A Gschicht über d'Lieb

Heimatfilm | Deutschland 2018 | 97 Minuten

Regie: Peter Evers

Anfang der 1950er-Jahre sind in einem kleinen baden-württembergischen Dorf die Wege fest vorgezeichnet. Als sich Sohn und Tochter eines örtlichen Bauern, die eine inzestuöse Liebe verbindet, gegen Traditionen und Normen auflehnen, beschwören sie den Zorn der patriarchalischen Gemeinde herauf, die rigoros gegen Abweichler vorgeht. Eine mit genretypischen Elementen des Heimatfilms angereicherte Geschwister-Liebesgeschichte, die trotz Gesellschaftskritik und Enttabuisierung sexueller Normen ein wenig gediegen wirkt. Trotz der Anprangerung reaktionärer Strukturen tendiert der Film eher zum Beschaulichen als zum Exzess. - Ab 16.

Filmdaten

Originaltitel
Produktionsland
Deutschland
Produktionsjahr
2018
Regie
Peter Evers
Buch
Peter Evers
Kamera
Pascal Schmit
Musik
Bob Gutdeutsch
Schnitt
Silvia Schönhardt
Darsteller
Svenja Jung (Maria) · Merlin Rose (Gregor) · Thomas Sarbacher (Vater) · Eleonore Weisgerber (Die Badnerin) · Ludwig Blochberger (Thomas)
Länge
97 Minuten
Kinostart
29.08.2019
Fsk
ab 12; f
Pädagogisches Urteil
- Ab 16.
Genre
Heimatfilm | Melodram
Diskussion

Eine mit genretypischen Elementen des Heimatfilms angereicherte Geschwister-Liebesgeschichte in einem traditionalistischen süddeutschen Dorf in den 1950ern, Gesellschaftskritik und Enttabuisierung sexueller Normen eher gediegen.

Beim Bacherbauern scheppert es. Gregor, schwarze Lederjacke statt Janker – ein Angriff nicht nur auf die Kleiderordnung –, hat mal wieder in der Autowerkstatt herumgeschraubt, anstatt sich auf dem Acker nützlich zu machen. Dabei soll er doch den väterlichen Hof übernehmen, zeigen, dass er der nächste Bauer wird. Doch Gregor hat andere Pläne: eine eigene Tankstelle, an der geplanten Bundesstraße, nur das Geld fehlt. Umso herzhafter brettert seine Schwester Maria mit dem Traktor übers Feld – ganz zum Missfallen der Männer im Dorf. In Sankt Peter – aber sicher nicht nur dort – sagt man: die Frau gehört auf den Hof, nicht auf den Bock.

Man sagt nicht viel in dem kleinen Dorf in Baden-Württemberg zu Beginn der 1950er-Jahre, das der Regisseur Peter Evers für sein Langfilmdebut als Schauplatz gewählt hat. Aber was gesagt wird, ist Gesetz, auch wenn es im Dialekt noch so wurschtig klingen mag – „s’isch halt aus’gmacht“. Aus’gmacht ist, dass Maria heiratet. So will es der Vater. Dann soll auch Gregor das Geld für sein Geschäft haben. Verkompliziert wird dieser „Viechhandel“, wie Maria es unverblümt nennt, durch die inzestuöse Liebe der Geschwister. Dabei nimmt Evers dem Tabubruch jeden Anschein einer Überschreitung, indem er Maria und Gregor von Anfang an als Liebespaar inszeniert. Es gibt begehrliche Blicke auf nackte Körper, stürmische Umarmungen. Das tatsächliche Liebesverhältnis wird dann jedoch recht zurückhaltend, eher romantisch als erotisch, in Szene gesetzt.

Die Konfliktlinien liegen übersichtlich aus

„A Gschicht über d’Lieb“ ist ein Film, dessen Konfliktlinien ungefähr so übersichtlich ausliegen wie die Waren im örtlichen Dorfladen. Auf der einen Seite die beiden Geschwister, die gegen Tradition und Norm aufbegehren. Auf der anderen das Restdorf, eine kaum näher charakterisierte Ansammlung gewaltbereiter Rowdys, die von einem besonders skrupellosen Patriarchen gelenkt werden, der seinen Sohn mit Maria verheiratet sehen will. Irgendwo dazwischen Werner, der verschreckte Sohn des Ladenbesitzers, ein verwundeter und traumatisierter Kriegsheimkehrer, der zum Opfer grausamer Schikanen wird.

Evers treibt die Elemente dieser Tausch- und Begehrensökonomie, in der Maria schon bald als „beschädigte Ware“ gilt und in der außerdem noch eine von Gregor verschmähte Freundin Marias eine Rolle spielt, unaufhaltsam aufeinander zu. Trotz Schwangerschaft, (Selbst-)Mord und toxisch entfesseltem Dorfmob tendiert „A Gschicht über d’Lieb“ als Melodram jedoch eher zum Beschaulichen als Exzessiven. Die Bilder sind sensuell und satt, aber nicht saftig, der Kitsch wird unbedingt vermieden, nicht aber das Gediegene.

Unklar ist, was Evers überhaupt vom Heimatfilm will. Einerseits arbeitet er mit genretypischen Plotelementen, andererseits zeigt er keinerlei Interesse an einer Relektüre oder gar Dekonstruktion. So bleibt bei aller Gesellschaftskritik und Enttabuisierung sexueller Normen doch alles in geordneten Bahnen. Oder wie man in Sankt Peter sagt: „Es isch noch jede Tag Abend g’worde.“

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