The Brits Are Coming - Diamanten-Coup in Hollywood

Action | USA 2017 | 95 Minuten

Regie: James Haslam

Eine Gaunerkomödie um ein kriminelles britisches Pärchen, das wegen Schulden bei einer knallharten Gangsterchefin aus London verschwinden muss und in den USA untertauchen will. In Los Angeles treffen die beiden die Exfrau des Mannes, die bald erneut heiraten will. Der kostbare Diamantenring, den ihr ihr Zukünftiger verehrt hat, käme dem Gangsterpaar gerade recht; der Plan des Raubes wird allerdings dadurch erschwert, dass dem Paar aus England jede Menge Ärger gefolgt ist. Der Film bietet zwar einiges an Glamour-Schauwerten, schafft es aber trotz seines beachtlichen Ensembles weder Spannung noch spielerischen Charme zu entwickeln, was am ziemlich dürftigen Humor-Niveau und dem lieblosen, ohne jede Raffinesse entwickelten Plot liegt. - Ab 16.

Filmdaten

Originaltitel
THE CON IS ON
Produktionsland
USA
Produktionsjahr
2017
Regie
James Haslam
Buch
Alex Michaelides · James Haslam
Kamera
Joseph White
Musik
Charlie Klarsfeld · Zachary Seman
Schnitt
Anthony Boys
Darsteller
Uma Thurman (Harry Fox) · Tim Roth (Peter Fox) · Sofía Vergara (Vivien) · Alice Eve (Jackie) · Stephen Fry (Sidney)
Länge
95 Minuten
Kinostart
-
Fsk
ab 16
Pädagogisches Urteil
- Ab 16.
Genre
Action | Komödie | Krimi

Heimkino

Verleih DVD
Lighthouse
Verleih Blu-ray
Lighthouse
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Diskussion

Eine Gaunerkomödie um Uma Thurman und Tim Roth als dauerbeschickertes Diebesprächen, das in L.A. einen Juwelenraub durchziehen will, um Schulden bei einer Gangsterchefin zu begleichen.

Klar kann man auch einfach eine Bank ausrauben, aber um ein richtig stilvolles Ding zu drehen, empfiehlt es sich im Heist-Movie-Genre, ein entsprechendes Ziel auszuwählen: zum Beispiel reiche, juwelenbehangene  Ladys in schicken Hotels an der Côte d’Azur (wie in Über den Dächern von Nizza), ein Museum voller Preziosen der Kunstgeschichte  (wie in Wie klaut man eine Million) oder ein Casino in Las Vegas (wie in Ocean’s Eleven). In dieser Hinsicht hat „The Brits Are Coming“ alles richtig gemacht: Objekt der Begierde eines diebischen Pärchens, das es in James Haslams Gaunerkomödie aus London in die Filmmetropole Los Angeles verschlägt, ist der millionenschwere Klunker, der den Ringfinger der Verlobten eines hippen Regisseurs ziert. Und wenn dann die Rollen auch noch mit diversen Independent-Darlings des Kinos der 1990er-Jahre besetzt sind – Uma Thurman und Tim Roth als Hauptfiguren, in Nebenrollen u.a. flankiert von Parker Posey und Crispin Glover – dann sollte eigentlich nichts schiefgehen können. Aber es kann, und wie!

Was weniger eine Frage des „Was“ als vielmehr des „Wie“ ist. Von der Story her klingt „The Brits Are Coming“ durchaus solide: Harry (Uma Thurman) und Peter (Tim Roth) haben es sich in London mit einer Gangster-Größe (Maggie Q) verdorben, indem sie ein paar von deren Millionen beim Poker verzockt beziehungsweise in Alkohol und Drogen investiert haben; in Los Angeles wollen sie das Geld nun wieder beschaffen, indem sie den wertvollen Verlobungsring von Peters Ex-Freundin Jackie (Alice Eve) zu klauen planen. Das wird aber nicht nur deshalb erschwert, weil im Anwesen von Jackies Ehemann in spe (Crispin Clover) allerlei Verwicklungen warten, sondern auch die Londoner Gangsterchefin auf ihren Fersen ist und dabei eine blutige Spur hinterlässt.

So weit, so routiniert. Leider scheint sich die Regie nicht entscheiden zu können, ob sie das Ganze eher als glamourösen Coup à la Steven Soderberghs „Ocean’s“-Reihe anlegen soll oder nicht doch lieber als etwas ruppigere Variante à la Guy Ritchie. Das Ergebnis ist ein Film, der es auf fast schon verblüffende Art schafft, kaum je den richtigen Ton zu treffen. Er hat, bis auf einige kurze Szenen, in denen Maggie Q Messer und Gewehrkugeln fliegen lässt, kaum erwähnenswerte Action zu bieten, verzichtet in der Ausmalung des Coups des Pärchens aber auch auf jedwedes raffinierte Plotting.

Stattdessen lässt er Thurman und Roth als dauerbeschickertes Duo ein ums andere Mal in absurde Situationen stolpern, deren Humor allerdings in seiner Infantilität und Derbheit den Anschein von Eleganz, auf den Kostüme und Schauplätze abzielen – unter anderem das legendäre Hotel Chateau Marmont in Hollywood – vollkommen unterläuft oder schlicht nicht zündet. Dass die Nonne, die Harry in der ersten Szene des Films im Schatten der St. Paul’s Cathedral trifft, flucht und von Harry Drogen kauft, ist nun wirklich kein umwerfend witziger Einfall, markiert aber das Originalitäts-Level, auf dem sich der Film bewegt. Das gilt auch für einen ziemlich peinlichen Auftritt von Stephen Fry als Harrys krimineller Kontaktmann und anscheinend pädophiler Priester (was man aus unerfindlichen Gründen lustig finden soll) und für die Hollywood-Parodie, die sich rund um Jackies Verlobten entfaltet und in kreuzblöden Klischees von notgeilen Starlets und eitlen Regie-Egomanen watet.

Die Geschichte um den Juwelenraub selbst ist viel zu lieblos gestrickt, um durch diese Parade an Peinlichkeiten hindurch so etwas wie Spannung zu generieren. Dass Thurman versucht, das Ganze mit einer gewissen angeschlagenen Grandezza hinter sich zu bringen, und Parker Posey einen Mini-Auftritt als Assistentin von Jackies Verlobtem hinlegt, der in seiner Überkandideltheit einigen Charme entfaltet, hilft da nur wenig. Wahrscheinlich müsste man mindestens so viele Martinis intus haben, wie sie Roths und Thurmans Figuren im Lauf des Films kippen, um sich das Ganze schönzusehen.

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