Drama | USA 2017 | 106 Minuten

Regie: Richard Levine

Ein frustrierter Schriftsteller hat es sich als Literaturdozent an einem College bequem gemacht, kann die Verachtung für die Talentlosigkeit seiner Studenten aber nur mühsam kaschieren. Als ihm eine schüchterne junge Frau das erste Kapitel ihres Romans zu lesen gibt, registriert der Lehrer begeistert ihr Talent und lässt sich auf eine Affäre mit ihr ein. Eine in den Hauptrollen gut gespielte, aber nur in wenigen Szenen überzeugende Romanverfilmung, die das Thema auf den Kopf gestellter Denkmuster missachtet und nur die Tragödie eines lächerlichen Mannes im Sinn hat. Besonders aufgesetzt wirken die gewollten Parallelen zu Josef von Sternbergs „Der blaue Engel“. - Ab 16.

Filmdaten

Originaltitel
SUBMISSION
Produktionsland
USA
Produktionsjahr
2017
Regie
Richard Levine
Buch
Richard Levine
Kamera
Hillary Spera
Musik
Jeff Russo
Schnitt
Jennifer Lee
Darsteller
Stanley Tucci (Ted Swenson) · Addison Timlin (Angela Argo) · Kyra Sedgwick (Sherrie Swenson) · Colby Minifie (Ruby Swenson) · Peter Gallagher (Len, der Agent)
Länge
106 Minuten
Kinostart
19.09.2019
Fsk
ab 12; f
Pädagogisches Urteil
- Ab 16.
Genre
Drama | Literaturverfilmung
Diskussion

Ein frustrierter Literaturdozent geht einer Studentin auf dem Leim, die ihn mit dem ersten Kapitel ihre Romans ködert und dann der Lächerlichkeit preisgibt.

Einmal ist in „Submission“ kurz ein Ausschnitt aus Josef von Sternbergs Der blaue Engel zu sehen. Marlene Dietrich singt auf Englisch von den Männern, die sie umschwirren „wie Motten das Licht“. Mit dem Wissen um das beschämende Ende des von Emil Jannings gespielten Professor Unrat ahnt man auch hier, dass die Hauptfigur in eine Falle geraten wird, die sein privates und berufliches Leben zerstören könnte. Nicht umsonst trägt die Romanvorlage von Francine Prose den Titel „Blue Angel“. Die Parallele ist gewollt; es geht auch in „Submission“ um sexuelle Anziehung und Verführbarkeit, um Macht und ihren Missbrauch, um Misserfolg und Intrigen.

Ted Swenson ist einer dieser Schriftsteller, wie sie das Kino zuhauf kennt. Vor zehn Jahren hatte er einen erfolgreichen Roman geschrieben: „Phoenix Time“. Seitdem lehrt er als Literaturdozent an einem College in Vermont das Fach Kreatives Schreiben. Allerdings sind seine Studenten keine großen Leuchten, und auch seine eigene Arbeit an einer Paraphrase von Stendhals „Rot und Schwarz“ kommt nicht voran; der Lektor nervt mit fordernden Anrufen. Ted hat sich längst in wortgewandten Sarkasmus geflüchtet, mit dem er Freunde und Kollegen vergrault.

Der Mann als Opfer sexueller Belästigung

Da gibt ihm eine seiner Studentinnen, die schüchterne und unsichere Angela, das erste Kapitel eines Manuskripts mit dem Titel „Eggs“ zu lesen. Es geht darin um ein junges Mädchen, das eine Affäre mit seinem Lehrer hat. Ted könnte gewarnt sein. Doch der Roman gefällt ihm, der Stil, die Fantasie, die Dramaturgie und die Spannung. Obwohl er glücklich verheiratet ist, verbringt er immer mehr Zeit mit Angela, um über den Roman zu reden, aber auch um zu flirten. Dann passiert es: Ted geht mit Angela ins Bett. Ein großer Fehler. Doch das weiß Ted im Gegensatz zum Zuschauer zu diesem Zeitpunkt noch nicht.

Der Zuschauer hat nämlich eine genau komponierte Aufsicht auf diese Sexszene. Während Ted mit heruntergelassenen Hosen auf dem Bett liegt, sitzt Angela nackt auf ihm. Plötzlich verliert er eine Zahnfüllung, der Zauber ist vorbei, und Angela schreitet, nur mit überkniehohen schwarzen Strümpfen bekleidet, selbstbewusst durchs Zimmer. Sie triumphiert, während Ted sich beschämt die Hosen hochzieht. Ein kleines Meisterstück der Inszenierung, sowohl in der Anordnung der Figuren im Raum als auch durch die Leistung der Schauspieler. Der Mann ist eindeutig, so sieht es Regisseur Richard Levine, das Opfer einer sexuellen Belästigung.

Warum überhaupt die Intrige?

Das ist zunächst irritierend, doch man kann dem Film nicht vorwerfen, dass er vor der #MeToo-Bewegung entstanden ist und darum diese Problemstellungen außer Acht lässt. Die Fallstricke von „Submission“ liegen woanders. Levine macht aus der Romanvorlage, mit der Francine Prose menschliches Verhalten aufzeigen und gewohnte Denkmuster auf den Kopf stellen will, fast schon eine Komödie. Oder besser: die Tragödie eines lächerlichen Mannes, die auch den Schluss von Sternbergs „Blauem Engel“ noch einmal aufnimmt. Emil Jannings wird mit Eiern beworfen und muss „Kikeriki“ rufen – was wiederum plakativ und neckisch die Brücke schlägt zu Angelas Romantitel „Eggs“.

So richtig wird allerdings nicht deutlich, warum Ted nicht einfach sein Leben wieder in die Hand nimmt. Warum spinnt Angela eine energieraubende Intrige, obwohl sie es aufgrund ihres Talents gar nicht nötig hätte? Immerhin: Die Darsteller spielen tapfer gegen die Nachlässigkeit der Inszenierung an. Stanley Tucci ist wundervoll als zynischer Dozent, der mit überraschender Naivität in eine Honigfalle tappt. Dabei erlaubt er es, dass ihm Addison Timlin als gewiefte Drahtzieherin hoffnungslos überlegen ist. Sie ist der eigentliche Star des Films.

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