Lebende Ware

Drama | DDR 1966 | 97 Minuten

Regie: Wolfgang Luderer

Im Frühjahr 1944 stehen sich zwei Obersturmbannführer im Machtkampf zwischen verschiedenen SS-Einheiten um Einfluss und materielle Gewinne gegenüber. Während der eine mit der Deportation der jüdischen Bevölkerung in die Vernichtungslager beginnen will, ist der andere von Himmler mit der Beschaffung kriegswichtiger Güter und Devisen beauftragt. Zwischen die Fronten gerät der von den Besatzern aufgestellte „Judenrat“, dessen Mitglieder die Frage quält, ob durch Verhandlungen mit den Nazis Leben gerettet werden können oder sich jede Kollaboration verbietet. Der dialogreiche, vorzüglich gespielte Film investiert viel Zeit in die Erklärung machthierarchischer Zusammenhänge zwischen deutschen Einheiten, der ungarischen Marionettenregierung und den Vertretern des „Judenrats“. Filmisch findet er dafür keine überzeugende Lösung; seinen hohen Wert bezieht er aus seiner erst heute durch das Privileg der historischen Draufsicht möglich gewordenen Kontextualisierung. - Ab 14.

Filmdaten

Originaltitel
Produktionsland
DDR
Produktionsjahr
1966
Regie
Wolfgang Luderer
Buch
Walter Jupé · Friedrich Karl Kaul · Wolfgang Luderer
Kamera
Hans Heinrich
Musik
Wolfgang Lesser
Schnitt
Wally Gurschke
Darsteller
Horst Schulze (Becher) · Marion van de Kamp (Gräfin) · Hannjo Hasse (Eichmann) · Siegfried Weiß (Chorin) · Wolfgang Greese (Kastner)
Länge
97 Minuten
Kinostart
-
Fsk
ab 0 (DVD)
Pädagogisches Urteil
- Ab 14.
Genre
Drama

Heimkino

Verleih DVD
absolut (16:9, 1.78:1, DD2.0 dt.)
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Der FILMDIENST präsentiert zusammen mit absolutMEDIEN ein vergessenes Zeitdokument über den (ost-)deutschen Umgang mit der Nazi-Vergangenheit und dem Holocaust.

Diskussion
Die DDR-Gründungsmythen basierten ganz wesentlich auf dem Postulat eines nicht zu hinterfragenden Antifaschismus. Während sich im Westen die alten Nazis nahtlos in das von den USA protegierte Wirtschaftswunder einzufügen wussten – so die Logik dieses Selbstverständnisses –, lebten im Osten angeblich nur noch jene Menschen, die aus der unheilvollen Geschichte gelernt hatten, die ihre Liebe und Arbeit nun für den Aufbau einer neuen, besseren Gesellschaft einsetzten. Per Parteibeschluss waren damit alle Täter und Mitläufer in den Westen abgeschoben worden; in der DDR gab es diese Spezies offiziell nicht mehr. Aus dieser Warte ließ sich komfortabel gegen militaristische und neonazistische Tendenzen in der Bundesrepublik wettern, die es ja tatsächlich gab, und nicht zu knapp. Die SED spannte ihre Kulturpolitik systematisch in diese Arg

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