Tal der Skorpione

Abenteuer | Deutschland 2019 | 131 Minuten

Regie: Patrick Roy Beckert

In einem abgelegenen Waldstück werden ein Dutzend aktenkundiger Schwerverbrecher aufeinandergehetzt. Die skrupellosen Initiatoren wollen aus dem Chromosomensatz desjenigen, der sich gegen alle anderen behauptet, das Gen für einen Übermenschen gewinnen. Der wüste Trashfilm setzt auf wilde Schießereien, simple Dialoge und die Kunst explosiver Spezialeffekte, wobei das Maß der unfreiwilligen Komik den Blutzoll mühelos aufwiegt.

Filmdaten

Originaltitel
Produktionsland
Deutschland
Produktionsjahr
2019
Regie
Patrick Roy Beckert
Buch
Patrick Roy Beckert
Kamera
Jann Holzapfel
Musik
Michael Donner
Schnitt
Patrick Roy Beckert
Darsteller
Patrick Roy Beckert (Sajoscha Petrosevic) · Ralf Richter (Hajo Jendriczek) · Claude Oliver Rudolph (Ruprecht Knochenhauer) · Martin Semmelrogge (Eyck Rhoder) · Mathieu Carrière (Der Billionär)
Länge
131 Minuten
Kinostart
20.06.2019
Fsk
ab 18; f
Genre
Abenteuer | Action | Trashfilm
Diskussion

Wüster Trashfilm, in dem eine Gruppe Schwerverbrecher in einem abgelegenen Wald aufeinandergehetzt wird, weil skrupellose Wissenschaftler nach dem Chromosomensatz des Übermenschen fahnden.

Eine frohe Botschaft für alle, die sich für extrem tiefergelegtes Trash-Kino aus Deutschland begeistern können, denn im Falle von „Tal der Skorpione“ wird mit ganz großer Kelle ausgeschenkt. Der Plan ist zugegebenermaßen auch teuflisch: Eine größere Gruppe aktenkundiger Krimineller wird erst überwältigt und betäubt, dann in den „Breakdown Forest“ transportiert und dort, nun schwer bewaffnet, „ausgewildert“. Die Gangster werden fortan gejagt und jagen sich auch gegenseitig, weil sie sich erst einen Reim auf das Geschehen machen müssen.

Ausgedacht hat sich dies ein Billionär (mit Verve gespielt von Mathieu Carrière), der schon mal die Parabel vom Skorpion und dem Frosch beisteuert, um über die Natur der Delinquenten zu philosophieren. Die Jagd sei „ein Spiel für die High Society“ – mit sinisteren Ambitionen, denn aus dem Genpool des überlebenden Siegers soll später ein Übermensch geklont werden. Doch bis sich der perfekte Proband herauskristallisiert hat, ist es ein langer, blutiger und überdies ziemlich unübersichtlicher Weg, der mit Leichen gepflastert ist.

Es wird wild herumgeballert

„Tal der Skorpione“ ist das mit 130 Minuten sehr lang geratene Spielfilmdebüt des Autodidakten Patrick Roy Beckert (Jahrgang 1990). Der zeichnet nicht nur für Regie, Drehbuch und Montage verantwortlich, sondern hat auch eine der Hauptrollen übernommen. Beckert ist Fan einer etwas simpleren Variante des Actiongenres. Hier wird hauptsächlich wild in der Gegend herumgeballert, und wenn einmal kurz Waffenruhe herrscht, setzt es einschlägige Dialoge wie: „Wer seid ihr?“ – „Das Gleiche könnten wir euch auch fragen!“ Oder: „Wir waren in der Fremdenlegion und haben dort Sachen gemacht, was Männer so machen müssen.“ In die Kategorie der unmissverständlichen Figurencharakteristik fällt, wenn immer mal wieder von „Untermenschen“, „Polacken“ und „Euthanasie“ die Rede ist.

Wenn im Wald, der das titelgebende Tal komplett vermissen lässt, Leichen gefunden werden („Beruhige dich, es sind nur tote Menschen!“) oder die Möglichkeit von Sprengfallen erwähnt wird, heißt es sogleich: „Du hast wohl zu viele Actionfilme gesehen!“ Und wenn ein einsam gelegenes Holzhaus den Film kurzzeitig in ein anderes Genre „metamorphisiert“ (Beckert im Presseheft), dann wird der Zuschauer gewarnt: „Du hast wohl zu viele Horrorfilme gesehen!“

„Hätten wir nur unsere Handys dabei!“

Besonders stolz ist Beckert darauf, dass es ihm gelungen ist, die Mannschaft des Wolfgang-Petersen-Klassikers Das Boot“ wiederzuvereinen, was aber nur die halbe Wahrheit ist, denn es hetzt hier nur der Teil der „Boot“-Besatzung durch den Wald, dem eine gewisse Nähe zum Trash und zum munteren Chargieren nachgerühmt werden kann: Martin Semmelrogge, Claude-Oliver Rudolph und Ralf Richter. Ergänzt wird dieser prominente Cast durch allerlei Fernsehprominenten, für die allesamt gilt: „Hätten wir unsere Handys, könnten wir leuchten!“

Besondere Freude bei der Arbeit an „Tal der Skorpione“ hatte die SFX-Abteilung, denn bei expliziter Gewaltdarstellung hält es die Inszenierung gerne, wenn auch viel limitierter, mit Sam Peckinpah, Walter Hill oder John Carpenter. Zu den mittlerweile im Genre unumgänglichen augenzwinkernden Momenten gehört wohl auch die Klage, dass die Munition knapp werde, obwohl beim nächsten Schusswechsel derart unablässig gefeuert wird, als seien die Kugeln kistenweise verfügbar. Oder wenn Mathieu Carrière über seine Tochter Elena in der Rolle der Traudel sagt: „Sie könnte meine Tochter sein!“ Oder, kurz und trefflich: „Flucht ist für uns keine Option. Wir brauchen einen Plan!“

„Jeder Tag der gleiche Scheiß!“

Besonders sehenswert ist die Performance von Thomas Kercmar als „Gebrüder Ribbeck“. Kercmar, der den Film auch produziert hat, liefert alle denkbaren Schattierungen des „mad scientist“, vom perfide-blasiert Bösen über das koboldhaft Tänzerische bis hin zum sprachmächtigen Philosophen, der das Wort vom „Odium der Ewigkeit“ im Mund führt. Ohne, im Gegensatz zu vielen anderen Darstellern, lächerlich zu wirken.

Am Schluss ist aus dem „Spiel für die High Society“ eine Art Krieg mit hohem Blutzoll geworden. Doch die Überlebenden wollen nicht mehr aus dem „Breakdown Forest“ heraus, weil draußen ja nur „Lügen und beschissene Menschen“ warten, die „beschissene Jobs“ machen: „Jeden Tag der gleiche Scheiß!“ Um Freiheit zu erlangen, müssen aus Gejagten Jäger werden, die die Verantwortlichen hinter dem „Breakdown Forest“ wie „räudige Hunde bis in die Hölle“ jagen. Ein offener Schluss, dessen pathetische Reden eine Fortsetzung befürchten lassen.

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