Im Hier und Jetzt - Der beste Tag meines Lebens

Drama | USA 2018 | 98 Minuten

Regie: Fabien Constant

Bei einer erfolgreichen New Yorker Jazz-Sängerin wird ein Gehirntumor diagnostiziert, durch den ihr nur noch 14 Lebensmonate bleiben. Konzentriert auf die Stunden zwischen der fatalen Nachricht und einer Folgeuntersuchung am nächsten Morgen, zeichnet sich die Inszenierung durch eine bis zum Leerlauf reichende Behäbigkeit aus, die den Gemütszustand der durch ihren Alltag irrenden Protagonistin spiegeln soll. Letztlich rufen ihre uninspiriert geschriebenen Begegnungen wenig Empathie für die leidende Figur hervor, zumal diese auch noch wie die Fortführung des Rollenschemas der Serie „Sex and the City“ wirkt, mit der die Hauptdarstellerin ihre größten Erfolge feierte. - Ab 14.

Filmdaten

Originaltitel
HERE AND NOW
Produktionsland
USA
Produktionsjahr
2018
Regie
Fabien Constant
Buch
Laura Eason
Kamera
Javier Aguirresarobe
Musik
Amie Doherty
Schnitt
Malcolm Jamieson
Darsteller
Sarah Jessica Parker (Vivienne) · Renée Zellweger (Tessa) · Common (Ben) · Simon Baker (Nick) · Taylor Kinney (Jordan)
Länge
98 Minuten
Kinostart
-
Fsk
ab 0
Pädagogisches Urteil
- Ab 14.
Genre
Drama

Heimkino

Verleih DVD
Universal
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Diskussion

Ein Drama um eine New Yorker Jazzmusikerin (Sarah Jessica Parker), die sich nach einer verheerenden Tumor-Diagnose durch die Stadt und von Begegnung zu Begegnung treiben lässt. Mehr „Sex and the City“ mit Tumor als ernsthafte Einlassung aufs Thema.

Das ist der Moment, in dem die Existenz von Vivienne Carala (Sarah Jessica Parker) auf die Größe einer Walnuss zusammenschrumpft: Der kleine rundliche Schatten, auf den die Ärztin im Röntgenbild zeigt, ist nicht zu übersehen – und nicht zu verdrängen. Ein Tumor hat sich im Gehirn der erfolgreichen Jazz-Sängerin eingenistet. So bösartig, dass ihr trotz OP und Bestrahlung nur noch 14 Monate Lebenszeit bleiben. Eine Untersuchung am nächsten Tag wird der Mittfünfzigerin in Aussicht gestellt. Dann wird sie in den Trubel New Yorks entlassen. Der Straßenlärm dringt auf Vivienne ein, unterbrochen von schmerzhaft kurzen Streicherklängen, während sie zur Bandprobe eilt, ein Interview zum 25-jährigen Bühnenjubiläum absolviert und sich ein Kleid mit Glitzer-Applikationen in einer Boutique gönnt. Vivienne wird das Kleid in einem Uber-Taxi vergessen, sie wird auf ihre nervtötende Mutter, eine Jugendfreundin und ihren Ex-Mann treffen, der für ihre Karriere die Erziehung der nun schon fast erwachsenen Tochter übernahm. Doch Vivienne verharrt im Verschweigen ihrer schweren Erkrankung. Und so wird die Stadt zum Trostspender, während deren Bewohner einer Frau, die das Ende vor Augen hat, vor allem das Glück eines endlos erscheinenden Lebens vorführen.

Blick aufs Leben aus der Perspektive des nahen Todes

Die „Diagnose Tod“ auf wenige Stunden im Leben einer Filmfigur zu komprimieren, ist nicht neu: Agnès Varda begleitete in „Cléo – Mittwoch zwischen 5 und 7“ (1961) eine junge Frau in ihren bangen Stunden kurz vor der ärztlichen Krebsdiagnose. Trotz der fatalen Nachricht bezeichnet sich Cléo am Ende als glücklich. Vielleicht veranlasste dieser Film, der eine klare Vorlage zu Fabien Constants Film mit Sarah Jessica Parker ist, denn auch den deutschen Verleih, aus dem Originaltitel „Here and Now“ („Blue Night“) ein positiv wirkendes „Im Hier und Jetzt – Der beste Tag meines Lebens“ zu machen – wohlgemerkt, ohne dass der Film von solch einem guten Tag erzählen würde. Vielmehr erstarrt Sarah Jessica Parkers Gesicht zwischen Schock und Trauer ob der eigenen Endlichkeit. Mit getragenen, bedeutungsschwangeren Szenen versucht Mode-Werbefilmer Fabien Constant eben das zu spiegeln. Was in phlegmatisch unkonzentrierten Bildausschnitten oft aber nur in langatmigen Leerlauf mündet.

Mit Jacqueline Bissets und Renée Zellwegers Kurzauftritten wird Parkers sterbende Karrierefrau dabei von Darstellerinnen flankiert, um die es in den letzten Jahren ebenfalls leiser geworden ist. Das verdeutlicht nicht nur, wie das Rollenangebot für Frauen mit steigendem Alter schrumpft. Es zeigt auch, wie schlecht sich ein einst erfolgreiches Rollenschema wieder abschütteln lässt, sogar im selbstproduzierten Film: „Sex and The City – mit Tumor“ wäre man versucht zu lästern, wenn man sieht, wie Parker auf schwindelerregenden High-Heels über New Yorks Pflaster klackert, das so schick, teuer und tot anmutet, wie man es zunehmend von Besuchern beschrieben bekommt.

Von Avantgarde und Subkultur ist selbst in den Jazz-Kreisen, in denen die erfolgreiche Großstadt-Bohemienne Vivienne als „stimmschwache“ Sängerin verkehrt, nichts mehr zu spüren. Man wohnt in teuer sanierten Luxus-Altbauten. Uber und Handy sind immer griffbereit, die begehrenden Männer auch. So begegnen Vivienne am vermeintlich schlimmsten Tag ihres Lebens nicht nur der attraktive Drummer ihrer Band, mit dem sie auf dem Dachboden des Proberaums und dem Bettlaken zu Hause herummacht, sondern auch ein attraktiver Uber-Fahrer, ein attraktiver Ex-Mann und ein attraktiver Freund besagter Jugendfreundin, die von einer Zukunft träumt, wenn die drei Kinder endlich aus dem Haus sind. Wenn sich der „beste Tag“ im Leben einer Frau an der Auswahlpalette ihrer Geschlechtspartner bemisst, dann wäre das für Vivienne tatsächlich dieser Tag. Zur empathischen Sternstunde des Sterbe-Films werden solch leblose Begegnungen aber auf keinen Fall.

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