Action | USA 2019 | 88 Minuten

Regie: Alexandre Aja

Als ein Hurrikan auf die Westküste Floridas zusteuert, will eine junge Frau ihren einsiedlerischen Vater vor dem Sturm retten. Dieser stellt sich jedoch vor Ort als zweitrangiges Problem heraus, da auch zahlreiche gefräßige Alligatoren in dem zunehmend überfluteten Gebiet Jagd auf Menschen machen. Zupackender, wenig zimperlicher Tierhorrorfilm, der sich ironiefrei und ohne höheren Anspruch dem Kampf Mensch gegen Natur widmet. Dabei funktionieren seine Effekte auch deshalb überzeugend, weil er sich auf glaubhafte leidende Darsteller verlassen kann.

Filmdaten

Originaltitel
CRAWL
Produktionsland
USA
Produktionsjahr
2019
Regie
Alexandre Aja
Buch
Michael Rasmussen · Shawn Rasmussen
Kamera
Maxime Alexandre
Musik
Max Aruj · Steffen Thum
Schnitt
Elliot Greenberg
Darsteller
Kaya Scodelario (Haley) · Barry Pepper (Dave) · Morfydd Clark (Beth) · Ross Anderson (Wayne) · Jose Palma (Pete)
Länge
88 Minuten
Kinostart
22.08.2019
Fsk
ab 16; f
Genre
Action | Horror
Diskussion

Effektvoller, wenig zimperlicher Tierhorrorfilm, mit einem Hurrikan als zusätzlicher Gefahrenquelle, der sich ironiefrei und ohne höheren Anspruch dem Kampf Mensch gegen Natur widmet.

Da braut sich ordentlich was zusammen! Der Hurrikan hat kurzfristig die Richtung gewechselt und hält direkt auf die Westküste Floridas zu. Genau dort, wo Eigenbrötler Dave noch das Haus hält, das einst für die glücklicheren Tage der Familie Keller stand. Damals, als der ehrgeizige Daddy als Schwimmtrainer seine kleine Haley noch zu Höchstleistungen triezte und die vierköpfige Familie noch intakt war. Nun fühlt sich die Sportstudentin als einzige auch aktiv für ihren Vater verantwortlich, sodass sie sich mürrisch ins Auto setzt und Hund Sugar einpackt, um im Sturmgebiet ihrer alten Heimat ihren Daddy einzusammeln, der sich offensichtlich einmal mehr nicht um die Warnungen der Behörden schert. Falsch gedacht, denn Dave ist nicht uneinsichtig, sondern er liegt angegriffen und verletzt im Unterbau des sturmumtosten Strandhauses (ob der niedrigen Höhe wird das feuchte Basement im Englischen sinnigerweise „crawlspace“ genannt). Der ebenfalls Schutz suchende „Täter“ ist noch ganz in der Nähe, hat vier Beine, eine ledrig graue Panzerhaut und ein riesiges zahnbewehrtes Maul; bereit, alles, was sich bewegt, in Teilen zu verschlingen.

„Crawl“ fackelt nicht lange. Nach der kurzen Einführung in die prekäre Familiensituation der Kellers halten sich das Autorenteam Shawn und Michael Rasmussen und ihr Regisseur Alexandre Aja nicht weiter mit Storytelling auf, sondern kommen unmittelbar zur Sache. Es geht um Beißen und Gebissen werden. Alligatoren schwimmen durch die zunehmend überflutete Szenerie und inszenieren sich eindrucksvoll als Spitze der Nahrungskette. Egal, wie stark der Sturm auch weht, er dient nur dazu, um die Zivilisation aus der archaischen Geschichte um Leben und Tod herauszuhalten.

Zu Wasser, zu Lande und auf dem Dach gegen die Echsen

Neben kurzen Intermezzi mit armen Tröpfen, die den Leichenanteil des Filmes in die Höhe treiben und veranschaulichen sollen, was die Echsen so schlucken können, geht es um Haley und Dave (und Sugar) und ihr Überleben zu Wasser, zu Lande und auf dem Dach. Dabei gehen die Filmemacher mit ihren beiden menschlichen Protagonisten wahrlich nicht zimperlich um. Ziel ist es, dem Zuschauer vor Augen zu führen, das mit den tumben Kaltblütern nicht zu spaßen ist. Durchaus ein Pluspunkt des effektiven Tiefhorrors, der sich dankenswerterweise erstaunlich humorfrei mit dem Kampf Mensch gegen Natur beschäftigt.

Aber einen zweiten Der weiße Hai bekommt man trotzdem nicht präsentiert: Zu sehr begnügt sich der Actionfilm mit dem Schock des Moments und dem Vermitteln des Schmerzes. Dass das natürlich im Laufe der übersichtlichen 87 Minuten kaum tiefer geht als eine kurze Unachtsamkeit beim Zwiebelschneiden, ist nicht weiter verwunderlich. Was hier zählt, sind Oberflächenreize. Regisseur Aja, der seit High Tension als einer der Vorreiter des ultraharten französischen Slasherkinos gilt und seit über zehn Jahren auch in den USA leidlich erfolgreichen Horror produziert, hält sich mit übertrieben expliziten Bildern zwar zurück, weh tut „Crawl“ dennoch. Nicht zuletzt aufgrund der Prüfungen, die er seinen Hauptdarstellern auferlegt. „Maze Runner“-Hauptdarstellerin Kaya Scodelario und der verlässliche Barry Pepper erledigen ihre Sache ohne Starallüren und glaubwürdig, sodass gar manch abenteuerliche Handlungskapriole kaschiert wird.

Man kann „Crawl“ als zielführend im Sinne der Popcornunterhaltung betrachten, für dessen unterhaltsame Umsetzung nicht zuletzt Sam Raimi steht, der sich als Produzent hier erstmals an Tierhorror versuchte. Für nachhaltiges Monsterkino steht „Crawl“ zwar nicht, aber vielleicht haben die Beteiligten ja jetzt Blut geleckt.

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