Science-Fiction | USA 2018 | 101 Minuten

Regie: Bill Oliver

Die beiden Wesenheiten eines jungen Mannes mit Persönlichkeitsspaltung teilen sich einen Körper, was dank einer disziplinierten Tagesaufsplittung in Zwölfstunden-Schichten ein harmonisches Dasein erlaubt. Als die eine Existenzform jedoch eine Liebesaffäre beginnt, entwickelt sich das Verhältnis zu einem strapaziösen Kräftezerren. Der in kühlen Science-Fiction-Bildern gehaltene Thriller vermag das Doppelgänger-Motiv nicht produktiv zu nutzen und erschöpft sich in Oberflächenreizen. Auch die Charaktere bleiben flach und wirken in ihrer Entwicklung unglaubwürdig. - Ab 14.

Filmdaten

Originaltitel
JONATHAN
Produktionsland
USA
Produktionsjahr
2018
Regie
Bill Oliver
Buch
Gregory Davis · Peter Nickowitz · Bill Oliver
Kamera
Zach Kuperstein
Musik
Brooke Blair · Will Blair
Schnitt
Tomas Vengris
Darsteller
Ansel Elgort (Jonathan & John) · Suki Waterhouse (Elena) · Patricia Clarkson (Dr. Mina Nariman) · Matt Bomer (Ross Craine) · Douglas Hodge (Hans)
Länge
101 Minuten
Kinostart
23.05.2019
Fsk
ab 12; f
Pädagogisches Urteil
- Ab 14.
Genre
Science-Fiction | Thriller
Diskussion

In kühlen Science-Fiction-Bildern gehaltener Thriller über ein Zwillingsbruder-Paar, das sich einen Körper teilt, bis der eine auf eigenen Pfaden zu wandeln beginnt.

In den ersten Bildern ist Jonathan nur im Anschnitt zu sehen: ein halber junger Mann mit ernstem Gesichtsausdruck, akkurat gekleidet, das blonde Haar wie mit dem Lineal gescheitelt. Die Titelfigur des Science-Fiction-Thrillers von Bill Oliver wirkt ziemlich neurotisch in ihren zwanghaften Routinen: jeden Tag um Punkt sieben Uhr aufstehen, joggen, arbeiten, einkaufen, essen, um Punkt sieben Uhr abends schlafen gehen. Es ist ein Leben voller Teilungen und Doppelungen: zwei Zahnbürsten, zwei Betten, zwei Teller mit Essen. Arbeiten kann Jonathan nur halbtags, Überstunden sind ausgeschlossen.

„Wie laufen die Dinge zwischen dir und John?“, möchte Jonathans Ärztin Nariman wissen. John ist Jonathans andere Hälfte, sein Körper-Mitbewohner, wenn man so will. Denn bei den Zwillingsbrüdern handelt es sich um den seltenen medizinischen Fall eines Multi-Bewusstseins, das sich in einem Körper vereint.

Schichtwechsel im 12-Stunden-Takt

Nariman ist es gelungen, Jonathan und John so zu takten, das ihr Körper 12 Stunden dem einen, 12 Stunden dem anderen gehört. Kommunizieren können die Brüder nur in Form von Videobotschaften, die sie dem anderen vor „Schichtwechsel“ hinterlassen. Darin berichten sie mit protokollarischer Genauigkeit ihren Tagesablauf: wen sie im Treppenhaus getroffen oder was sie eingekauft haben und welche Dinge noch zu erledigen sind. Lebbar ist diese ebenso gespaltene wie symbiotische Existenz nur durch äußerste Disziplin.

Der US-amerikanische Regisseur Bill Oliver arbeitet in seinem Langfilmdebüt mit dem bekannten Doppelgängermotiv, das sein dramatisches Potenzial durch den schizoiden Konflikt beider Hälften entfaltet. Jonathan und John sind zwar keine direkten Wesensverwandten von Dr. Jekyll und Mr. Hyde. Aber sie sind so grundverschieden, dass ein harmonisches Miteinander nicht immer gelingt. Als John, der den Körper nachts bewohnt, eine heimliche Liebesaffäre beginnt, was ein Bruch ihres Regelkatalogs ist, kommt es zu einem ersten Zerwürfnis.

Kein gesellschaftlich-utopischen Ambitionen

Im Laufe des Films wird das Verhältnis der Zwillinge immer zerrütteter. Jonathan beauftragt einen Privatdetektiv, den Bruder zu beschatten. John taucht ab. Als er sich zurückmeldet, ist er in depressiver Verfassung; er wütet herum und droht sogar mit Selbstmord.

Die Inszenierung kleidet die Geschichte, die konsequent aus Jonathans Perspektive erzählt wird, in kühle, leicht blaustichige Bilder. Der cleane Look bleibt jedoch ebenso flach wie die beiden von Ansel Elgort verkörperten Charaktere, deren „Love interest“ auf eine rein dramaturgische – oder dekorative – Funktion verkürzt wird. Letztlich weiß der Film das Doppelgänger-Motiv nicht produktiv zu machen – etwa im Hinblick auf den Konflikt zwischen einem auf Selbstoptimierung ausgelegten Leben und dem Wunsch nach einer freien, nicht reglementierten Existenz. Wenn John seine „Schichten“ immer mehr ausdehnt, verbirgt sich dahinter keinerlei gesellschaftliche Utopie.

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