Action | Frankreich 2019 | 119 Minuten

Regie: Luc Besson

Eine junge Russin wird in Moskau von einer französischen Modelagentur entdeckt. Insgeheim arbeitet sie aber auch als Auftragsmörderin für den KGB und pendelt zwischen Moskau und Paris hin und her. Bis die CIA auf sie aufmerksam wird und sie als Doppelagentin in Dienst nehmen will. Die kompliziert erzählte, aber im Grunde recht überraschungslose Agentenstory führt das Publikum mit vielen doppelten Böden und einer zerstückelten Zeitstruktur an der Nase herum. Die Parallelführung von Model und Mörderin bleibt dabei bloße Attitüde und ist weder erzählerisch noch in einem übertragenen Sinne erkenntnisträchtig. - Ab 16.

Filmdaten

Originaltitel
ANNA
Produktionsland
Frankreich
Produktionsjahr
2019
Regie
Luc Besson
Buch
Luc Besson
Kamera
Thierry Arbogast
Musik
Eric Serra
Schnitt
Julien Rey
Darsteller
Sasha Luss (Anna) · Helen Mirren (Olga) · Luke Evans (Alex Tchenkov) · Cillian Murphy (Cillian Murphy) · Lera Abova (Lera Abova)
Länge
119 Minuten
Kinostart
18.07.2019
Fsk
ab 16; f
Pädagogisches Urteil
- Ab 16.
Genre
Action | Thriller
Diskussion

Agententhriller um eine junge Russin, die als Model und KGB-Auftragskillerin arbeitet und vom CIA als Doppelspionin angeheuert werden soll.

Matrjoschkas heißen jene bunt bemalten und eiförmigen russischen Puppen, bei der eine in der anderen verborgen ist. Darum weiß man nie, wie die nächste aussehen wird oder wie viele Puppen überhaupt in der einen Großen enthalten sind. Dieses Prinzip der Verschachtelung hat Luc Besson auf „Anna“ übertragen. Er etabliert mehrere Zeitebenen, etwa „Fünf Jahre früher“ oder „Drei Jahre später“, und wirft sie durcheinander. Stets wird am Schluss einer Sequenz eine wichtige Information ausgespart, um sie in der nächsten hinzuzufügen, bis sich am Ende alles zusammenfügt und eine Schlusspointe alles wieder in einem neuen Licht erscheinen lässt. Dass die Titelfigur zu Beginn des Films in Moskau Matrjoschkas verkauft, ist ein Wink mit dem Zaunpfahl: Auf den äußeren Schein ist kein Verlass.

1990. Anna, eine schöne junge Russin, wird auf dem Markt von einem Mitarbeiter einer französischen Modelagentur entdeckt. Plötzlich findet sie sich in Paris wieder und posiert vor den Kameras. Ihrer Schönheit wegen erregt sie die Aufmerksamkeit eines schwerreichen russischen Geschäftsmannes, der illegal mit Waffen handelt und das so gescheffelte Geld in die Modelagentur investieren will. Nach einigen Wochen des Flirts sieht es so aus, als ob Anna mit dem älteren Mann ins Bett gehen würde. Stattdessen schießt sie ihm eine Kugel in den Kopf.

In Diensten des KGB

Nun erfährt man, wie es dazu kommen konnte. Fünf Jahre zuvor lebte Anna noch am Rande der Gesellschaft mit ihrem gewalttätigen und drogenabhängigen Freund zusammen. Alex, ein KGB-Agent, erkennt in ihrer Mischung aus Schönheit, Intelligenz und Ehrgeiz den Nutzen für den Geheimdienst, auch wenn seine Chefin Olga, von Helen Mirren ironisch gespielt, noch skeptisch ist.

Zurück im Jahre 1990, hält Anna ihr Doppelleben als erfolgreiches Model und als Killerin für den KGB aufrecht und leistet sich sogar eine Affäre mit Alex. Allerdings ist mittlerweile auch die CIA auf die junge Frau aufmerksam geworden und setzt ihren Agenten Lenny Miller auf sie an. Die US-Amerikaner haben noch eine Rechnung mit den Russen offen. Nun erklärt sich auch der Prolog des Films, in dem neun CIA-Agenten vom KGB ausgeschaltet wurden.

Es ist nicht der letzte doppelte Boden, den Besson in seiner Erzählung einzieht. Anstatt die Geschichte linear zu erzählen, macht er sich einen Spaß daraus, den Zuschauer zu verwirren und an der Nase herumzuführen. Spannung entsteht so allerdings nicht, im Gegenteil. Wenn alles unsicher ist, kann man sich auf nichts mehr verlassen und verliert das Interesse. Die zerstückelte Zeitstruktur lenkt überdies nur davon ab, wie unerheblich und oberflächlich die Handlung ist.

Schöne Frauen in schwarzem Leder

„Anna“ wirkt darüber hinaus wie ein Sammelsurium von Motiven, die den Regisseur in seinen früheren Filmen beschäftigten. Besson ist ein Liebhaber schöner, starker Frauen. Das zeigen Anne Parillaud in „Nikita“ (1989), Natalie Portman in „Léon – Der Profi“ (1994) oder Milla Jovovich in „Johanna von Orleans“ (1999). Jetzt steht Sasha Luss vor der Kamera, der allerdings das Charisma ihrer Vorgängerinnen fehlt. Einmal schießt sie in schwarzes Leder gekleidet in einem Restaurant alles kurz und klein – eine deutliche Anspielung auf „Nikita“. Ein anderes Mal tritt sie im langen Ledermantel als Domina auf, darunter nur mit schwarzen Dessous bekleidet.

Zum Beruf des Models gehören auch die Masken. Einmal stellt der Film in rascher Bilderfolge ihre Aufträge als Model und als Mörderin gegenüber, durch die Verkleidungen nimmt Anna immer neue Rollen an. Das ist nett anzuschauen, aber nicht sehr erkenntnisreich. Spätestens hier bemerkt man, was „Anna“ im Gegensatz zu früheren „Bessons“ fehlt: Humor.

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