachsenen Sohn, der von seiner Frau Karin wegen angeblicher Untreue auf die Straße gesetzt wurde. Ein selbstgedrehter Pornofilm, bei dem Atli mit seiner Ex in Aktion zu sehen ist, gilt ihr als Beweis.

Kameras sollen es richten

Nun ist Atli wieder bei seinen Eltern eingezogen; der Nachbarschaftszwist tangiert ihn kaum. Aber als Konrad morgens in sein Auto steigen will, sind alle vier Reifen zerstochen. Inga hingegen kann ihre Katze nicht finden. Haben die Nachbarn etwas mit ihrem Verschwinden zu tun? Und warum hält Konrad demonstrativ seine neu erworbene Kettensäge hoch? Überwachungskameras sollen für Aufklärung sorgen. Doch damit geht der Ärger erst richtig los.

„Es kann der Frömmste nicht in Frieden leben, wenn es dem bösen Nachbarn nicht gefällt“, wusste schon Schiller. Diese Prämisse exerziert der isländische Regisseur Hafsteinn Gunnar Sigurdsson wunderbar hinterhältig durch. Eine Komödie soll es sein, doch die Spirale, die hier in Gang gesetzt wird, ist eher böse denn komisch, eher absurd denn amüsant. Der Humor ist manchmal so trocken und kühl, dass er kaum zu erkennen ist. Manche Szenen könnten in ihrer erschreckenden Konsequenz sogar aus einem Horrorfilm stammen.

„Under the Tree“ ist eine bittere Satire über die Feindseligkeit, zu der Menschen fähig sind, über das Bedürfnis, sich zu entrüsten, die Unfähigkeit, sich ein wenig Zufriedenheit zu gönnen, und über die Trägheit des Herzens, sein Lebensglück zu verfolgen. Sigurdsson macht dies besonders an der Person von Inga fest, die von Edda Björgvinsdóttir in ihrer Verhärtung und Bösartigkeit mit kalten, blitzenden Augen bravourös dargestellt wird. Mit rücksichtslos-unfreundlichen und emotionslos ausgestoßenen Sprüchen traktiert sie ihr Gegenüber, ohne je die verletzenden Folgen zu bedenken. Der Hass auf ihre Mitmenschen ist notdürftig durch das mysteriöse Verschwinden ihres ältesten Sohnes (ein Selbstmord?) begründet, dessen Wagen in der Einfahrt gleichwohl von seiner Existenz zeugt. Eybjorg und Konrad hingegen wünschen sich sehnlichst Nachwuchs und verhalten sich dementsprechend nervös und übereifrig.

Nachbarn sind eine schlechte Erfindung

Mit diesen familiären Verwicklungen, die gelegentlich nicht einmal eine inhaltliche Verankerung haben, wirkt der Film etwas überladen. „Under the Tree“ wäre dramatischer ausgefallen, wenn sich Sigurdsson auf den Nachbarschaftsstreit konzentriert und die Spirale der Gemeinheiten noch ein wenig mehr angezogen hätte. Hier liegt die Stärke des Films, sein Unterhaltungswert wie sein Identifikationspotential. Denn Nachbarn sind eine schlechte Erfindung. Diese Erkenntnis kann (fast) jeder Zuschauer nachempfinden.

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