Dragged Across Concrete

Thriller | USA 2018 | 152 Minuten

Regie: S. Craig Zahler

Zwei Cops werden wegen Brutalität bei der Verhaftung eines Verdächtigen vom Dienst suspendiert. Bei dem Versuch, illegal ihren Lohnausfall auszugleichen, geraten sie mit einer skrupellosen Bande aneinander, die eine Bank überfällt, mehrere Menschen tötet und eine Geisel nimmt. Der Versuch der Cops, die Geisel zu befreien und an die Beute zu kommen, wird zum blutigen Gefecht. Bei den Gangstern ist auch ein junger Afroamerikaner, der als Fluchtwagenfahrer angeheurt wurde und nun versucht, mit heiler Haut aus der Sache rauszukommen. Ein dramaturgisch ungemein ausladender Thriller mit heftigen Gewaltspitzen, der zunächst episch die Hauptfiguren und auch die Vorgeschichte unwichtiger Nebenfiguren einführt,um dann in einen atmosphärisch inszenierten, brutalen Showdown zu münden. - Ab 18.

Filmdaten

Originaltitel
DRAGGED ACROSS CONCRETE
Produktionsland
USA
Produktionsjahr
2018
Regie
S. Craig Zahler
Buch
S. Craig Zahler
Kamera
Benji Bakshi
Musik
Jeff Herriott · The O'Jays · S. Craig Zahler
Schnitt
Greg D'Auria
Darsteller
Mel Gibson (Brett Ridgeman) · Vince Vaughn (Anthony Lurasetti) · Tory Kittles (Henry Johns) · Michael Jai White (Biscuit) · Thomas Kretschmann (Lorentz Vogelmann)
Länge
152 Minuten
Kinostart
-
Fsk
ab 16; f
Pädagogisches Urteil
- Ab 18.
Genre
Thriller

Heimkino

Verleih DVD
Universum
Verleih Blu-ray
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Diskussion

Ein Action-Thriller von Craig M. Zahler um den blutigen Clash zweier vom Dienst suspendierter Cops mit einer skrupellosen Verbrecherbande, die eine Bank überfallen hat.

Wer Actionfilme dafür liebt, dass sie rasch zur Sache kommen, der wird mit S. Craig Zahlers „Dragged Across Concrete“ überhaupt nichts anfangen können. Zahler hat sich einen Namen mit ungewohnt verschnörkelten, zugleich brutalen Werken gemacht – dem Western Bone Tomahawk oder zuletzt dem Gefängnisfilm Brawl in Cell Block 99, dem die FSK ungeschnitten die Jugendfreigabe verweigerte. Nahaufnahmen von Verstümmelungen und entnommenen Eingeweiden sind bei Zahler keine Seltenheit. Zugleich führt er Figuren ausführlich ins Geschehen ein, um sie dann abrupt wieder fallenzulassen. Seine Einstellungen sind von arthousehafter Langatmigkeit.

Zwei reaktionäre Cops & eine brutale Bande

All das lässt sich auch über den über zweieinhalb Stunden langen „Dragged Across Concrete“ sagen, in dem Zahler zunächst den frisch aus dem Knast entlassenen Afroamerikaner Henry (Tory Kittles) bei seinen ersten Schritten in Freiheit begleitet. Im Bett mit einem Mädchen von einst, später zu Hause einen Freier seiner Mutter verjagend, beim Zocken eines Computerspiels mit dem kleinen behinderten Bruder. Auch sonst benimmt sich Henry, als wäre er nie fortgewesen. Doch bald verlässt Zahler diesen Strang erstmal, um sich einem Drogeneinsatz von Detective Ridgeman (Mel Gibson) und seinem jüngeren Kompagnon Lusaretti (Vince Vaughn) zu widmen. Sie nehmen einen schwarzen Dealer hoch, Ridgeman drückt dem Verdächtigen seinen Schuh ins Genick. Pech für die beiden Cops, dass ein Passant den Übergriff auf seinem Handy verewigt hat: Ridgeman und Lusaretti werden vorläufig suspendiert, ohne Lohnfortzahlung. Um seine Familie über Wasser zu halten, verfällt Ridgeman nun auf eine Idee, die ihn schließlich Henrys Weg kreuzen lässt. Dieser soll bei einem vom sadistischen Mastermind Lorentz Vogelmann (Thomas Kretschmann) ausgeklügelten Bankraub mit seinem Kumpel den Fluchtwagen steuern. Ridgeman, der Vogelmann nach einem Tipp des obskuren Unternehmers Friedrich (Udo Kier) observiert, möchte die Beute schließlich absahnen. Doch weder Ridgeman noch Henry wissen, auf welch wahnsinniges Kommando sie sich hier eingelassen haben.

Ausladend, nicht immer schlüssig, aber atmosphärisch

Mel Gibson scheint als reaktionärer und verbitterter Cop mit Schnäuzer kurz vor der Rente immer dann sich selbst zu spielen, wenn er sein Unverständnis für politische Korrektheit zum Ausdruck bringt. Er kann sich nicht anpassen an die neue Zeit, anders als sein einstiger Kollege und heutiger Vorgesetzter (Don Johnson). Dabei wirkt Ridgeman als fürsorglicher Vater seiner von Ghettokids gedemütigten Tochter, als liebevoller Ehemann seiner an MS erkrankten Frau eigentlich wie ein guter Kerl. Doch es nagt an ihm, dass er in seinem Alter immer noch auf der Straße seinen Dienst tun muss – auf dieses Über-den-Asphalt-gezogen-werden spielt auch der Filmtitel an.

„Dragged Across Concrete“ ist ein zwar nicht immer schlüssiger, doch stets atmosphärischer Film, bei dem man stets gespannt ist, wen S. Craig Zahler (der auch das Drehbuch schrieb) als nächsten opfert – Blutzoll ist jedenfalls so reichlich wie regelmäßig zu entrichten. Coole Actionheldensprüche werden nur gelegentlich gedroschen, die Choreographien ziehen ihre Spannung gerade aus dem mehr als behutsamen Handlungsaufbau. Trotz der Anspielungen auf die ständige soziale Überwachung der Polizei durch aufmerksame Hobbyfilmer wirkt „Dragged Across Concrete“ konzentriert analog. Dazu trägt auch Benji Bakshis unaufdringliche Kameraführung bei. Vince Vaughn, der mit Gibson schon bei dessen Regiearbeit „Hacksaw Ridge“ zusammenarbeitete, läuft als Italoamerikaner Lurasetti zunächst eher mit. Ridgeman verspricht ihm seinen Anteil an der Beute – doch es scheint eher die Treue zum Partner zu sein, die ihn antreibt.

 

 

 

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