The Diamond Job - Gauner, Bomben und Juwelen

Komödie | Großbritannien 2018 | 97 Minuten

Regie: Hadi Hajaig

Eine britische Anwältin, die beim Londoner Mafia-Paten Schulden hat, heuert in New York zwei Berufsverbrecher an, um einen vermeintlich einfachen Job zu erledigen: Sie sollen den wertvollen „Blue Iguana“-Diamanten stehlen. Da hinter dem Juwel aber auch die ganze Londoner Unterwelt her ist, entpuppt sich der Auftrag bald als blutiger Schlamassel. Eine überdrehte Gangster-Komödie, die permanent die Tonlagen wechselt und voller Filmzitate und popkulturellen Referenzen steckt. Ein stimmiger Soundtrack und passable Darstellerleistungen können aber nicht überspielen, dass es dem Film am Timing mangelt und er sich gerne in überflüssigen, wenn auch liebevoll inszenierten Nebenhandlungen verstrickt. - Ab 16.

Filmdaten

Originaltitel
BLUE IGUANA
Produktionsland
Großbritannien
Produktionsjahr
2018
Regie
Hadi Hajaig
Buch
Hadi Hajaig
Kamera
Ian Howes
Musik
Simon Lambros
Schnitt
Pierre Haberer · Hadi Hajaig
Darsteller
Sam Rockwell (Eddie) · Phoebe Fox (Katherine Rookwood) · Ben Schwartz (Paul Driggs) · Peter Ferdinando (Deacon Bradshaw) · Amanda Donohoe (Dawn Bradshaw)
Länge
97 Minuten
Kinostart
-
Fsk
ab 16
Pädagogisches Urteil
- Ab 16.
Genre
Komödie | Thriller

Heimkino

Verleih DVD
Koch Media
Verleih Blu-ray
Koch Media
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Diskussion

Ein überdrehter Comedy-Thriller mit Sam Rockwell als Gangster, der sich für einen Diamantenraub in London anheuern lässt und dabei in blutigen Schlamassel gerät.

War das nicht total lustig damals, als sich in „Pulp Fiction“ dank einer Bodenwelle ein Schuss aus der Pistole von Vincent Vega löste, der eine ziemliche Sauerei im Auto anrichtete, sodass die beiden Hitmen erst einmal die Polster reinigen mussten? Oder dass man im Falle von „Gefährliche Freundin“ nie so recht wusste, ob sich der Film noch zwischen Thriller- und Komödiengenre entscheiden würde? Und hatten nicht „The Limey“ oder „Brügge sehen … und sterben?“ aus lustigen interkulturellen „Begegnungen“ ordentlich Kapital geschlagen? Derlei mag sich Hadi Hajaig gedacht haben, als er sich anschickte, sein eigenes Drehbuch zu realisieren, das sich explizit als Hommage an den „Spirit“ jener US-Indies der 1980er- und 1990er-Jahre versteht. Als einer der ausführenden Produzenten des Films fungiert Sam Rockwell, der hier auch gleich die männliche Hauptrolle übernommen hat. Gedreht wurde „Blue Iguana“ (Originaltitel) gleich nach dem Ende der Dreharbeiten von „Three Billboards Outside Ebbing, Missouri“, wovon Rockwells seltsame Frisur noch zeugt. Zudem hatte Rockwell ja jüngst erst mit der vergleichbar gelagerten schwarzen Komödie „Mr. Right“ das Sujet beackert.

Der Plot von „The Diamond Job“ ist schnell erzählt. Eine britische Anwältin (Phoebe Fox), die aufgrund eines Missgeschicks in Liebesdingen beim Londoner Paten Schulden hat, heuert in New York zwei Berufsverbrecher an, die gerade auf Bewährung draußen sind und in einem Diner jobben. Es geht um einen ganz einfachen Job, nämlich um den Diebstahl des „Blue Iguana“-Diamanten. Wichtig ist, dass Eddie (Sam Rockwell) und Paul (Ben Schwartz) in der Londoner Szene unbeschriebene Blätter sind. Wichtig auch, dass bei dem Coup niemand zu Schaden kommt. Beim Überfall wird dann sehr schnell klar, dass der Job alles andere als simpel ist, weil die halbe Londoner Unterwelt hinter dem Diamanten her ist und der Frontverlauf, zumal für die beiden Amerikaner, eher unübersichtlich.

Die Variation einer Variation von bereits Bekanntem

Der Film hangelt sich von Szene zu Szene, wechselt permanent die Tonlagen und klopft sich selbst für jeden Einfall, sei er komisch, sei er brutal, selbst begeistert auf die Schulter. „The Diamond Job“ steckt voller Filmzitate und popkulturellen Referenzen von Toilettenpapier über Comics und Fußball bis hin zu Zombie-Filmen, hat einen Soundtrack mit clever gewählten Songs der B 52’s, der Violent Femmes und der Only Ones, verzichtet aber dafür auf Timing, verliert sich gerne mal in überflüssigen, aber liebevoll inszenierten Nebenhandlungen wie der Bestrafung desjenigen, der das Herz der Anwältin brach, und gefällt sich in einer Aneinanderreihung von geschmäcklerisch in Zeitlupe gefilmten Shootouts teilweise sehr schlechter Schützen, die trotzdem drastischen Blutzoll fordern.

Trotz aller Cleverness schafft es der Film nicht, mehr zu sein als die Variation einer Variation von bereits Bekanntem: ein kruder und zwei Jahrzehnte verspäteter Mix aus Quentin Tarantino und Guy Ritchie. Während Phoebe Fox als hässliches Entlein, einmal abgesehen von ihren abenteuerlichen Ess-Manieren, bis zur Schwan-Werdung aufreizend blass bleibt, liefert Rockwell immerhin eine routinierte Vorstellung ab – inklusive einiger Versuche, sich des Cockney-Slangs zu bemächtigen und einer kleinen Tanzeinlage zu Billy Ray Cyrus’ „Achy Breaky Heart“ beim monströs blutigen Finale in der Toilette eines Nobel-Hotels.  Aber die eigentlichen Hingucker des Films sind Amanda Donohoe und Peter Ferdinando als abgründig-neurotisches, aggressiv-prolliges und dauerfluchendes Mutter-Sohn-Gespann mit eigenwilligen modischen Präferenzen. Insofern ist „The Diamond Job“, um den jähzornigen Deacon zu zitieren, auch ein schmerzhafter Abschied von echter, normaler, englischer, maskuliner Männlichkeit. Der eigenwillige Schwanengesang, glaubt man dem bestens gelaunten Audio-Kommentar, hat zumindest den Filmemacher selbst bestens unterhalten.

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