Undercover (2019)

Krimi | Belgien/Deutschland 2019 | 500 (10 Folgen) Minuten

Regie: Eshref Reybrouck

Eine rasante belgische Krimi-Serie um zwei verdeckte Ermittler, die das Vertrauen des größten Ecstasy-Produzenten des Landes gewinnen wollen. Dafür geben sich die beiden „Undercover“- Polizisten als Paar aus und ziehen gemeinsam für einige Wochen auf einen belgischen Campingplatz in der Nähe von Limburg, wo der schillernde Drogenbaron am Wochenende als Dauercamper viel Zeit verbringt. Die dramaturgisch hochtourige und auf wahren Ereignissen beruhende Noir-Serie überzeugt durch ein glänzend gecastetes Darstellerensemble, packende Montage-Sequenzen und fintenreiche Drehbücher bis zum Finale. Trotz Anleihen bei thematisch ähnlichen Serien punktet sie durch einen spezifischen „Belgian Noir“-Look und viel schwarzen Humor und groteske Momente. - Ab 16.

Filmdaten

Originaltitel
UNDERCOVER
Produktionsland
Belgien/Deutschland
Produktionsjahr
2019
Regie
Eshref Reybrouck · Frank Devos
Buch
Nico Moolenaar · Piet Matthys · Bart Uytdenhouwen · Shane Gotcher
Kamera
Laurens De Geyter
Musik
Steve Willaert · Hans Mullens
Schnitt
Gert Fimmers
Darsteller
Tom Waes (Bob Lemmens) · Frank Lammers (Ferry Bouman) · Anna Drijver (Kim De Rooij) · Elise Schaap (Danielle Bouman) · Raymond Thiry (John Zwart)
Länge
500 (10 Folgen) Minuten
Kinostart
-
Fsk
ab 12 (Folge 1,2,4-6,8-10); ab 16 (Folge 3,7)
Pädagogisches Urteil
- Ab 16.
Genre
Krimi | Serie

Heimkino

Verleih DVD
Eye See Movies
Verleih Blu-ray
Eye see Movies
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Diskussion

Eine rasant inszenierte belgische Polizeiserie um zwei verdeckte Ermittler, die im Drogenmekka nahe der belgisch-deutschen Grenze verdeckt ermitteln.

Irgendwo in der belgischen Provinz Limburg. Hier nahe der deutsch-belgischen Grenze sieht alles erst einmal allzu beschaulich aus: Die Kleinstädte sind pittoresk, ihre Bewohner sind stolz auf ihren  heimischen Wacholderschnaps (Genever), die Milchkühe grasen selbstverständlich auf der Weide, der Ökotourismus boomt. Doch der Schein einer „grünen Idylle“ trügt, was bereits im heiter-skurrilen Vorspann der Krimiserie „Undercover“ selbstironisch in Szene gesetzt wird. Denn europäische Drogenkonsumenten wissen es längt: Seit den frühen 1980er Jahren brodelt, zischt und dampft es gerade hier in zahlreichen illegalen Labors wie nirgendwo sonst innerhalb der EU. Global agierende Mafiabanden und Drogenringe lassen in dieser besonders ruhigen Region im Nordwesten Flanderns längst das Gros der europäischen Ecstasy-Produktion herstellen.

So hat es sich zumindest das fünfköpfige Drehbuchteam um Showrunner Nico Moolenaar für diese ebenso rasante wie schwarzhumorige Noir-Serie ausgedacht. Ausgehend von einem realen Fahndungserfolg im Jahr 2013 im belgischen Chimay, bei dem es einer Reihe von Undercover-Ermittlern gelungen war, ein riesiges Drogenlabor zu zerschlagen, haben die Drehbuchautoren für die zehn Episoden der ersten Staffel mehrere Handlungsstränge um den dicklichen Drogenbaron Ferry Bouman (Frank Lammers) kreiiert.

Millionensummenspiel vom Campingplatz aus

In den Händen des trinkfesten Fußballfans laufen in „Undercover“ nahezu in jeder Episode alle Handlungsstränge zusammen. Während er werktags sein Leben vorwiegend in einer Hochsicherheitsvilla verbringt, kocht, isst, feiert und schläft er zusammen mit seiner naiv-kindlichen Ehefrau Danielle (Elise Schaap) an den Wochenenden vorwiegend auf dem örtlichen Campingplatz. Zusammen mit seinen Platznachbarn Jurgen van Kamp (Kevin Janssens), einem aggressiven Ex-Kickboxer, und Ferrys rechter Hand John Zwart (Raymond Thiry) steuert er aber auch von hier aus die meisten seiner kriminellen Geschäfte, von denen Danielle keinen blassen Schimmer hat.

Dabei geht es um riesige Geldsummen, denn der Straßenverkaufswert für die jährlich bis zu 500 Millionen produzierten Pillen, Smileys, Kügelchen und Co. beläuft sich laut der belgischen Staatsanwaltschat auf gut zwei Milliarden Euro. Und Ferry ist der dickste Fisch in diesem Drogenmeer. Ihn versucht nun ein verdeckt vorgehendes Ermittlerpaar (Tom Waes als Bob Lemmens und Anna Drijver als Kim De Rooij) auf Drängen einer toughen Staatsanwältin dingfest zu machen.

Als titelgebende „Undercover“-Agenten und mit den Decknamen „Peter“ und „Anouk“ beziehen die beiden Polizeifahnder kurzerhand einen Dauercampingplatz in unmittelbarer Nähe zu Ferry und seinem kriminellen Clan. Zudem geben sich Bob/„Peter“ und Kim/„Anouk“ gegenüber den Campingplatzbewohnern als Paar aus, um bei ihrer Spionagearbeit möglichst unauffällig vorgehen zu können. Peter gibt zusätzlich vor, ein international agierendes Transportunternehmen zu führen, während sich Kim schnell mit der Ehefrau des Paten anfreunden und langfristig auch ihre sexuelle Zuneigung gewinnen möchte.

Figuren an der Grenze zum Grotesken

Im Laufe dieser zehn kurzweiligen Episoden, die über viele dramaturgisch gelungene Cliffhanger-Momente verfügen, überzeugt vor allem das formidabel zusammengestellte Schauspielensemble. Jeder Figur spielt darin immer an der Grenze zum Grotesken, ohne den dramaturgischen Bogen je zu überspannen. Außerdem verneigen sich die beiden Regisseure Eshref Reybrouck und Frank Devos film- und fernsehgeschichtlich gleich in mehreren sarkastischen Szenen vor Referenzserien wie „The Sopranos“ oder „Narcos“, „4 Blocks“ oder „Breaking Bad“, ohne zu plagiieren.

Vielmehr verleiht die spannende und ästhetisch ausgefeilte Crime-Serie dem Sujet eine spezifisch belgische Noir-Note und weckt sowohl inhaltlich wie formal Assoziationen zu einigen bemerkenswert belgisch-flämischen Filmen aus der jüngeren Vergangenheit (z.B. „Die Beschissenheit der Dinge“ oder „Bullhead“), in denen sich ähnlich wie in „Undercover“ schräg-schrille Momente beständig mit emotional wuchtigen abwechseln. In den besten Szenen der mehrfach ironisch gebrochenen Serie entsteht daraus ein liebevoll grotesker Provinzthriller, der weniger durch actiongeladene Verfolgungsjagden oder überraschende Intrigen im Polizeimilieu glänzt, sondern in toto als gesellschaftlicher Zerrspiegel eines weiterhin uneinheitlichen Landes in der Mitte Europas fungiert.

 

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