X-Men: Dark Phoenix

Action | USA 2019 | 114 Minuten

Regie: Simon Kinberg

Um die Menschheit von ihrer Gutartigkeit zu überzeugen, nehmen es die mutierten Superhelden der X-Men auf sich, eine Weltraummission zu retten. Nach der Rückkehr erweist sich jedoch, dass eine der Heldinnen beim Einsatz von einer mysteriösen Macht befallen wurde, die ihr übernatürliche telekinetische Kräfte verliehen hat. Während sie dies von den anderen X-Men entfremdet, greifen Außerirdische auf der Suche nach der Supermacht die Erde an. Die Comicverfilmung reißt zwar interessante Fragen nach der Relativität des Guten an, lässt diese aber dann unergiebig in der Luft hängen. Stattdessen gerinnt sie bald zum technisch perfekt umgesetzten, aber plakativen Dauer-Actionspektakel. - Ab 14.

Filmdaten

Originaltitel
X-MEN: DARK PHOENIX
Produktionsland
USA
Produktionsjahr
2019
Regie
Simon Kinberg
Buch
Simon Kinberg
Kamera
Mauro Fiore
Musik
Hans Zimmer
Schnitt
Lee Smith
Darsteller
Sophie Turner (Jean Grey / Phoenix) · Jennifer Lawrence (Raven / Mystique) · James McAvoy (Professor Charles Xavier) · Jessica Chastain (Vuk) · Michael Fassbender (Erik Lehnsherr / Magneto)
Länge
114 Minuten
Kinostart
06.06.2019
Fsk
ab 12; f
Pädagogische Empfehlung
- Ab 14.
Genre
Action | Comicverfilmung | Fantasy | Science-Fiction

Heimkino

Die Standardausgabe (DVD) enthält keine erwähnenswerten Extras. Die umfangreicheren BD Editionen enthalten indes u.a. einen dt. untertitelbaren Audiokommentar mit Regisseur Simon Kinberg und Produzent Hutch Parker, ein kommentiertes Feature mit fünf im Film nicht verwendeten Szenen (8 Min.) sowie ein abendfüllendes „Making of“ (80 Min.). Die BD-Editionen sind mit dem Silberling 2019 ausgezeichnet.

Verleih DVD
Fox (16:9, 2.35:1, DD5.1 engl./dt.)
Verleih Blu-ray
Fox (16:9, 2.35:1, dts-HDMA7.1 engl., dts dt.) 4K: Fox (16:9, 2.35:1, dolby_ATMOS engl., dts dt.)
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Im zwölften Leinwandabenteuer der „X-Men“ durchlebt die Mutantin Jean Grey alias Phoenix eine unheimliche Verwandlung, die sie auf Distanz zu ihrem Mentor Professor Xavier führt. Die Comicverfilmung fragt nach der Relativität des Guten, setzt primär aber auf plakatives Dauer-Actionspektakel.

Diskussion

Einfach gehen, Xaviers „School for Gifted Youngsters“ verlassen und irgendwo in Frieden, weitab von dem ewigen Misstrauen der Menschen, weit weg von Charles Xavier alias Professor X ein friedliches Leben zu zweit führen. Wäre Hank McCoy (Beast) doch bloß dem unbestimmten Gefühl seiner Freundin Raven (Mystique) gefolgt. Vielleicht wäre die ganze Sache nicht auf diese fatale Weise eskaliert.

Alles begann vor einem halben Leben, als Professor X die Entscheidung traf, für Jean Grey zu sorgen. Als Kind überlebte sie auf wundersame Weise unverletzt einen Autounfall, der vermeintlich ihre gesamte Familie auslöschte. In seiner Schule für Mutanten lernte das Mädchen mit der ungeheuerlichen telekinetischen Begabung umzugehen und als „Phoenix“ für die gute Sache zu nutzen. Jetzt sitzt sie als junge Erwachsene im Raumschiff der X-Men, um der Bitte des US-Präsidenten nachzukommen und eine auf mysteriöse Weise zu scheitern drohende Weltraummission samt Besatzung zu retten. Ein potentielles Himmelfahrtskommando, aber für Professor X eine notwendige Botschaft an die Menschheit, dass Mutanten das Gegenteil einer gefährlichen Rasse darstellen.

