Unsere große kleine Farm

Dokumentarfilm | USA 2019 | 92 Minuten

Regie: John Chester

Ein Paar in Los Angeles beschließt, eine biodynamische Farm zu gründen, obwohl es mit Landwirtschaft bislang nichts am Hut hatte. Mit optimistischer „Do it yourself“-Attitüde macht es sich ans Werk, was der Mann, ein Filmemacher, über sieben Jahre hinweg mit der Kamera dokumentiert. Anfang und Ende des dokumentarischen Familienfilms über den Aufbau der Farm tragen imagefilmhafte Züge. Insgesamt aber werden Humor und Drama, Information und Unterhaltung geschickt ausbalanciert. Beeindruckende Kameraaufnahmen zeigen Nutz- und Wildtiere aus nächster Nähe; gelegentlich fassen bilderbuchhafte Animationen komplexere Entwicklungen zusammen. - Ab 14.

Filmdaten

Originaltitel
THE BIGGEST LITTLE FARM
Produktionsland
USA
Produktionsjahr
2019
Regie
John Chester
Buch
John Chester · Mark Monroe
Kamera
John Chester
Musik
Jeff Beal
Schnitt
Amy Wilson
Länge
92 Minuten
Kinostart
11.07.2019
Fsk
ab 0; f
Pädagogisches Urteil
- Ab 14.
Genre
Dokumentarfilm

Heimkino

Verleih DVD
Prokino
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Ein Paar aus Los Angeles beschließt, biodynamische Landwirtschaft in großem Stil zu betreiben, was der Mann mit der Kamera über sieben Jahre hinweg dokumentiert.

Diskussion

Hunde, Hühner, Schweine und ganz viele unerhört niedliche Babytiere. Sie alle leben im Einklang mit der Natur und mit den Menschen, die ihnen dieses artgerechte Leben ermöglichen: Der Traum von Molly und John scheint einem Bilderbuch entsprungen – und überdies reichlich naiv. Die ersten Bilder von „Unsere große kleine Farm“ künden allerdings davon, dass es mit der Harmonie und dem Landleben in der sieben Jahre umspannenden Langzeitbeobachtung von John Chester doch nicht ganz so einfach wird.

Zwei Greenhorns haben Erfolg

Der Traum ist zunächst eher Mollys Traum. Die Köchin und Food-Bloggerin träumt davon, alle Lebensmittel, die sie zubereitet, auch selbst anzubauen: auf einer Farm, die den Bilderbuchstandards entspricht. Aus der tagebuchartigen Ich-Perspektive erzählt John, der eigentlich Kameramann und Dokumentarfilmer ist, wie es die beiden geschafft haben, als komplette Greenhorns tatsächlich eine gar nicht so kleine biodynamische Farm nördlich von Los Angeles zu gründen – und damit auch noch Erfolg zu haben.

Der Gründungsmythos rund um den Hund Todd mit den blauen Augen und seinem unwiderstehlichen Hundeblick wird ausführlich erzählt; John und Molly erzählen aus dem Off von dem Versprechen, das sie Todd gegeben haben: dass sie sein letztes Zuhause sein würden. Da er in dem Apartment in Santa Monica aber ohne Unterlass bellte, wenn er alleine war, blieb nur eine Lösung: raus aufs Land.

Die Finanzierung des umfangreichen Geländes und des Aufbaus der Farm – Mitarbeiter, Ausstattung, Wohnhaus, offenkundig nicht gerade kostengünstige Bewässerungs- und Kompostierungsanlagen – wird dann mit einer ebenfalls kinderbuchartigen Animation und einigen wenigen Sätzen vom Tisch gewischt: Viele Freunde hätten die Nachricht verbreitet, und Investoren, die sich für traditionelle Landwirtschaft interessierten, seien schwuppdiwupp an Bord gewesen.

Der Optimismus ist fast grenzenlos

Die erste Viertelstunde des Films mutet fast propagandistisch an, wie dann auch wieder das Ende des Films. Zu übertrieben emotionalisierender Musik freuen sich gut gelaunte Mitarbeiter im Gegenlicht; süße Hühner- und Entenküken werden willkommen geheißen. Der Optimismus ist fast grenzenlos. Da kann der ausgetrocknete Boden nur noch eine Frage der Zeit sein.

Der filmische Blick ist ein radikaler Binnenblick: die sie umgebenden, gigantischen Monokulturen und globale Zusammenhänge wie der Klimawandel werden zwar erwähnt, bleiben aber außen vor. Wohltuend ist einzig der leichte Skeptizismus, der in Johns rückblickendem Off-Kommentar anklingt. Ein Berater für biodynamische Landwirtschaft wird engagiert, der neben einer Wurmkompostanlage und Gründüngung die Nachahmung natürlicher Ökosysteme empfiehlt: „Diversität, Diversität, Diversität.“

Kojoten, Schnecken, Erdhörnchen

Spannend wird es in dem Moment, als John diese Empfehlung umzusetzen versucht – und immer wieder scheitert. Kojoten reißen Hühner und Enten, Erdhörnchen unterwandern massenhaft den Boden, eine Schneckenplage frisst die Zitronenbäume kahl. Bis John entdeckt, dass Beobachtung alles ist, weil er darauf mit Kreativität reagieren kann. Die Kojoten stellen sich allerdings als harte Nuss heraus, da sie auch elektrische Zäune überwinden – doch auch für dieses Problem wird es eine Lösung geben. Gegen die Erdhörnchen montiert John Eulenkästen, in die Schleiereulen Einzug halten. Und Enten fressen für ihr Leben gern Schnecken.

Aus „Unsere große kleine Farm“ wird eine mitreißende, humorvolle, dramatische Lektion darüber, wie Ökosysteme funktionieren und wie Landwirtschaft auch in großem Stil im Einklang mit der Natur aussehen kann. Dabei werden liebenswerte Tiercharaktere etabliert, allen voran Emma, das Schwein. Chesters Makro-, Infrarot- und Zeitlupenaufnahmen der (Wild-)Tierwelt sind spektakulär. Kolibris und Marienkäfer im Flug, Raubvögel und die Tiere der Nacht: aus der Dunkelheit blitzen die Augen eines Pumas.

Gegenwärtig arbeitet John Chester an einer Kinderbuchserie. Der erste Teil ist bereits erschienen: „Saving Emma the Pig“.

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