Intrigo - Samaria

Drama | Schweden/Deutschland/USA 2018 | 104 Minuten

Regie: Daniel Alfredson

Zweiter Teil der sogenannten „Intrigo“-Trilogie nach Kurzgeschichten des schwedischen Krimiautors Håkan Nesser. Vor zehn Jahren wurde eine junge Frau erschlagen, deren Vater seitdem wegen Mordes im Gefängnis sitzt, obwohl die Leiche nie gefunden wurde. Nun macht sich eine Dokumentarfilmerin daran, die Wahrheit ans Licht zu bringen. Der langatmig und behäbig inszenierte Krimi will den Nachwirkungen vergangener Geschehnisse in der Gegenwart nachspüren, lockt dabei aber auch auf falsche Fährten, welche die filmische Recherche in sich zusammenstürzen lassen. - Ab 16.

Filmdaten

Originaltitel
INTRIGO - SAMARIA
Produktionsland
Schweden/Deutschland/USA
Produktionsjahr
2018
Regie
Daniel Alfredson
Buch
Daniel Alfredson · Birgitta Bongenhielm
Kamera
Pawel Edelman
Musik
Anders Niska · Klas Wahl
Schnitt
Håkan Karlsson
Darsteller
Phoebe Fox (Paula) · Andrew Buchan (Henry) · Jeff Fahey (Jakob Kall) · Millie Brady (Vera Kall) · Luka Peros (Klient)
Länge
104 Minuten
Kinostart
10.10.2019
Fsk
ab 12; f
Pädagogisches Urteil
- Ab 16.
Genre
Drama | Krimi | Literaturverfilmung | Mystery-Film
Diskussion

Zweiter Teil einer Krimi-Reihe nach Kurzgeschichten von Håkan Nesser, in dem eine Dokumentarfilmerin die Umstände aufklären will, die zum Tod ihrer Freundin führten.

Ein Jahr nach „Intrigo – Tod eines Autors“, dem ersten Teil einer Trilogie nach Kurzgeschichten des schwedischen Krimiautors Håkan Nesser, kommt mit erheblicher Verspätung der zweite Teil „Intrigo - Samaria“ ins Kino, wieder inszeniert von Daniel Alfredson. Vor zehn Jahren wurde die 19-jährige Vera Kall zu Hause erschlagen; ihr Vater Jakob sitzt seitdem wegen Mordes im Gefängnis, obwohl die Leiche nie gefunden wurde und er noch immer seine Unschuld beteuerte. Nun will Paula, eine Klassenkameradin von Vera, wissen, was damals wirklich passiert ist.

Eine Rückblende, deren Haltung und Erzählperspektive unklar bleibt, zeigt, wie Vera spätnachts mit dem Fahrrad nach Hause kommt, leise durch die Tür schlüpft und dann, nach einem dumpfen Schlag auf den Kopf, auf den Küchenboden knallt, wo sich rasch eine Blutlache bildet. Paula ist inzwischen Dokumentarfilmerin geworden, die ihre Recherchen mit der Kamera begleitet. Dabei soll ihr Henry helfen, ein erfolgreicher Werbetexter aus Antwerpen. Paula sucht ihn auf, obwohl nicht so ganz klar ist, in welchem Verhältnis er zu Vera stand. Auch Paula scheint etwas zu verheimlichen.

Es fehlt noch ein Mosaiksteinchen

Mehr zu wissen als der andere, sein Geheimnis besser zu hüten, zieht sich wie ein roter Faden durch „Intrigo – Samaria“, und man ahnt, dass erst am Schluss der letzte Mosaikstein ein vollständiges Bild ergibt. Paula macht sich auf in den Hochsicherheitstrakt des Billinger-Gefängnisses, um mit Jakob Krall zu sprechen. Doch der beteuert weiterhin seine Unschuld.

Schon Alfred Hitchcock wusste, dass man den Zuschauer nicht mit einer falschen Rückblende verärgern darf. Er bezog sich dabei auf seinen Film „Die rote Lola“, in dem die Hauptfigur eine Begebenheit beschreibt, die sich für den Zuschauer in Bildern manifestiert, in Wirklichkeit aber gar nicht passiert ist. Hitchcock belügt die Zuschauer, und genau das macht auch Alfredson in „Intrigo – Samaria“.

Nun könnte man argumentieren, dass sich das Misstrauen der Figuren im Film auf das Verhältnis von Regisseur und Zuschauer übertragen ließe. Hitchcock wusste es eigentlich aber besser: Der Zuschauer muss Komplize sein und darf mindestens genauso viel wissen wie die Figuren, wenn nicht sogar mehr. Doch wenn die Bilder lügen, wenn man seinen Augen nicht mehr trauen kann, ist auf nichts mehr Verlass!

Die Kamera soll die Wahrheit einfangen

Daniel Alfredson ist allerdings kein Regisseur, der so ein Dilemma subtil auflösen könnte. Plötzlich fällt die filmische Recherche, deren Kamera doch die Wahrheit einfangen sollte, wie ein Kartenhaus in sich zusammen. Das ist so ärgerlich wie sinnlos: Warum sollte man 90 Minuten einer Ermittlung folgen, deren Auflösung so banal wie unvorhersehbar ist?

Wie schon in „Intrigo – Tod eines Autors“ werden auch hier die Auswirkungen der Vergangenheit auf die Gegenwart viel zu behäbig und unspektakulär inszeniert. Dem Betrachter ist es verwehrt, auf Augenhöhe mit den Figuren über das Geschehen zu reflektieren, weshalb man schnell das Interesse verliert. Auch Phoebe Fox als Paula und Andrew Buchan als Henry gelingt es nicht, gegen die Blässe ihrer Charaktere anzuspielen. Das Drehbuch lässt sie im Stich, und so trudelt der Film seinem Ende entgegen, das man als unerheblich bezeichnen kann.

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