Khello Brüder

Dokumentarfilm | Deutschland 2018 | 76 Minuten

Regie: Hille Norden

Der syrische Journalist Tarek Khello floh 2013 vor dem Bürgerkrieg mit seiner Familie nach Deutschland, zwei Jahre später folgte ihm sein Bruder Zakwan Khello, ein Maler, der dem Bombenhagel in Aleppo entkam. Die Dokumentation interviewt die beiden Brüder und begleitet Zakwan Khello bei den Vorbereitungen zu einer Ausstellung, die seine Flucht in Form von düsteren Kohlezeichnungen nacherzählt. Durch diese Bilder gewinnt die recht konventionelle Reportage eine recht persönliche Note. - Ab 14.

Filmdaten

Originaltitel
Produktionsland
Deutschland
Produktionsjahr
2018
Regie
Hille Norden
Buch
Hille Norden
Kamera
Tim Butenschön
Schnitt
Tim Butenschön
Länge
76 Minuten
Kinostart
07.11.2019
Pädagogisches Urteil
- Ab 14.
Genre
Dokumentarfilm
Diskussion

Dokumentation über zwei Brüder aus Aleppo, der eine ein Journalist, der andere ein Maler, die vor den Gräueln des Krieges nach Deutschland geflohen sind.

„Bilder von der Flucht“, lautet der Titel einer düsteren Serie von Zeichnungen, in denen Zakwan Khello seine Erlebnisse der letzten Jahre mit dem Kohlestift verarbeitet hat: die Bombenangriffe auf Aleppo, die Toten, das Chaos, die Flucht, am Ende, mit sparsamen Einsatz von Farbe: die Ankunft in Deutschland.

Die Bilder sind emotional und verdichtet, haben aber auch eine dokumentarische Qualität. Eine Zeichnung, die in „Khello Brüder“ wiederholt zu sehen ist, hält einen Bombenangriff auf ein Haus fest. Das Gebäude scheint nach unten zu fließen, regelrecht zu weinen; im Strom mitgerissen werden drei schemenhafte Figuren, eine davon trägt ein kleines Kind im Arm.

Ein Wiedersehen in Leipzig

Zakwan Khello hat in Aleppo als Dozent für Malerei gearbeitet. Von seinen in Syrien produzierten Arbeiten existieren nur noch 17 Leinwände. Erst nachdem die Bilder über Umwege nach Deutschland gelangt waren, machte auch er sich auf den Weg und floh. Zakwan ist einer der beiden Khellos; der andere ist Tarek. Als politischer Journalist wurde es für ihn in Aleppo zu gefährlich. Nach einer Verhaftung flüchtete er zunächst in die Türkei, 2013 kam mit seiner Familie nach Deutschland. Erst nach drei Jahren sahen sich die Brüder wieder, inzwischen leben beide in Leipzig.

Die junge Filmemacherin Hille Norden, sie ist gerade mal 21 Jahre, erfuhr durch eine Ausstellung von Zakwan Khello. In ihrer Dokumentation, die im Wesentlichen aus Interviews besteht, ist er die Hauptfigur. Der überzeugte Pazifist hat viel zu erzählen: über seine Bilder, über die Versteinerung des Körpers im Moment des Todes. Seine Lebendigkeit und sein Assoziationsreichtum retten den Film. Denn „Khello Brüder“ kommt nur selten über das allgemeine und schablonenhafte Bild einer Fernsehreportage hinaus.

Aus der Wohnung wird ein Atelier

Gleich zu Beginn wird der Krieg in Syrien in Zahlen und Daten zusammengefasst. Diesen „tabellarischen“ Duktus vermag der Film bis zuletzt nicht ganz abzustreifen. Eine Off-Stimme berichtet über jeden Schritt der erfolgreichen Integration der Brüder: Deutschsprachkurs, erste Erfolge, Zakwans Ausstellung in einer evangelischen Kirche, seine freundliche Aufnahme durch ein Ehepaar, das ihm ein Zimmer überließ.

Auch Personen, die den syrischen Künstler auf die eine oder andere Weise unterstützt haben, kommen zu Wort, darunter eine Deutschlehrerin, eine Malerin und eine Mitarbeiterin am Europäischen Institut für Journalismus und Kommunikationsforschung. Am Ende bezieht Zakwan seine erste eigene Wohnung in Deutschland. Tarek, der ihm beim Einrichten hilft, beißt mit seinen Verbesserungsvorschlägen allerdings auf Granit. Sein Bruder hat die Wohnung im Nu in ein Atelier verwandelt.

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