Dokumentarfilm | Deutschland 2019 | 91 Minuten

Regie: Klaus Peter Karger

Dokumentarfilm über zwei befreundete Männer, die seit mehr als drei Jahrzehnten mit ihrer kleinen Bühne in süddeutschen Städten gemeinsam als Clowns auftreten. Das mit einfachen und konventionellen Mitteln produzierte Werk blickt hinter die Fassade der Bühnenshows auf den Alltag der beiden „Spaßmacher“, erzählt von den Veränderungen ihres Programms und dem Wandel in ihrem Verhältnis im Laufe der Jahre. Dabei profitiert betont kleine, sehr persönliche und gerade dadurch liebenswerte Dokumentation von der bemerkenswerten Offenheit, mit der die beiden selbstkritischen Protagonisten über sich und ihre Lebensentwürfe sprechen. - Ab 12.

Filmdaten

Originaltitel
Produktionsland
Deutschland
Produktionsjahr
2019
Regie
Klaus Peter Karger
Buch
Klaus Peter Karger
Kamera
Klaus Peter Karger
Musik
Frank Herrlinger
Schnitt
Klaus Peter Karger
Länge
91 Minuten
Kinostart
15.08.2019
Fsk
ab 0; f
Pädagogisches Urteil
- Ab 12.
Genre
Dokumentarfilm
Diskussion

Kleiner und sehr persönlicher Dokumentarfilm über zwei befreundete Männer, die seit mehr als drei Jahrzehnten mit ihrer kleinen Bühne in süddeutschen Städten gemeinsam als Clowns auftreten.

Wer als Straßenmusiker durch Fußgängerzonen tingelt, hofft nicht selten insgeheim doch auf die große Karriere. Wer hingegen als Clown die Städte und Dörfer der Republik bereist, der weiß, dass die Kindergärten, die Marktplätze, die Freibäder und Turnhallen wohl stets seine einzigen Bühnen bleiben werden. Seit über 30 Jahren sind Roland Kurz und Uwe Spille mittlerweile gemeinsam als „Kakerlaki Clowntheater“ unterwegs. Und wahrscheinlich ist es kein Zufall, dass Uwe Spille fast genauso lange auch Buddhist ist. Man muss wohl schon das Glück im Augenblick suchen und in dem, was man tut, finden, wenn man über einen derart langen Zeitraum hinweg und mit im Grunde immer ähnlichen Gags kleine Kinder stets aufs Neue zum Lachen bringen möchte.

Der Dokumentarfilmer Klaus Peter Karger, der wie Kurz und Spille in Villingen-Schwenningen lebt, nähert sich den Lebensentwürfen seiner beiden Protagonisten respektvoll, mit viel Sympathie und ohne jenen urbanen Hochmut, der das kulturelle Leben jenseits der großen Bühnen und Städte oftmals leichthin als provinziell abtut. „Die Spaßmacher“ entwickelt sich so zu einem außergewöhnlich persönlichen und ehrlichen Porträt zweier Menschen, die sich leidenschaftlich gerade den und dem Kleinen verschrieben haben.

Von Weltrettern zum Unterhaltungsduo

Dabei waren auch Spille und Kurz einmal angetreten, die Welt mit ihren Auftritten zu verändern. In den 1980er-Jahren machten sie in verschiedenen Formationen politisches Kabarett, protestierten gegen die geplante Wiederaufarbeitungsanlage in Wackersdorf oder verarbeiteten die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl in einem satirischen Programm. Ernüchtert mussten sie irgendwann feststellen, dass sie mit alldem kaum etwas bewegten. Nicht länger sollten ihre Auftritte fortan Mittel zum Zweck sein, sondern zum Selbstzweck werden. Sie entschlossen sich, Unterhaltung zu betreiben. Das „Kakerlaki Clowntheater“ war geboren.

Seit nunmehr über drei Jahrzehnten reisen die Kakerlakis mit mittlerweile fünf Programmen überwiegend durch Süddeutschland. Ihre Bühne ist in einer Viertelstunde aufgebaut, und selbstverständlich machen sie das selbst. Dieser Minimalismus ist ihnen wichtig. Alles, was sie an Requisiten brauchen, soll in einen Kofferraum passen. Sie schminken sich – auch das längst nicht mehr so stark wir früher, schlüpfen in ihre Kostüme und damit in ihre Rollen. Schon kann es losgehen. Roland Kurz zieht sich die rote Nase auf und gibt den naiven, gutmütigen, aber stets zu Streichen aufgelegten Clown Beppo, während Uwe Spille den selbstverliebten, besserwisserischen und erwachseneren Ferdinand mimt. Gemeinsam begeben sie sich dann auf eine Weltreise, kochen Spaghetti, jagen Gespenster, singen, tanzen, albern herum und führen Kunststücke auf.

Die Entwicklung der Menschen hinter dem Programm

Indem Karger alte und neue Aufnahmen ihrer Shows gegenschneidet, verdeutlicht er einerseits, wie zeitlos der Humor kleiner Kinder ist, zeigt andererseits jedoch auch, dass die Akrobatik- und Zirkuselemente bei den Auftritten der Kakerlakis zunehmend erzählerischen und dramaturgischen Konzepten gewichen sind. Viel mehr aber als für die Entwicklung des Programms interessiert sich der Regisseur für diejenige der Menschen dahinter. Und es ist erst diese Perspektive, die dem Film seinen eigenen, unprätentiösen Charme verleiht. Man kommt den beiden Protagonisten erstaunlich nah, wenn sie von ihren Krisen miteinander erzählen, von den kleinen Eifersüchteleien, unter denen vor allem Spille litt, weil der nette, knuffige Beppo den Kindern fast immer lieber und sympathischer war. Während Spille sich als freiberuflicher Künstler und Autor finanziell mehr schlecht als recht durchschlug, behielt Kurz eine 50-Prozent-Stelle bei der Drogenberatung. Ein Nebeneinander zweier gegensätzlicher Welten, das ihm wichtig war.

Bemerkenswert offen berichten die beiden „Spaßmacher“ gegenüber der stets unsichtbaren Filmcrew und damit letztlich uns Zuschauern von ihren Sorgen, ihren Hoffnungen, ihren Gedanken, ihren Plänen, ihrem kleinen Glück. Ähnlich wie Spille die Kakerlakis in der puristischen Tradition des „armen Theaters“ sieht, würdigt Karger ihr Schaffen in einem „armen Film“ mit schlichten filmischen Mitteln: ein paar Archivaufnahmen, Schwenks über großäugige, lachende Kindergesichter, Interviews. Das war’s. Eine ganz kleine, unaufgeregte, liebenswerte Dokumentation.

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