Horror | USA 2019 | 90 Minuten

Regie: Lars Klevberg

Eine als Hightech-Produkt und Multimedia-Wunderwerk vermarktete Spielpuppe für Jugendliche entpuppt sich als ein fehlprogrammiertes, höchst lebendiges Mordwerkzeug, das durch die digitale Vernetzung zur tödlichen Gefahr für ein ganzes Stadtviertel wird. Die Neuverfilmung von „Chucky – die Mörderpuppe“ (1988) verbindet auf brachiale Weise Horror, oberflächliche Comedy und extreme Gewalt, ohne den zeit- und technikkritischen Untertönen, die im Stoff angelegt sind, Aufmerksamkeit zu schenken.

Filmdaten

Originaltitel
CHILD'S PLAY
Produktionsland
USA
Produktionsjahr
2019
Regie
Lars Klevberg
Buch
Tyler Burton Smith
Kamera
Brendan Uegama
Musik
Bear McCreary
Schnitt
Tom Elkins · Julia Wong
Darsteller
Aubrey Plaza (Karen Barclay) · Brian Tyree Henry (Detective Mike Norris) · Tim Matheson (Henry Kaslan) · Gabriel Bateman (Andy Barclay) · David Lewis (Shane)
Länge
90 Minuten
Kinostart
18.07.2019
Fsk
ab 16; f
Genre
Horror
Diskussion

Remake von „Chucky - Die Mörderpuppe“ (1988) um eine alleinerziehende Mutter, die ihrem schwerhörigen Sohn eine Puppe schenkt, ohne deren mörderische Ambitionen zu erahnen.

13-jährige Jungs spielen eigentlich nicht mehr mit Puppen. Doch „Buddi“, ein 60 Zentimeter großer Kunststoff-Rotschopf des Multimedia-Giganten Kaslan Corp., ist eine Revolution auf dem Spielemarkt. Eigentlich könnte sich die alleinerziehende Karen einen solchen Hightech-Gefährten für ihren Sohn ohnehin nicht leisten, doch über das preisreduzierte Modell im Umtauschshop mit seinen rot glühenden Augen konnte sie nicht hinwegsehen.

Damit ist die Geburtstagsüberraschung für ihren Sohn Andy perfekt. Denn „Buddi“ ist ein Wunderwerk der Programmierkunst, made in China. Wenn die Puppe erst einmal mit dem Smartphone des Besitzers verbunden ist, kann sie wie ein Kumpel nahezu alle Wünsche und Sorgen quasi von Andys Gesicht ablesen. Und deren hat Andy viele! Als Schwerhöriger und überdies neu in der Nachbarschaft findet er nur schwer Anschluss, und auch in der Schule ist er keine Leuchte. Zudem empfindet er immer mehr Abneigung gegen den neuen Freund seiner Mutter. Da kommt ein Gesprächspartner wie „Buddi“, der sich „Chucky“ nennt, wie gerufen.

Im Affekt ausgeplauderte Unmutsäußerungen

Wenn man Chucky hat, bekommt man schnell neue Freunde. Omar, Falyn und Pugg aus der Nachbarschaft sind von dem kleinen Elektronik-Racker schwer angetan, der sich erstaunlich unkonventionell benimmt und Schimpfworte kennt, die eine normale Puppe nie aussprechen würde. Andy allerdings bekommt allmählich das Gefühl, dass mit seinem Spielgefährten etwas nicht stimmt: Der Kumpel ist allzu anhänglich und fordernd; außerdem benimmt er sich recht rabiat und kommt auch sonst erstaunlich lebensecht daher. Als Andys im Affekt ausgeplauderte Unmutsäußerungen über die zickige Hauskatze auf unappetitliche Weise deren Ende zur Folge hat, ist klar, dass man Chucky besser nicht zum Feind haben sollte.

31 Jahre ist es inzwischen her, dass ein übersinnlich begabter Serienkiller seine Seele mit den letzten Atemzügen auf eine Spielzeugpuppe übertrug, die als „Chucky, die Mörderpuppe“ fortan die Zuschauer entsetzte. 1988 schickte sie Regisseur Tom Holland gänzlich humorfrei und auf puren Horror und Suspense bedacht auf Menschenjagd. Bis heute sind fünf weitere Teile über den Kunststofffiesling entstanden. Dabei wurde der Horror, auch in Folge minderwertiger Drehbücher, zunehmend mit Zynismus und Sarkasmus versetzt, sodass die Reihe schließlich und irreführend als „Horrorcomedy“ vermarktet wurde.

Mehr Torture-Porn als wohldosierter Schrecken

Ganz in diesem Geiste funktioniert nun auch die Neuverfilmung von Lars Klevberg. Während sich die Teaserplakate des Films noch betont „sophisticated“ geben und einen Kampf des bösen (Chucky) gegen das gute Spielzeug andeuten, entpuppt sich der Film eher als plumpe Mischung aus komödiantischen Versatzstücken und übertrieben krassem Horror, der eher an „Torture-Porn“ als an wohl dosierten Schrecken erinnert.

Dabei hat „Child’s Play“ durchaus interessante Ansätze zu bieten, die auf intelligente Weise auf die fatale Allmacht der Sozialen Netzwerke und der hinter ihnen stehenden Megakonzerne anspielen. Als Dystopie hätte „Child’s Play“ verstörend wirken können, mit einem (in China!) absichtlich fehlprogrammierten Spielzeug, das via Smartphone, Cloud und der allumfassenden Vernetzung alle technischen Geräte infiziert. Einen perfideren Top-Terroristen als Chucky kann man sich nur schwer vorstellen. Da jedoch das „Kinderspiel“ als spaßige Unterhaltung konzipiert ist und sich mit seinem kruden Mix aus Witz und Gewalt eher an ein jüngeres Publikum wendet, ist Hintersinn nicht gefragt. Alles erschöpft sich in Oberfläche und Amüsement.

Die Schlüsselszene von „Child’s Play“ ist der Moment, wenn der 13-jährige Andy zusammen mit seinen kaum älteren Freunden (verbotenerweise) "The Texas Chainsaw Massacre 2" (1986) im Fernsehen sieht, um sich an den blutigen Innereien einer berüchtigten Sequenz zu belustigen. Horror als Mutprobe. So funktioniert auch „Child’s Play“.

Dass eine virtuose Kombination von Horror, Gewalt und Humor durchaus erhellende oder selbstreflexive Momente besitzen kann, ohne Angstlust oder Unterhaltung außen vor zu lassen, hat die jüngere Filmgeschichte von „Scream“ bis „Deadpool“ öfters belegt. „Child’s Play“ gehört nicht dazu. Dem beiläufig-befreienden Lacher wird hier alles untergeordnet, ganz so, wie es die Jugendlichen beim Schauen von „The Texas Chainsaw Massacre 2“ vormachen. Irritierenderweise hat die FSK diesen „Spaß“ trotz offensichtlich nicht jugendfreier Passagen „ab 16 Jahren“ freigegeben.

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