how to sell drugs online (fast)

Komödie | Deutschland 2019 | Minuten

Regie: Arne Feldhusen

Eine deutsche Comedy-Serie um einen Schüler, der zusammen mit einem Kumpel ins Drogengeschäft einsteigt und von zuhause aus online zu dealen beginnt. Die vage an einen realen Fall angelehnte Serie setzt insbesondere auf die Elemente einschlägiger Highschool-Komödien; der Krimi-Plot um den Drogenhandel entfaltet auf dem Niveau einer harmlosen Vorabendserie wenig Drive. Interessant ist die Serie vor allem wegen ihres formalen Witzes, der die Lebenswelt Jugendlicher als beständigem Ineinander von Realem und Virtuellem abzubilden versucht. - Ab 16.

Filmdaten

Originaltitel
HOW TO SELL DRUGS ONLINE (FAST)
Produktionsland
Deutschland
Produktionsjahr
2019
Regie
Arne Feldhusen · Lars Montag
Buch
Philipp Käßbohrer · Sebastian Colley · Stefan Titze
Kamera
Armin Franzen
Musik
Konstantin Gropper
Schnitt
Marc Schubert · Rainer Nigrelli · Christoph Cepok · Alex Kutka · Rainer Nigrelli
Darsteller
Maximilian Mundt (Moritz Zimmermann) · Danilo Kamperidis (Lenny Sanders) · Anna Lena Klenke (Lisa Novak) · Bjarne Mädel (Buba) · Leonie Wesselow (Fritzi Neuhaus)
Länge
Minuten
Kinostart
-
Pädagogisches Urteil
- Ab 16.
Genre
Komödie | Serie
Diskussion

Comedy-Serie um einen deutschen Schüler, der zusammen mit einem Kumpel groß in den Drogenhandel von zuhause aus einsteigt.

In seiner Generation war jeder schon im Darknet unterwegs, erklärt die Hauptfigur Moritz den Zuschauern. Für alle, die vor 1990 geboren wurden, gibt es in einer Folge eine gesonderte Erklärung, in der Jonathan Frakes à la „X-Faktor“ plastisch demonstriert, was es mit dem illegalen Paralleluniversum auf sich hat. Moritz’ Helden sind Leute wie Steve Jobs, Elon Musk und Mark Zuckerberg – früher Nerds, jetzt Bosse. Genau das erhofft sich der 17-jährige auch für sich und seinen besten Freund, den körperbehinderten Lenny.

Eine Schwäche für Drogen

Das Start-up, mit dem er im Laufe der Serie „how to sell drugs online (fast)“ durchstartet, erst im Darknet, später auch im normalen Internet, ist allerdings höchst kriminell. Moritz hat den gesamten Vorrat des lokalen Ecstasy-Dealers aufgekauft und will die Droge via Internet vertreiben. Ursprünglich hatte er den Stoff nur beschafft, um seiner Ex-Freundin zu imponieren, die während eines USA-Aufenthalts eine Schwäche für Partydrogen entwickelte. Doch dann verselbstständigt sich das Ganze zur großangelegten Geschäftsidee, die Moritz, von Lenny eher widerwillig unterstützt, mit bemerkenswerter Konsequenz durchzieht – und damit in allerlei Schwierigkeiten gerät.

Der Serienstoff ist lose an den Fall von Maximillian S. alias „Shiny Flakes“ angelehnt, der gerade mal 20 Jahre alt war, als die Leipziger Polizei seinem schwunghaften Online-Drogenhandel einen Riegel vorschob und Kokain, Ecstasy, LSD und andere Rauschmittel im Wert von über vier Millionen Euro bei ihm sicherstellte. 2015 machte der Fall vom „Drogenhändler aus dem Kinderzimmer“ bundesweit Schlagzeilen und liefert jetzt die Steilvorlage für die erste deutsche „Netflix“-Comedy-Serie.

Im Schatten von "Breaking Bad"

Verantwortlich dafür zeichnen die Showrunner Philipp Käßbohrer und Matthias Murmann sowie die Produktionsfirma bildundtonfabrik, die vor allem mit Jan Böhmermanns „Neo Magazin Royal“ groß geworden ist. Doch obwohl die Realität für „how to sell drugs online (fast)“ die Matrix lieferte, hat die Serie damit zu kämpfen, dass man sie reflexhaft an einer anderen fiktionalen Saga misst, in der ein unauffälliger Normalo zum Drogenboss aufsteigt. Im übergroßen Schatten von "Breaking Bad"  wirkt „how to sell drugs online (fast)“ zwangsläufig ähnlich blässlich und hühnerbrüstig wie ihre Hauptfigur, der selbsterklärte Nerd Moritz. Das hängt vor allem damit zusammenhängt, dass sich die Serie jedwede Abgründigkeit verbietet, das Drogengeschäft auf die Harmlosigkeit einer Vorabendserie herunterbricht und sich viel zu sehr auf abgedroschene Genreformeln der Highschool-Komödie verlässt.

Die dramatische Fallhöhe ist bei dem schüchternen Computerfreak Moritz, der im Kampf um die blonde Lisa einen gutaussehenden, sportlichen, analog dealenden Konkurrenten ausstechen muss, wahrlich nicht hoch. Allerdings gelingt es der Serie gegen Ende, den klischeehaften Figuren einige interessante Brüche mitzugeben; vor allem Lisa, die nach einem Auslandsaufenthalt nicht mehr so recht in ihr altes Leben zurückfindet, gewinnt zunehmend menschliches Format.

Wo Virtuelles und Reales sich überlagern

Was bleibt, um über die inhaltlichen Schwächen hinwegzutäuschen, ist vor allem der formale, an „Neo Magazin Royal“ geschulte Witz. Wie sich das Lebensgefühl von Jugendlichen, in deren Alltag sich Virtuelles und Reales ständig überlagern, in die Bildsprache einfügt und in die durch kleine Exkurse „verlinkte“ Handlung, macht die Serie bei allen Schwächen doch recht unterhaltsam.

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