Play (2019)

Drama | Deutschland 2019 | 89 Minuten

Regie: Philip Koch

Eine 17-jährige introvertierte Schülerin findet nach einem Umzug in der neuen Schule nur schwer Anschluss und flüchtet sich in die virtuelle Realität eines Online-Spiels, bei dem sie als starke und kampfgewandte Elfe Schurken und Monster erledigt. Ihre Abhängigkeit von dem Spiel hat in der echten Welt jedoch zusehends unangenehme Auswirkungen. Ein in der Hauptrolle beeindruckend gespieltes (Fernseh-)Drama mit fantasievollen Trickaufnahmen, das die Gefahren der Computerspielsucht aber zu vereinfachend und plakativ beschreibt. Packender erweist sich die Geschichte eines unsicheren Mädchens, das nach einem Platz im Leben sucht. - Ab 16.

Filmdaten

Originaltitel
Produktionsland
Deutschland
Produktionsjahr
2019
Regie
Philip Koch
Buch
Philip Koch · Hamid Baroua
Kamera
Alexander Fischerkoesen
Musik
Michael Kadelbach
Schnitt
Stine Sonne Munch
Darsteller
Emma Bading (Jennifer Reitwein) · Oliver Masucci (Frank Reitwein) · Victoria Mayer (Ariane Reitwein) · Jonas Hämmerle (Pierre Reisig) · Ulrike C. Tscharre (Dr. Nicole Gerber)
Länge
89 Minuten
Kinostart
-
Pädagogisches Urteil
- Ab 16.
Genre
Drama
Diskussion

Fernsehdrama über eine unsichere 17-Jährige, die sich in der reizvollen Parallelwelt eines Online-Spiels verliert, bis ihre Abhängigkeit fatale Folgen für ihr Leben zeitigt.

Warum sie nicht gerne Filme schaue, wird Jennifer (Emma Bading) einmal von einem Mitschüler gefragt, der bloß die Möglichkeit für ein Rendezvous ausloten wollte. „Ich bin gern in meinen eigenen Geschichten und bestimme sie selbst“, antwortet das 17-jährige Mädchen. Denn Jenny ist eine leidenschaftliche Computerspielerin, die sich ganz in die virtuelle Realität des (fiktiven) Online-Games „Avalonia“ geflüchtet hat. Hier kann sie als Elfe Sindruin schön und sexy sein, stark und kampfgewandt. In ihrem wirklichen Leben sieht das anders aus.

Jenny ist soeben mit ihren Eltern (Victoria Mayer, Oliver Masucci) von Wuppertal nach München gezogen. Neue Wohnung, neue Umgebung, neue Schule, neue Klassenkameraden – kein einfacher Start. Jenny findet sich hässlich und uninteressant; Kontakte zu knüpfen fällt ihr schwer.

Ein attraktiver Gegenentwurf

Die Welt von Avalonia erscheint da als attraktiver Gegenentwurf. Und so sieht der Zuschauer, wie das Mädchen, angetan mit halbrunder, schmaler VR-Brille und fingerlosen Handschuhen, die die Bewegungen in den PC übertragen, in ihrem Zimmer steht und wie Tom Cruise in Minority Report scheinbar im leeren Raum agiert. Immer öfter, immer erfolgreicher kämpft sie so gegen Schurken und Monster.

Sogar ihren Mitschüler Pierre trifft sie als Avatar in Avalonia. Gemeinsam erklimmen sie Level um Level. Die „echte“ Welt wird hingegen immer unangenehmer: Die Schulnoten rasseln in den Keller, die ratlosen Eltern nerven mit Spielverboten und der Änderung von WLAN-Passworten. Jennifer rebelliert…

Die Auswüchse der „schönen“ Cyber-Welt

Diese Geschichte kann nicht gut ausgehen, das ahnt man schon zu Beginn. „Ich wollte einfach abtauchen in was Schönes – und darin verschwinden“, berichtet Jenny, sichtlich abgemagert, einer Psychotherapeutin. Regisseur Philip Koch, der sich schon als Co-Autor von Simon Verhoevens Unfriend mit den Auswüchsen der Cyber-Welt und der Abhängigkeit vom Internet beschäftigt hat, zeigt diese „schöne“ Welt in fantasievoll-faszinierenden Trickaufnahmen, deren Mystery-Elemente allerdings isoliert für sich stehen. Der Grund: Die bruchstückhafte Spielhandlung wird nicht nachvollziehbar zu Ende erzählt, Bedrohungen und Gefahren ergeben sich immer vorbereitungslos aus dem Moment heraus. Spannung entsteht so nicht.

Darüber hinaus hat der Regisseur die Gefahren der Computerspielsucht – immerhin sind rund 465.000 Kinder und Jugendliche in Deutschland davon betroffen, also über 15 Prozent aller regelmäßigen Spieler – doch zu vereinfachend und plakativ dargestellt. Die Rasanz, mit der Jenny die Bodenhaftung verliert und irgendwann, mit dramatischen Folgen, nicht mehr zwischen Realität und Spiel unterscheiden kann, wirkt mitunter zu forciert.

Packende Studie einer Pubertierenden

Interessant ist etwas anderes: „Play“ ist die packende Studie eines unsicheren, von Selbstzweifeln geplagten Mädchens, das nach einem Platz im Leben sucht, das in der realen Welt reale Probleme lösen muss und daran scheitert. Emma Bading spielt dieses traumatisierte Mädchen ebenso sensibel wie engagiert. Wenn sie mit eingefallenem Gesicht und tiefen, dunkel umrandeten Augenhöhlen mit einem Messer in der Hand auf ihren Vater losgeht, sieht sie für einen Moment aus wie ein Zombie.

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