Die Mission wird zum Erfolg, die Besatzung gerettet und die verwegenen Mutanten endgültig zu Helden stilisiert. Doch zu welchem Preis? Die Menschheit glaubt, dass es ein Sonnensturm gewesen sei, der die Mission in Gefahr brachte. In Wahrheit steckt jedoch etwas anderes dahinter – und dieses Etwas hat nun Besitz von Jean ergriffen. Es potenziert ihre geistigen Kräfte ins Uferlose und überflügelt gar jene ihres Professors.

Das unheimliche Wesen setzt Erinnerungen frei

Doch zugleich ist eine Tür in ihrem Geist aufgestoßen worden, die Xavier eigentlich für immer verschlossen glaubte. Nun erinnert sie sich wieder an ihre Kindheit, an ihr Trauma, dass der Tod geliebter Menschen verursachte. Sie beginnt zu zweifeln: an sich selbst, an ihren Freunden, an ihrer Mission, an ihrem Mentor, an den X-Men insgesamt. Das, was sie im All vom Tode ins Leben zurückführte, richtet sich nun gegen sie; gegen alle. Der Phoenix ist dunkel geworden.

Eine interessante Grundkonstellation bildet hier das Gerüst für den inzwischen zwölften Film aus dem X-Men-Universum, inszeniert vom Drehbuchautor der Vorgängerfilme, Simon Kinberg. Dieser stellt erstaunlich erwachsene, philosophische Fragen nach der Relativität des Guten; danach, inwieweit sich ein Mentor als Schöpfer generieren darf; inwieweit er Macht, die er zum Guten zu nutzen meint, überstrapaziert. Kann ein Gott Böses tun? Genug „Impact“ für einen erwachsenen, vielleicht sogar dystopischen Superheldenfilm, der sein ganzes Universum zum Schwanken bringen könnte. Das aber ist ganz schlecht für ein Superhelden-Franchise, das darauf aufgebaut ist, für immer und ewig zu funktionieren.

Die Devise des Films ist deshalb: Schnell her mit den Außerirdischen! Die wollen Macht, Zerstörung und vor allem Dark Phoenix. Die Supermacht, die sie über mehrere Galaxien verfolgt haben, ist in Jean Grey aufgegangen und könnte die junge Frau in ein gottgleiches Wesen verwandeln.

Für zwei Stunden Spektakel ist gesorgt

Zunächst aber wird sie zu einer unbekannten „Variablen X“. Niemand weiß, auf welche Seite sie sich schlagen wird, nicht einmal sie selbst. Daher kämpfen die X-Men zunächst einmal gegen Dark Phoenix, dann gegen die Aliens, und die Menschen kämpfen irgendwo mittendrin. Für zwei Stunden Spektakel ist also gesorgt, falls dem Betrachter der Sinn nach dem chronisch erfolglosen Einsatz von Maschinengewehrsalven gegen chronisch überlegene Gegner sowie chronisch unterlegene Superheldenblitze gegen überlegene, aber nie letale Superhelden-Gedanken steht.

Die „Familienprobleme“ der X-Men, die eine Sympathieträgerin wie Mystique bis zum Hinschmeißen bewegen können, gehen derweil unter im ewigen Größer, Gewaltiger, Zerstörerischer. Das Franchise, das sich einmal anschickte, auch für ein älteres Publikum tragfähig zu sein, verschenkt sträflich seine Ressourcen zugunsten eines verfilmten Ballerspiels. Das umfasst auch die Darsteller: James McAvoy kommt nie wirklich dazu, das personifizierte Über-Ich auszuspielen, das angesichts des Plots ins Hintertreffen geraten und vielleicht sogar völlig diskreditiert werden müsste. Michael Fassbender muss als geläuterter Bösewicht Magneto einen blassen Rebellen spielen, der sich nicht konsequent von den „guten“ Vertretern der X-Men-Schule lossagen darf, weil der Kern des Franchises einfach nicht grundsätzlich infrage gestellt gehört.

„X-Men: Dark Phoenix“ hätte das Potential gehabt, mit einem filmischen Universum abzuschließen und etwas Neues zu kreieren, womöglich einen Gegenentwurf basierend auf der Container-Gemeinschaft von Magneto. Kinbergs Film aber bleibt ein wohlgestyltes Blitzlichtgewitter mit einer eindrücklichen Musikuntermalung von Hans Zimmer. Immerhin ist das im inflationären Reigen der Superhelden-Filme schwerlich genug.

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